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05.09.2011 pte/Rudolf Felser

Twitter-Falschmeldungen verursachen Chaos

Im mexikanischen Veracruz sind ein Privatschullehrer und eine Radiomoderatorin angeklagt worden, weil sie am 25. August Meldungen über angebliche Kindesentführungen via Twitter verbreitet haben.

Das berichtet der Guardian. Die Tweets hatten Verkehrsunfälle und Ausfälle im Telefonnetz zur Folge. Die beiden Beschuldigten werden nach Terrorismusgesetzen angeklagt, weshalb ihnen Haftstrafen von bis zu 30 Jahren drohen.

Gilberto Martinez Vera und Maria de Jesus Bravo Pagola wird vorgeworfen, Panik über das soziale Medium Twitter verbreitet zu haben – unter anderem Meldungen über Angriffe von bewaffneten Banden auf Schulen in Veracruz. Vera soll in mehreren Kurzmeldungen von Kindesentführungen berichtet haben. Auch eine Nachricht über sechs überfahrene Kinder soll die Runde gemacht haben. Einen Unfall gab es tatsächlich, wie die Ankläger mitteilten. Allerdings waren keine Kinder involviert. Die Beschuldigten weisen jede Schuld von sich und behaupten, sie hätten nur schon existierende Kurzmeldungen weitergegeben.

Durch die Falschmeldungen, die sich wie Lauffeuer in Veracruz verbreiteten, kam es zu 26 Autounfällen, weil alarmierte Eltern versuchten ihre Kinder aus der angeblichen Gefahrenzone zu holen. Außerdem brach das Telefonnetz für Notrufe unter der Last der Anrufe besorgter Väter und Mütter zusammen. Der Staatssekretär für Inneres des Bundesstaates Veracruz, Gerardo Buganza, verglich das entstandene Chaos mit der Panik, die nach der Ausstrahlung der Pseudo-Nachrichtensendung "Krieg der Welten" ausgebrochen war.

Ein Grund für die heftige Reaktion auf die Twitter-Nachrichten ist die Situation in Veracruz. Seit einiger Zeit wird die Region von gewalttätigen Auseinandersetzungen im Drogenmilieu heimgesucht. Die Menschen sind verunsichert und haben Angst. Die Medien trauen sich kaum über die Drogenkriminalität zu berichten, was dazu führt, dass die Menschen sich vermehrt auf soziale Medien wie Twitter verlassen, um zu erfahren, was vor sich geht. Die Angeklagten sind schockiert über das Ausmaß der Strafe, die ihnen jetzt droht.

Amnesty International kritisiert das Vorgehen der mexikanischen Justiz und verweist auf das Recht der Angeklagten auf Redefreiheit. "In Europa ist der Rechtschutz hingegen anders gegeben. Wir haben mit dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein sehr effizientes System. Ein solcher Prozess wäre bei uns nicht möglich", sagt Menschenrechtsanwalt Reinhard Kohlhofer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur pressetext. (pte)

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