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28.11.2009 Benjamin Schischka*

So stoppen Sie Spionage: Das weiß Windows über Sie

Name, Firma, peinliche Fotos – Windows macht kein Geheimnis aus Ihren Daten. Wir entlarven Windows-Datenschutz-Probleme und zeigen Ihnen, wie Sie die Spionage stoppen – mit Know-how, Freeware-Tools und Porno-Modus.

„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ ist der Titel eines bekannten Horrorfilms. Doch was Windows über Sie weiß, ist nicht nur auf einen Sommer begrenzt. Und dagegen, wie schnell diese Daten den Besitzer wechseln können, ist jeder Horrorfilm eine harmlose Gute-Nacht-Geschichte. Mit unseren Tipps bringen Sie den Schwätzer zum Schweigen.

Tipp 1: Zuletzt geöffnete Programm- und Dokument-Anzeige deaktivieren Wenn mehrere Personen denselben Rechner benutzen, kann die Auskunftsfreudigkeit von Windows schnell ein Problem werden. Zwar gibt es dafür Benutzerkonten – aber sich abzumelden, nur weil der Partner schnell seine Mails checken will, ist umständlich und verdächtig. Ein einziger Klick auf „Start“ genügt dann, um alle Programme und unter „Zuletzt verwendetet Dokumente“ die letzten 15 Dokumente zu sehen, die Sie vorher geöffnet hatten. Per Rechtsklick auf „Start“ unter „Eigenschaften, Startmenü Anpassen, Allgemein“ löschen Sie die Programmliste und reduzieren die Anzeige auf Null. Die Rubrik „Erweitert“ erlaubt das Deaktivieren und Löschen der Dokumenten-Liste.

Tipp 2: Mit Freeware die Nach-Hause-Telefonie von Windows abstellen Aber Windows ist nicht nur auf Ihrem Rechner mitteilsam, es telefoniert auch gerne nach Hause, etwa in Form von Fehlerberichtserstattungen oder Daten zur Verwendung des Windows Media Players. Teilweise ist nicht ganz klar, welche Daten nach Redmond gehen und Microsoft gibt an, diese nur zur Verbesserung der Software zu sammeln. Auf der sicheren Seite sind Sie mit dem Gratis-Tool XP-Antispy, das auch unter Vista seinen Zweck erfüllt, oder mit xpy, das nicht installiert werden muss. Beide verfügen außerdem über einige Tweaks zum System-Tuning. Explizit für Vista ist das Tool Vispa konzipiert. Es führt auf Wunsch auch Änderungen durch, die die Leistung von Vista erhöhen.

WORD VERRÄT JEDEM IHREN NAMEN Microsoft Word ist laut Wikipedia das meistverwendete Textverarbeitungsprogramm der Welt und auf vielen Windows-Rechnern als Bestandteil einer MS Office-Suite installiert. Viele Nutzer wissen jedoch nicht, dass Word fleißig Daten sammelt, und diese auch für Dritte einsehbar sind.

Tipp 3: Autoren-Namen- und Firmen-Anzeige in Word-Dateien unterbinden Machen Sie den Selbst-Test: Öffnen Sie eine Word-Datei (.doc) mit dem Microsoft-Schreibprogramm und hangeln Sie sich im Menü „Datei, Eigenschaften“ zu einem Fenster, das Name und Firma des Autors verrät. Diese Angaben hat Word bei der Installation von Ihnen erhalten. Peinlich wird es schnell, wenn Sie damals Ihr Chat-Alter-Ego „Bärchen“ eingetippt haben und Ihrem Chef jetzt einen kurzen Bericht mailen. Noch mehr zu sehen gibt es unter „Statistik“: Wer das Dokument wann zuletzt gespeichert hat, wie oft es geändert (Version) und wann es zuletzt ausgedruckt wurde. Die sensibelsten Informationen – alle Namen und die Firma – löschen Sie unter „Extras, Optionen, Sicherheit, Datenschutzoptionen“ per Häkchen ab sofort automatisch.

Tipp 4: Wiederherstellbarkeit gelöschter Informationen verhindern Besonders heikel ist die „Schnellspeicherfunktion“ älterer Word-Versionen, die erst ab Office 2003 Service Pack 3 entschärft wurde. Gelöschte Informationen, etwa Namen oder ungeschönte Bilanzzahlen, macht Word damit nur unsichtbar. Zwar beschleunigt dies den Speichervorgang, mit einem einfachen Texteditor jedoch können diese Daten ausgelesen werden. Deaktivieren Sie die Funktion unter „Extras, Optionen, Speichern, Schnellspeicherung zulassen“.

EIN FOTO-SPION ENTHÜLLT DIE PEINLICHSTEN BILDER Wenn Sie „Alle Dateien und Ordner anzeigen“ aktiviert haben, sehen Sie in Ordnern, die Bilder enthalten, die versteckte Datei Thumbs.db. Diese enthält eine verkleinerte Ansicht aller Bilddateien des Ordners, um die Bildvorschau zu beschleunigen.

Versteckter Verräter: Thumbs.db Problematisch wird es, wenn Sie beim Verschieben eines Ordners auf einen Online-Speicher oder Brennen einer CD die Thumbs-Datei aus Versehen mitkopieren. Spezielle Software wie der ThumbsDbExtractor vergrössert die Miniaturen und der Exif Reader kann zusätzliche Bildinformationen anzeigen, etwa Aufnahmedatum und Kameramodell. So geraten auch peinliche Party-Bilder, die Sie extra nicht mitkopiert haben, schnell in falsche Hände.

Tipp 5: Thumbs.db dauerhaft loswerden Die Datei Thumbs.db können Sie ohne Probleme löschen, jedoch legt Windows bei jeder Thumbnail-Ansicht automatisch eine neue Vorschau-Datei an. Dauerhaft unterbinden Sie das, indem Sie im Explorer unter „Extras, Ordneroptionen, Ansicht“ die Option „Miniaturansichten nicht zwischenspeichern“ aktivieren.

VERRÄTERISCHE SURFSPUREN Tipp 6: Datenschutz-Schwächen des Internet Explorers ausbügeln Standardmäßig speichert der Internet Explorer Elemente von besuchten Webseiten auf Ihrer Festplatte, was den Vorteil hat, dass die Seiten beim nächsten Besuch schneller aufgebaut werden. Der Ordner Temporary Internet Files ist damit aber auch ein Protokoll, das verrät, auf welchen Seiten Sie unterwegs waren. Unter „Extras, Internetoptionen, Allgemein, Browserverlauf“ weisen Sie den IE an, keine temporären Dateien zu speichern. Auch den äußerst verräterischen Verlauf schalten Sie hier ab, indem Sie die Speicherzeit auf Null setzen. Mit dem kostenlosen Tool pcwTypedUrls müssen Sie nicht den gesamten Verlauf löschen, sondern entfernen gezielt nur Seiten, deren Besuch geheim bleiben soll.

Bequem, aber geschwätzig ist außerdem die Funktion „Autovervollständigung“, die neue Adress- und Formulareingaben mit früheren vergleicht. Schalten Sie sie in den Internetoptionen unter „Inhalte“ ab. Last but not least sollten Sie das Cookie-Management im selben Menüfenster unter „Datenschutz“ anpassen. Cookies speichern Informationen über Sie, sind für manche Dienste aber unabdingbar. Stellen Sie den Sicherheistregler so hoch wie möglich, ohne dass es Probleme mit den von Ihnen besuchten Seiten gibt.

Tipp 7: IE 8 herunterladen und im Porno-Modus surfen Der Internet Explorer in der neuen Version 8 verfügt über einen speziellen Modus, der, solange er aktiviert ist, keine Daten auf der Festplatte speichert. Mit dem IE 8 sparen Sie sich obige Tipps, indem Sie im Menü „Sicherheit“ oder über die Tastenkombination STRG+SHIFT+P das „InPrivate-Browsen“ (inoffiziell: Porno-Modus) aktivieren.

Datenschutz unter Firefox Übrigens: Firefox-Nutzer regeln Cookies, Verlauf (Chronik) und temporäre Dateien unter „Extras, Einstellungen, Datenschutz“. Wer will aktiviert dort unter „Private Daten“, dass Firefox bei jedem Beenden bestimmte Informationen automatisch löscht. Bis Mozilla mit einem „Porno-Modus“ nachzieht, rüsten Firefox-Fans Ihren Browser mit dem Addon Stealther auf, welches einen ähnlichen Effekt hat.

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