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12.04.2012 Rudolf Felser/pte

Journalisten auf Twitter wenig glaubwürdig

In den USA verbreitete sich kürzlich eine Falschmeldung über die Twitter-Accounts von teilweise prominenten Journalisten, wie die New York Times berichtet.

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Twitter hat sich zu einem wichtigen Werkzeug für Journalisten entwickelt. Jeder Journalist, der etwas auf sich hält, verfolgt die Nachrichtenlage in Echtzeit über das soziale Netzwerk. Die unglaubliche Geschwindigkeit birgt in Zusammenhang mit geringen Ressourcen die Gefahr, dass Meldungen ungeprüft übernommen werden. In den USA verbreitete sich kürzlich eine Falschmeldung über die Twitter-Accounts von teilweise prominenten Journalisten, wie die New York Times berichtet. Der republikanischen Gouverneurin von South Carolina, Nikki R. Haley, wurde darin Steuerhinterziehung unterstellt.

"Im deutschen Journalismus spielt Twitter noch keine so wichtige Rolle wie in den USA. Der Siegeszug hält aber nach wie vor an. Ich kenne hierzulande keinen Negativ-Fall, der Schlagzeilen gemacht hätte. Die Gefahr, dass Journalisten die 140 Anschläge übernehmen, ist hoch. Die Sorgfaltspflicht muss gewahrt bleiben, auch bei Twitter. Das gilt auch für persönliche Accounts, sofern sie mit den Journalisten in Verbindung gebracht werden können", sagt Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband gegenüber der Nachrichtenagentur pressetext.

Im jüngsten US-Fall hat die Falschmeldung ihren Ursprung auf der Internetseite eines tendenziell demokratischen Bloggers. Der Artikel berief sich auf zwei ungenannte Experten, die eine baldige Verurteilung von Haley prophezeiten. Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Journalisten mit riesigen Anhängerzahlen hatten großen Anteil an der Geschwindigkeit der Verteilung. Unter anderem retweeteten auch Journalisten der Washington Post, der Huffington Post, der New York Times und von CBS die Nachricht ohne die Fakten zu prüfen.

"Retweets bedingen keine Verantwortung", scheint ein gängiges Credo zu sein. "Wenn etliche Meldungen zu einem Thema aus verschiedenen Quellen gepostet werden, ist davon auszugehen, dass etwas dran ist. Recherche muss trotzdem sein, auch wenn die Nachricht nur weitergeleitet wird", so Zörner. Im Falle von Gouverneurin Haley führte die Falschmeldung via Twitter zu etlichen Medienberichten. "Hat es eine Meldung erst in die Medienbranche geschafft, wird oft zu wenig geprüft. Es ist ein altes Agentur-Stilmittel, Meldungen mit 'Wie Medium XY berichtete...' zu eröffnen, ohne die Quellen zu überprüfen", erklärt Zörner.

Abhilfe könnte lediglich eine größere Belegschaft bringen. "Neben der Schnelligkeit der neuen Medien ist der Mangel an Zeit und Geld in den Medienhäusern das größte Problem. Früher waren Online-Medien oft Negativ-Beipiele in dieser Hinsicht. Heute stimmt das nicht mehr. Es gibt viel gutes Personal auf dem Markt, das gelernt hat, wie verantwortungsbewusster Online-Journalismus auszusehen hat", sagt Zörner. Trotzdem werden oft Inhalte übernommen, ohne sie zu hinterfragen.

Im Falle von Twitter führen Journalisten oft an, dass es sich um eine Konversation handle und nicht um Nachrichten. Das entschuldigt die Verbreitung falscher Informationen jedoch nicht. Im Falle von Haley brauchte die Presseabteilung der Politikerin einige Tage, um den schriftlichen Beweis der Unschuld zu erbringen. Die meisten Journalisten haben diese Tatsache bei Twitter verbreitet und einige haben sich sogar entschuldigt. Den entstandenen Image-Schaden repariert das nicht. Wenn Journalisten Twitter-Nachrichten nicht prüfen, laufen sie deshalb Gefahr, sich politisch instrumentalisieren zu lassen. (pte)

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