Georg Herrnleben, BSA: "Solange es Ideen gibt, werden sie geklaut" Detail - Computerwelt

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10.09.2010 Rudolf Felser

Georg Herrnleben, BSA: "Solange es Ideen gibt, werden sie geklaut"

Georg Herrnleben ist Direktor Zentral-, Osteuropa und MEA & Afrika der Business Software Alliance (BSA), dem "Sprachrohr" der weltweiten Softwareindustrie.

In der Öffentlichkeit ist die BSA vor allem als "Jäger von Software-Piraten" bekannt, die versucht das geistige Eigentum ihrer Mitglieder bestmöglich zu schützen. Wie Herrnleben im Gespräch mit Computerwelt.at erklärt, setzt die BSA jedoch ebenfalls am anderen Ende an: Es geht auch um Aufklärung und Präventivmaßnahmen, schon bei Jugendlichen und Kindern. Die BSA beschäftigt sich zudem nicht nur mit Piraterie, sondern darüber hinaus auch mir Gebrauchtsoftware und Open Source.

Was ist die Aufgabe der BSA? Die BSA ist die Stimme der weltweiten Softwareindustre. Unser Hauptanliegen ist der Schutz des Urheberrechts und des geistigen Eigentums von Software. Unser Primärziel: Das Volumen illegaler Software weltweit zu verringern.

Wie viele Mitglieder hat die BSA? Wer sind die größten? Unsere Mitglieder stehen für rund 85 Prozent des weltweiten Softwaremarktes. Darunter sind beispielsweise große Namen wie Microsoft, Apple, Adobe oder Autodesk, aber auch kleine und mittelständische Unternehmen, die auf Länderebene Mitglieder der BSA sind.

Ich kenne die BSA hauptsächlich im Zusammenhang mit Business-Software. Aber Sie beschäftigen sich auch mit dem Consumer-Bereich? Eigentlich sind es drei Teile: Wir versuchen uns politisch Gehör zu verschaffen, und zwar dort wo es notwendig ist – etwa osteuropäische Länder – um eine gesetzliche Grundlage für Antipirateriemaßnahmen zu schaffen. Unsere zweite Komponente ist, dass wir versuchen Aufklärungsarbeit zu leisten: Am besten schon präventiv im Jugend- und Kinderalter zu vermitteln, was Urheberrecht bedeutet und wie wichtig es ist. Am liebsten im Unterricht an der Schule. Der dritte Aspekt ist die Strafverfolgung von Urheberrechtsverletzungen. Die ersten beiden Punkte gehen alle an, Business- und private Nutzer. Die dritte Komponente bezieht sich eigentlich auf Unternehmen.

Geschehen die Piraterie-Verstöße in Unternehmen zum Großteil mit Absicht oder aus anderen Gründen? Auch wir denken viel über diese Frage nach. Vor zehn oder auch vor sechs Jahren wäre meine Antwort spontan gewesen: "Teils, teils. Es gibt Unternehmen die ganz klar das Risiko eingehen und Unternehmen, die durch Nachlässigkeit in die Sache reingerutscht sind." Dieses Bild hat sich in meinen Augen geändert. Die Urheberrechtsdiskussion ist so präsent, dass im geschäftlichen Bereich mittlerweile jeder wissen müsste, dass man sich legal verhalten muss. Jetzt geht es darum, wie die rechtliche Schieflage entsteht: Es gibt leider immer noch zu wenig Unternehmen, die die Vorteile von modernem Software Asset Management (SAM) begriffen haben. Sieben von zehn Unternehmen hätten nicht durchsucht werden müssen, wenn sie bei sich vernünftiges SAM eingeführt hätten. Bei vielen ist es also eine sträfliche Vernachlässigung des Themas, wobei ich auch eine gewisse Risikobereitschaft unterstelle.

In diesem Zusammenhang ist mir bei der Recherche aufgefallen, dass die Website "www.fragen-sie-sam.at", die von der BSA vor Jahren geschaffen wurde um Unternehmen bei diesem Thema zu unterstützen, nicht mehr online ist. Wird sie ersetzt? Wir haben etwas im Köcher zum Thema SAM. Wir haben hart daran gearbeitet, um unsere SAM-Initiativen zu verbessern. Mit den neuen Angeboten werden wir Ende September zunächst in den englischsprachigen Märkten starten. Zu viel kann ich Ihnen dazu aber jetzt noch nicht sagen.

Dann weiter mit der nächsten Frage: Sie sind seit 1999 für die BSA tätig. Wie hat sich aus Ihrer Perspektive der Trend bei den Verstößen in den letzten Jahren entwickelt? Ein Aspekt, der bei mir persönlich dazu gekommen ist, weil sich mein geografischer Schwerpunkt erweitert hat (Anm. d. Red.: Georg Herrnleben wurde mit März 2009 Direktor Zentral-, Osteuropa, MEA und Afrika derBSA): Ich sehe, dass in Osteuropa in Bereichen der Pirateriebekämpfung eine viel größere Dynamik besteht, als in etablierten westeuropäischen Märkten. In Osteuropa gibt es mehr Unterstützung von staatlichen Stellen. Wir führen beispielsweise in Russland, aber auch in der Türkei, gemeinsam mit dem Innenministerium massive Kampagnen auf Plakaten, im Fernsehen und so weiter durch. Da ist eine Dynamik drin, die ich in Österreich und Deutschland vermisse. Was mir Sorgen bereitet ist, dass wir in Österreich und Deutschland – was die Piraterierate betrifft – auf der Stelle treten. In den letzten zwei bis drei Jahren ist es uns nicht gelungen, einen Durchbruch wie etwas in den USA zu schaffen, wo wir bei 21 Prozent stehen. Diesen Durchbruch können wir nur schaffen, wenn wir mehr mit den Regierungen und den staatlichen Stellen zusammenarbeiten können. Es geht nicht um partikulare Interessen der Softwareindustrie, sondern um die gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Der Staat verliert schließlich auch Geld.

Aber wie sieht der Trend aus? Stillstand? Geht es bergab? Bergab? Soweit möchte ich nicht gehen, mit der Wirtschaftskrise hatten wir ein schwieriges Jahr. Ich würde sagen, wir haben den Status Quo gehalten – trotz Krise. Das darf aber für einen Standort wie Österreich kein Maßstab sein. Woran orientieren wir uns? Nehmen wir das Nachbarland Tschechien als Beispiel: Dort ist die Piraterierate von 40 Prozent auf 37 Prozent gesunken. Da nähert sich langsam etwas an. Die Frage ist, ob wir hier verharren wollen, oder nicht.

Österreich liegt laut der aktuellen IDC/BSA-Studie auf dem geteilten fünften Platz, was "gesetzestreue" Softwarenutzer angeht. Kann man die Piraterierate von aktuell 25 Prozent noch deutlich senken? Und vor allem: Wie? Wir machen das, was wir machen müssen. Diese Pflicht nehmen wir an. Wenn man durch präventive Maßnahmen dafür sorgen kann, dass folgende Generationen ein ausgeprägteres Bewusstsein für Urheberrecht entwickeln, als "unsere Generation", wäre das gut. Es würde mich freuen, wenn Softwarepiraterie in der Zukunft als "Kinderkrankheit des digitalen Zeitalters" gesehen würde. Wir sind nicht naiv: Wir wissen, dass einige Leute Urheberrechte verletzen weil sie denken, dass die Softwareindustrie genug verdient und eine reiche Industrie ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass auch der Staat auch seine Stimme erhebt. Es geht um den Zukunftsstandort und Arbeitsplätze. Das muss klarer kommuniziert werden, dann haben wir eine echte Chance Urheberrechtsverletzungen signifikant einzuschränken. Keine Frage: Solange es Ideen gibt werden sie geklaut werden. Aber wir können noch viel mehr erreichen.

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