"Mit LTE kommt nun ein Rennpferd" "Mit LTE kommt nun ein Rennpferd" - Computerwelt

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09.02.2014 :: Printausgabe 3/2014 :: Oliver Weiss

"Mit LTE kommt nun ein Rennpferd"

Im Gespräch mit der COMPUTERWELT erklärt Günther Ottendorfer, seit kurzem Chief Technology Officer der Telekom Austria Gruppe, warum LTE in Zukunft für die Bewältigung "einer Datenwelle sowohl im Festnetz, als auch mobil" unerlässlich sein wird.

Günther Ottendorfer, CTO der Telekom Austria Gruppe

Günther Ottendorfer, CTO der Telekom Austria Gruppe

© Telekom Austria Gruppe

Mitte vergangenen Jahres hat die Telekom Austria Group Günther Ottendorfer zum Chief Technology Officer (CTO) ernannt. Ottendorfers große Pluspunkte sind die Erfahrung als ehemaliger CTO von T-Mobile Deutschland bzw. als Managing Director Networks bei Optus Singtel, dem zweitgrößten Telekommunikationsanbieter Australiens, für den er die Einführung von LTE geleitet hat.

Computerwelt: Warum sind Sie nach Jahren als im Ausland erfolgreicher Manager wieder nach Österreich zurückgekommen?
Günther Ottendorfer:
Zum einen, weil meine beiden Töchter wieder nach Europa zurückwollten und weil die ganze Familie hier lebt. Zum anderen, weil ich die Telekom Austria Gruppe sehr interessant finde. Die Märkte sind sehr spannend. Die sind natürlich gerade in der Krise, haben aber grundsätzlich großes Potenzial. Und die Telekom Austria Gruppe hat mit acht Ländern ein gute Größe, wo man etwas bewegen kann.

Was sind für Sie als CTO der Telekom Austria die großen Herausforderungen?
Ein Riesenthema ist für uns natürlich LTE. Da kommt nun neben dem Arbeitspferd 3G ein Rennpferd. In Österreich ist der Ausbau ja schon gestartet. Derzeit decken wir rund 38 Prozent der heimischen Bevölkerung ab und bis Mitte 2014 wollen wir jeden zweiten Österreicher erreichen. Mit LTE 800 können wir mobile Services auch am Land sehr ökonomisch anbieten, weil das dafür das ideale Spektrum ist. Und auch die Indoor-Versorgung wollen wir damit verbessern.

Wieso die Indoor-Versorgung?
Früher hatten unsere Kunden ihr mobiles Device, egal welches, hauptsächlich am Ohr. Jetzt geht es dazu über, dass die Geräte sehr viel mit den Augen verwendet werden, woraus sich auch neue Nutzungsorte ergeben. Inzwischen verwende ich das Handy überall und daher brauche ich auch mehr Indoor-Coverage. Deshalb sind auch die Lowband-Frequenzen wichtiger als in der Vergangenheit, weil die Dienste immer mehr weg von Voice gehen.

Spielt das Festnetz in Zeiten von LTE noch eine wichtige Rolle?
Ja, da wir konvergente Angebote offerieren. Diese Konvergenz bringt auch einen weiteren Ausbau des Festnetzes mit sich. Wir haben bereits einen Versuch mit Vectoring gemacht und glauben, dass sich damit aus der Kupferader wesentlich mehr herausholen lässt als man bisher gedacht hat. Auf Strecken unter hundert Metern konnten wir in dem Versuch bis zu ein Gigabit über Kupfer transportieren. So müssen wir nicht Glasfaser bis direkt zu Wohnungen einziehen, sondern können das letzte Stück so lassen und trotzdem hohe Geschwindigkeiten bieten.

Wie lange werden gute Geschwindigkeiten mit Kupfer noch möglich sein?
Irgendwann wird man an Glasfaser nicht mehr vorbeikommen, aber für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre kann man für das letzte Stück auch mit Kupfer noch gut auskommen. Und das macht natürlich einen enormen Unterschied beim Investment: Je weniger ich anfassen muss, desto besser. Gerade in Städten wie in Wien, wo sehr viel Denkmalschutz besteht.

Welche Lektionen aus anderen Märkten helfen Ihnen für das Geschäft am österreichischen Markt?
Ich war erstaunt über die Menge des mobilen Datentraffics in Australien und glaube, dass das auch in Österreich stark zunehmen wird. Bei uns sind ja auch viele Leute viel draußen und die Zahl der Smartphones steigt ständig. Das heißt, wir müssen uns auf eine große Datenwelle sowohl im Festnetz als auch mobil vorbereiten. Diese Welle müssen wir richtig surfen. Da ist mit der Auktion der Frequenzen ein wichtiger Schritt erfolgt und die Frequenzausstattung, die wir bekommen haben, ist sehr gut. Die Auktion selber war ein richtiges Desaster, weil viel zu teuer.

Welche Rolle spielt Software defined Networking für die Telekom Austria?
Als Gruppe, die sowohl kleine, als auch große Provider vereint, können wir mit Hilfe von Network Virtualization den Auslastungsgrad unseres Netzes über die Gruppe hinweg deutlich verbessern. Da habe ich zum Beispiel einen kleineren Betreiber in der Gruppe, der gelegentlich sehr viel Kapazität braucht für Packet Core. Dem kann ich dann aus der Gruppe heraus helfen und kann alles viel besser ausbalancieren. Darum werden wir die Netzwerkvirtualisierung auch stark vorantreiben.

Wie lange wird das dauern?
Das ist ein echter Paradigmenwechsel, der eine längere Einführungsphase erfordert. Das wird parallel aufgebaut und getestet werden. Und es erfordert ein Umdenken sowie neue Skills: Früher war es gefragt, Experte für ein System zu sein, und da die Hardware, die Software und die Interaktion gut zu verstehen. Das ändert sich.

Das Gespräch führte Oliver Weiss.


Günther Ottendorfer

Nach dem Informatikstudium von 1987 bis 1992 an der TU Wien war Ottendorfer 1996 Gründungsmitglied von max.mobil in Österreich. Managementerfahrung sammelte er als COO bzw. CTO für T-Mobile Österreich, als CTO für T-Mobile Deutschland, als Technologiedirektor für T-Mobile International und vor dem Wechsel zur TAG als Managing Director Networks von Optus Singtel in Australien.

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