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18.08.2011 apa/Rudolf Felser

Niederösterreicher als heimische Internetmuffel

Die Niederösterreicher sind Österreichs größte Internetmuffel, die Vorarlberger die emsigsten Websurfer. Das geht aus dem "Telekom-Monitor" hervor, den das IFES im Auftrag der RTR erstellt hat.

Die Niederösterreicher sind Österreichs größte Internetmuffel, die Vorarlberger die emsigsten Websurfer. Während im zweitbevölkerungsreichsten Bundesland nur 56 Prozent aller Haushalte einen Internetzugang besitzen, sind in Vorarlberg knapp neun von zehn Haushalten bereits online.

Die Vorarlberger verweisen Wien (79,5 Prozent), die Steiermark (77,1 Prozent) und Oberösterreich (76,5 Prozent) auf die Plätze, Tirol (68,2 Prozent) und das Burgenland (69,4 Prozent) sind mit Respektabstand vor Niederösterreich am unteren Ende der Skala zu finden. Diese geht aus dem heute, Donnerstag, präsentierten "Telekom-Monitor" hervor, den das IFES im Auftrag der Telekom-Regulierungsbehörde RTR erstellt hat. Niederösterreich sei bei der Internetnutzung vielleicht "ein bisschen ländlicher" als andere Bundesländer, erklärte RTR-Chef Georg Serentschy. Die Gründe für den großen Rückstand lägen in Kultur und Wirtschaftsgeschichte, sowie im Bildungssystem.

Auffällig ist auch, dass die Nutzung von Online-Shopping mit knapp 20 Prozent am Land nahezu doppelt so groß ist wie in den Städten. Auch Online-Banking wird am Land (40,8 Prozent) von mehr Usern genutzt als in den Städten (32,2 Prozent). Dies liege nicht zuletzt durch das geringere Angebot von Geschäftslokalen sowie den größeren Distanzen, führte Serentschy aus. Insgesamt verfügen 78 Prozent der städtischen und 69 Prozent der ländlichen Haushalte über einen Internetanschluss, bei Handy (Stadt: 96 Prozent, Land 92 Prozent) und Festnetz (Stadt: 47 Prozent, Land: 52 Prozent).

AUSBILDUNG HAT EINFLUSS Der Vergleich zwischen weiblichen und männlichen Nutzern zeigt auf, dass Männer alle untersuchten Internetdienste stärker nutzen als Frauen - einzig soziale Netzwerke wie Facebook werden von mehr Frauen (42,3 Prozent) als Männern (32,1 Prozent) angesurft. Auch war den männlichen Befragten ein spezielles Handymodell wichtiger bei der Vertragswahl. Die Ausstattung mit Internet im Haushalt (Männer: 76 Prozent, Frauen 68 Prozent) ist gleich jener mit Handy (Männer: 94 Prozent, Frauen 91 Prozent) männlich dominiert, Festnetz wird von mehr Frauen (52 Prozent) als Männern (47 Prozent) genutzt.

Die Ausbildung hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Telekomnutzung: So haben 42 Prozent der Personen mit Matura mobiles Breitbandinternet im Haushalt, aber nur 19 Prozent der Personen ohne Matura. Jedoch besitzen Personen ohne Matura (98 Prozent) eher ein Handy als jene mit Matura (91 Prozent). Bei der Festnetznutzung beträgt das Verhältnis laut dem "Telekom-Monitor" genau 50:50. Auch auffallend ist, dass mehr als zwei Drittel der Personen ohne Matura noch nie Internettelefonie benutzt haben, allgemein werden Internetdienste mit steigendem Bildungsgrad eher konsumiert.

NACHFRAGE STÄRKEN Auch Alter und Einkommen beeinflussen die Nutzung von Telekomprodukten stark: So findet man bei höherem Einkommen mehr Festnetzanschlüsse, während die ausschließliche Handynutzung abnimmt. Insgesamt liegt bei höherem Einkommen eine höhere Telekom-Ausstattung vor. Die Unterschiede zwischen den Altersgruppen birgt hingegen wenig Überraschungen: Die Festnetzverbreitung steigt mit zunehmenden Alter, während die Mobilfunkverbreitung abnimmt. Der Preis spielt bei der Auswahl des Handyanbieters eine wichtigere Rolle für Jüngere, nur 10 Prozent der unter 30-jährigen verfügen über keinen Internetzugang.

"Netzpolitik statt Strukturpolitik" forderte RTR-Chef Serentschy, um Abstände zwischen den Gruppen zu verkleinern und die Telekommunikationsverbreitung besser zu verteilen. Dabei sei vor allem das Bildungssystem in allen Stufen gefragt, auch Erwachsenenbildung und Seniorenheime. Aber auch die Anbieter ruft Serentschy auf den Plan: "Es hat keinen Sinn, Investitionsruinen aufzustellen, man muss die Nachfrageseite stärken."

Der Telekom-Monitor wird alle zwei Jahre vom IFES im Auftrag des RTR erstellt. Es wurden 2.036 Privatkundenhaushalte persönlich interviewt sowie 1.000 Unternehmen telefonisch befragt. Die Erhebung fand im Jänner 2011 statt, als Städte gelten alle Landeshauptstädte. (apa)

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