Mythen, Vorurteile, Halbwahrheiten: Die größten Lügen um die Cloud Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


07.08.2011 Wolfgang Herrmann*

Mythen, Vorurteile, Halbwahrheiten: Die größten Lügen um die Cloud

Cloud Computing ist zum Massenthema geworden. Kein Wunder, dass jede Menge Mythen, Halbwahrheiten und dreiste Lügen im Umlauf sind.

Bringt Cloud Computing Unternehmen mehr oder weniger IT-Sicherheit? Macht es die IT-Nutzung einfacher oder wird das Management der diversen Services am Ende nur noch komplexer? Die Antworten hängen stark von der Interessenlage der Befragten ab - und davon, wie fortgeschritten sie bereits in Sachen Cloud-Nutzung sind. Wir haben die größten Vorurteile, Mythen und Lügen rund um die Cloud zusammengetragen.

Lüge 1: Cloud Computing ist unsicher Ganz gleich, ob die Analysen von Gartner, IDC, Saugatuck oder der Experton Group stammen: Sicherheitsbedenken gehören noch immer zu den größten Hemmnissen für eine breitere Akzeptanz von Cloud-Diensten in Unternehmen. Geschürt werden die oft diffusen Ängste potenzieller Nutzer auch durch ganz reale Ereignisse.

Der Ausfall von Amazons EC2-Cloud-Infrastruktur im April dieses Jahres war nur ein besonders prominentes Beispiel. Kritiker des Cloud-Konzepts sind deshalb schnell mit pauschalen Urteilen zur Hand: Cloud Computing, so argumentieren einige, berge ein quasi systemimmanentes Risiko, Daten zu verlieren oder sie dem Zugriff von Unbefugten auszusetzen.

"Viele haben schlicht Angst, die Kontrolle zu verlieren", erklärt Leonardo Balbinot, CIO des brasilianischen Handelsunternehmens Lojas Renner dazu. Rational ließen sich solche Bedenken indes schwer begründen, ergänzt Accenture-CIO Frank Modruson: "Dass die Daten an einem anderen Ort liegen, bedeutet ja nicht, dass sie unsicher oder sicherer sind." Um die Risiken einzudämmen, gebe es nur einen Weg: Testen, Überwachen und immer wieder Security-Reviews anstoßen.

Lüge 2: Cloud Computing ist einfach Wer eine Cloud-Infrastruktur aufbauen oder nutzen will, muss längst nicht alles selber machen, werben die diversen Anbieter von Cloud-Services. Kunden erhielten auf Wunsch eine schlüsselfertige Lösung aus einer Hand. Dementsprechend finden sich mittlerweile zahlreiche "Cloud-Pakete" auf dem Markt.

Sie reichen vom Fullservice-Angebot einschließlich Beratung und Integration bis hin zur kompletten Private Cloud "in der Box". So sollen Bedenken bezüglich der oft diffizilen Integration von Cloud-Diensten oder -Infrastrukturen in die hauseigene IT zerstreut werden. "Die Hersteller werden Ihnen immer erzählen, sie hätten eine schlüsselfertige Lösung", gibt Carmen Malangone, IT-Chefin beim Kosmetik-Konzern Cotly, zu bedenken.

Doch um stark angepasste Anwendungen in die Cloud zu transferieren, brauche es Zeit. Die Managerin rechnet mit mindestens acht Monaten für das Standardisieren und Testen einer größeren Applikation in einer neuen Cloud-Umgebung. Angesichts der ausufernden Customizing-Optionen gängiger Business-Software sollten IT-Verantwortliche dabei größte Sorgfalt walten lassen. "Die Konfiguration einer Software kann schnell zum komplexen Customizing ausarten", warnt MalangoneIn. In diesem Fall aber gerate jedes Upgrade in der Cloud-Welt zum aufwändigen Projekt.

Lüge 3: CFOs lieben die Cloud Das große Versprechen der Cloud-Apologeten für Finanzverantwortliche in Unternehmen lautet: Die Cloud ersetzt fixe Kapitalkosten (Capex) durch variable operationale Kosten (Opex). Die Frage ist nur: Will Ihr Unternehmen das überhaupt? "Es wird einfach angenommen, dass es eine ökonomische Präferenz für Opex gegenüber Capex gibt", beobachtet Mark White, CTO in der Sparte Technology Practice bei Deloitte Consulting.

"Doch längst nicht jedes Unternehmen möchte mehr Opex, einige bevorzugen Capex." Letzteres könne durchaus Vorteile bringen, wenn man beispielsweise die hohen Abschreibungen betrachte, die manche Unternehmen für ihre Data Center geltend machen.

Lüge 4: Nur das Business profitiert von der Cloud Die meisten CIOs geben Kostenersparnisse, die sie durch Cloud Computing erzielen, an das Business weiter. Doch was spricht eigentlich dagegen, die freigewordenen Mittel in die IT-Organisation zu reinvestieren? "Ich verwende einen Teil der Einsparungen für das Team-Building", berichtet etwa David Riley, Director Information Systems, beim Softwarehersteller Synaptics. "Wir müssen die Moral hochhalten."

Lüge 5: Für Core-Systeme ist die Cloud ungeeignet Dass es bislang noch wenige Kernanwendungen gibt, die Unternehmen in die Cloud verlagern, heißt nicht, dass es unmöglich ist. CIO Balbinot etwa betreibt das Core Retail-System für seinen milliardenschweren Arbeitgeber in der Cloud. Auch der Volkswagen-Konzern hat diesen Schritt gewagt. Er stellt Applikationen und Daten für rund 700.000 Anwender inner- und außerhalb des Unternehmens über eine eigene "Volkswagen Cloud" zur Verfügung.

Lüge 6: Die Cloud ist immer billiger IT-Managerin Malangone suchte ein Cloud-basierendes Tool für Single-Sign-on. Doch mit jeder zusätzlichen Applikation und jedem neuen Benutzer stieg die Rechnung des Cloud-Providers. "Das Tool war eine großartige Idee", resümiert die IT-Chefin. "Doch man muss vorab den richtigen Preis auf Basis der eigenen Wachstumserwartungen verhandeln."

Schon zu Beginn des Cloud-Hypes behauptete die Unternehmensberatung McKinsey in einer viel diskutierten Studie, Kunden könnten mit Cloud Computing nur dann Kosten sparen, wenn sie spezielle Plattformen wie Linux nutzten. Unternehmen mit einem größeren Data Center hätten finanzielle Vorteile, wenn sie die Systeme im Haus behielten.

Auch Forrester-Experte James Staten gab noch im vergangenen Jahr zu bedenken: Unter den derzeit geltenden Lizenz- und Support-Bedingungen kommerzieller Softwareanbieter zahlten Kunden im ungünstigen Fall sogar deutlich mehr, wenn sie Anwendungen in der Cloud statt inhouse installierten. Zugegeben: Seit dieser Aussage hat sich in Sachen Lizenzmodelle und Abrechnungsmodi für Cloud-Anwendungen einiges getan; man denke nur an Microsofts Preismodelle für Office 365. Doch die pauschale Aussage, die Cloud mache alles billiger, gehört auch heute noch ins Reich der Fabeln.

* Der Artikel stammt von der deutschen Computerwoche.

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • Editel Austria GmbH

    Editel Austria GmbH Supply Chain Management, E-Procurement und Supply Chain Management, Datenkonvertierung, Überwachungssysteme, Trust Center/Zertifizierungssoftware, Digitale Signatur, Datensicherung,... mehr
  • ELO Digital Office AT GmbH

    ELO Digital Office AT GmbH Mobile Lösungen und Applikationen, Dokumentenmanagement und ECM, Übernahme von Softwareprojekten, Systemintegration und Systemmanagement, Programmierung, Individual-Softwareentwicklung, IKT-Consulting,... mehr
  • SEQIS GmbH

    SEQIS GmbH Qualitätssicherung, Expertensysteme, Tools, Security Audits, E-Commerce-Software, B2B Dienste und Lösungen, Übernahme von Softwareprojekten,... mehr
  • Dicom Computer VertriebsgesmbH

    Dicom Computer VertriebsgesmbH WLAN-Systeme, VPN, Netzwerk-Systeme (LAN, MAN, WAN), Netzwerk-Management, Netzwerk-Diagnose-Systeme, Netzkomponenten, Mobile Lösungen und Applikationen,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: