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28.07.2011 Alex Wolschann/pte

Tweet-Analyse verrät Geschlecht des Users

Die Forscher der US-amerikanischen Nonprofit-Organisation Mitre Corporation können über einen Algorithmus das Geschlecht von Twitter-Usern erkennen.

Die Forscher der US-amerikanischen Nonprofit-Organisation Mitre Corporation können über einen Algorithmus das Geschlecht von Twitter-Usern erkennen. Dazu reicht eine einzige Kurznachricht des Nutzers aus, um eine 66-prozentige Trefferwahrscheinlichkeit zu erreichen. Bernhard Hurch, Leiter des Instituts für Sprachwissenschaften an der Universität Graz, hat erforscht, dass sich Frauen und Männer beim Sprachgebrauch in Verhalten und Wortwahl unterscheiden.

Die Quote des Computers stieg auf über 75 Prozent, wenn er alle Tweets der jeweiligen Person erfasste. Bei der Analyse der Beschreibungen der Nutzer gelang ein Ergebnis von 71 Prozent, jenes bei der Auswertug des Namens lag bei 77 Prozent. Kombinierte das Programm die Analyse von Tweets, Beschreibung und Namen, so tippte es in 92 Prozent aller Fälle das Geschlecht richtig.

Weibliche Twitterer nutzen bestimmte Begriffe häufiger als männliche. In einer von den Wissenschaftern erstellten Wortliste wurden etwa die Begriffe "Liebe", "niedlich", "Schlaf" oder "Schokolade" eher den Frauen zugeordnet. Sie nutzen auch häufiger Abkürzungen wie "LOL" (laughing out loud) oder "OMG" (oh my god), die im Internet gängig sind. Männern wurden lediglich zwei Worte zugeordnet: Das Protokollkürzel "http" und "google".

Ähnliches kann auch Sprachexperte Bernhard Hurch feststellen. Er erklärt, dass es neben Unterschieden in der Begriffswahl aber auch verschiedene Muster im Sprachverhalten gibt. "Männer neigen beispielsweise eher dazu, Frauen beim Reden zu unterbrechen als umgekehrt", schildert er. In Sachen Grammatik wenden beide Geschlechter die deutsche Sprache aber gleich an.

Kaum Divergenzen in der Wortwahl gibt es nur da, wo Sprache gezielt für einen bestimmten Gebrauch modifiziert wird. So seien sich Politikeransprachen in ihren Mustern oft sehr ähnlich, egal ob es sich bei der vortragenden Person um eine Frau oder einen Mann handelt. Hintergrund könne in diesen Fällen der Einsatz von neurolinguistischen Programmier-Techniken (NLP) sein, der zur Normierung beiträgt.

Wenig erfreut ist der Experte über politische Eingriffe in die Sprache. So attestiert er etwa dem forcierten Gebrauch geschlechtsneutraler Begriffe, bekannt unter dem Begriff "Gendering", keine nachhaltige Wirkung auf die Denkmuster von Menschen. "Als Linguist wünsche ich mir, dass die Machtunterschiede zwischen den Geschlechtern verschwinden, die Diversität der Sprache aber erhalten bleibt", so Hurch abschließend.

Weitere Abweichungen stellten die Mitre-Forscher in der Verwendung von Punktuations-Zeichen wie Smileys und possessiven Bigrammen fest. "Meine Freundin" und "mein Bier" waren bei Männern oft im Gebrauch, "mein Jogurt" und "mein Mann" bei Frauen. Diese besitzanzeigenden Satzteile ließen auch eine Analyse des politischen Identifikation zu. So schrieben Nutzer mit demokratischem Hintergrund eher über Yoga und Vegetarismus, Republikaner eher über die Einkaufskette Walmart und Waffen.

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