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06.09.2011 pte/Rudolf Felser

Wikipedias Jugendfilter weiter Zankapfel

Ein Referendum über die Einführung eines Jugendfilters zeigt eine tiefe Spaltung der Community. Der Streit, der zur Abstimmung führte, brach im April wegen angeblich pornographischer Bilder aus.

Diese wurden aus dem Wikimedia-Commons-Archiv gelöscht. An der Umfrage der Wikimedia Foundation hatten sich weltweit mehr als 24.000 Autoren beteiligt. Die Möglichkeit einer Ablehnung war nicht gegeben. Stattdessen wurde die Wichtigkeit des Anliegens bewertet. Der Filter soll auf eigenen Willen des Users ein und ausschaltbar sein.

Bei dem nun ausgewerteten weltweiten Fragebogen zur Einführung eines Jugendschutz-Filters zeigten sich 16 Prozent gar nicht interessiert, während sich 20 Prozent "höchste Priorität" für das Problem wünschten. Sehr wichtig war für 40 Prozent allerdings, dass User den Filter selbstständig an- und ausschalten können. Die deutsche Version von Wikipedia hatte eine eigene Umfrage gestartet. Dabei sprachen sich bisher rund 85 Prozent gegen eine Einführung der Filter aus

"Das Meinungsbild ist noch nicht abgeschlossen", so Catrin Schoneville von Wikimedia Deutschland gegenüber der Nachrichtenagentur pressetext. "In der deutschsprachigen Wikipedia wird auf die Initiative der Gemeinschaft zwischen 25. August und 15. September dieses Meinungsbild aufgezeichnet. Das hat zunächst nichts mit der Stiftung zu tun und auch nichts mit dem Verein Wikimedia Deutschland." Die finale Entscheidung trifft die Foundation. Das setzt aber Mitarbeit und Zuspruch voraus. In der Vergangenheit wurden stets die Meinungen der Communitys berücksichtigt, wie Schoneville ausführt.

PORNOSTREIT ERSCHÜTTERT COMMUNITY Bisher war Wikipedia mit seiner offenen Wissensgenerierung aufgefallen und konnte für kurze Infos als einführende Quelle mit einiger Sicherheit verwendet werden. Verschiedene Manipulationen, wie etwa die der US-Republikaner vor Wahlen trübten aber das Bild. Das hatte 2008 die Einführung der durchgesehenen Artikel zur Folge. Schon damals hatte Wikipedia die Gemeinschaft der Autoren darüber abstimmen lassen und in einem sensiblen Prozess Haltung bewahrt und Missbrauch einen Riegel vorgeschoben.

Nun hat der bereits 2002 im Streit ausgeschiedene Wikipedia-Mitbegründer Larry Sanger einen Konflikt über angeblich pornographische Inhalte vom Zaun gebrochen: Er hat, wie er selbst verlautbarte, die Wikimedia Foundation im April beim FBI angezeigt, da sich aus seiner Sicht der Verdacht der Verbreitung von kinderpornographischen Inhalten erhärtet habe.

Stein des Anstoßes waren unter anderem sogenannte Lolicons – japanische Zeichnungen, die Kinder in erotischen Posen zeigen. Die Wikipedia-Stiftung wies derartige Anschuldigungen vehement zurück und antwortete, Sanger habe die entsprechenden Gesetze missinterpretiert. Zudem sorge ein Heer an freiwilligen Mitarbeitern dafür, dass sämtliche Inhalte "akribisch" gesichtet und bewertet werden, so Wikimedias Rechtsberater Mike Godwin. In einer weiteren Stellungnahme betonte die Wissens-Community, dass sie bisher weder vom FBI noch von anderen Polizeistellen kontaktiert wurde. (pte)

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