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07.02.2012 pte/Rudolf Felser

Atlantis aus Google Earth gelöscht

Seit 2009 beflügelte eine gitterförmige Struktur, die bei Google Earth am Grund des Atlantik vor der Küste Nordafrikas zu sehen war, die Fantasie der Menschen.

Seit einem Update vergangene Woche ist die Struktur, die in der Längsachse über 160 Kilometer misst, nicht länger zu erkennen. Viele Enthusiasten verorteten sogar die Straßen der versunkenen Stadt Atlantis in der regelmäßigen Struktur. Das Update der Google-Earth-Karten mit genaueren Daten entzieht den Spekulationen jede Grundlage.

"Die Achillesferse der Sonar-Messung ist die Schallgeschwindigkeit. Ihr Wert ändert sich in Abhängigkeit von der Wassertemperatur. Wenn bei Tiefenmessungen ein Mittelwert angenommen wird, kann das die Ergebnisse beeinflussen. So können Artefakte im Kartenmaterial entstehen", erklärt Olaf Boebel vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung im Gespräch mit der Nachrichtenagentur pressetext. Die neueren, genaueren Daten für Google Ocean, ein Teilprojekt von Google Earth, stammen aus Forschungsfahrten, die über einen Zeitraum von drei Jahren von Teams der Universität von Kalifornien und der National Oceanic and Atmospheric Administration unternommen wurden.

Die Daten über den Meeresgrund werden ständig verbessert. "Durch kompliziertere Verfahren können die Ungenauigkeiten minimiert werden. Ein Fächersonar, das sowohl senkrecht als auch entlang der Schiffachse misst, erfasst jede Stelle des Meeresgrundes mehrmals. So kann die mittlere Schallgeschwindigkeit und damit die exakte Tiefe ermittelt werden", erklärt Boebel. Die alte Karte, auf der die regelmäßige Struktur zu sehen war, basierte laut Geophysiker David Sandwell auf einer Prototyp-Vermessung, die zwar hohe Auflösung, dafür aber viele Fehler geboten hat.

Noch 2012 sollen die Karten von Google Ocean erneut verbessert werden. Durch die angestrebte Verdoppelung der Tiefen-Akkuratesse werden die topografischen Daten auch für die Forschung interessanter, etwa für die Planung von Mess-Fahrten. "Die Technologie und die Möglichkeiten zur Verarbeitung der enormen Datenmengen, die bei Sonar-Messungen entstehen, entwickeln sich ständig weiter. Bei uns gibt es Qualitätsmanagement-Prozesse, die die Genauigkeit der Daten sicherstellen. Ungenaue Karten können schließlich Konsequenzen haben", so Boebel. Trotz der genaueren Vermessung ist über den Meereesboden noch immer weniger bekannt, als über die Oberfläche des Mondes. (pte)

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