Gastkommentar: Digitales Fotoalbum & Urheberrecht Detail - Computerwelt

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23.03.2011 Andreas Schütz*

Gastkommentar: Digitales Fotoalbum & Urheberrecht

Mit dem Einzug der sozialen Netzwerke in unser Leben kamen auch die hochgeladenen Fotos der User – und damit eine Flut an Urheberrechtsverletzungen – auf.

Die meisten sozialen Netzwerke ermöglichen nicht nur das Hochladen von Bildern, sondern auch das »Taggen«, also das Markieren anderer Nutzer auf eigenen Fotos. Durch diesen Vorgang wird auf einem eigenen Bild ein Link zu der abgebildeten Person gesetzt. Dies ist auch auf Facebook möglich, jedoch wird hier das betreffende Foto direkt auf das Profil der getaggten Person kopiert, sodass Freunde des Verlinkten das Bild einsehen können, ohne überhaupt mit der hochladenden Person »befreundet« zu sein. Der betroffene User wird zwar von Facebook über den Vorgang verständigt und hat die Möglichkeit, die Verlinkung zu löschen, doch geschieht die Übernahme primär ohne Einverständnis des Abgebildeten.

Diese Anwendung steht in Konflikt mit § 78 des Urheberrechtsgesetzes (UrhG), dem Recht am eigenen Bild. Dabei handelt es sich um ein Persönlichkeitsrecht, das Dritten die Veröffentlichung des eigenen Bildes untersagt, wobei es ausreicht, wenn die abgebildete Person erkennbar ist. Zusätzlich müssen »berechtigte Interessen« des Abgebildeten bzw. im Todesfall dessen Angehörigen der Veröffentlichung entgegenstehen. In welchem konkreten Umfang diese berechtigten Interessen verletzt werden, ist nicht klar definiert. In diesem Zusammenhang kann jedoch davon ausgegangen werden, dass getaggte Fotos, die Personen in einem negativen Kontext oder in unpässlichen Situationen zeigen, jedenfalls gegen deren berechtigte Interessen verstoßen. Die Tatsache, dass die Fotos nach dem Markieren sofort auf dem Profil abrufbar sind, verschärft diese Situation noch weiter. Das Einverständnis der betroffenen Person sollte daher vor dem Taggen unbedingt eingeholt werden.

Auch die Foto-Aktion, bei der die User ihr Profilbild durch die Comic-Helden ihrer Kindheit ersetzten, führte meist unbewusst zu einer Reihe von Urheberrechtsverletzungen. Diese können mitunter bis heute andauern, wenn man die betreffenden Fotos nicht vom Profil gelöscht hat.

* Der Autor ist Rechtsanwalt bei e|n|w|c Natlacen Walderdorff ­Cancola Rechtsanwälte.

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