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20.06.2011 Rudolf Felser/pte/apa

ICANN erlaubt generische Domains

Nach jahrelangem Ringen hat oberste Domainverwaltung ICANN die Vergabe neuer generischer Top-Level-Domains (gTLDs) beispielsweise für Städte oder Markennamen beschlossen.

Ab 12. Januar 2012 können sich Interessenten um eine Domainendung bewerben - rund drei Jahre später, als ursprünglich erhofft. Einem entsprechenden Vorschlag stimmte die ICANN am Montag in Singapur zu. Sie setzte sich damit über Befürchtungen hinweg, die neuen Domains als Ersatz für die Firmenendung ".com" könnten das System der Namensgebung im Internet durcheinander bringen.

"Die verwirrende Anfangsphase wird kurz sein", versprach ICANN-Vorstandmitglied Sebastian Bachollet. "Das ist die umfangreichste Änderung bei den Domainnamen seit der Einführung von '.com' vor 26 Jahren", kommentierte Theo Hnarakis, Chef eines Internetdienstleisters im US-Bundesstaat Kalifornien, die Entscheidung.

Bislang gibt es gerade einmal 22 gTLDs, dazu kommen etwas mehr als 200 länderspezifische Domainendungen. Mit der Neuerung müssten sich Firmen und andere Organisationen nicht länger auf bisherige Endungen wie ".com", ".net" oder ".org" beschränken. Beobachter rechneten damit, dass vor allem Großkonzerne bald von der Änderung Gebrauch machen. So könne der Autohersteller BMW zum Beispiel die Endung ".bmw" wählen.

Nach Ansicht von Hnarakis könnten gerade große Unternehmen mit einem besonderen Interesse an der Kundenbindung "Wettbewerbsvorteile" aus den neuen Internetadressen ziehen. Zugleich warnte er, dass die Vergabe der Domains nicht so einfach gestaltet werden solle wie die Registrierung einer ".com"-Endung. "Das wird eine komplexe Aufgabe, die Nachdenken und Investitionen erfordert", sagte Hnarakis. Den Konzernen riet er, gewünschte Registrierungen umgehend in Angriff zu nehmen.

Eine weitere Hemmschwelle dürfte der Preis für eine Registrierung sein: 185.000 Dollar wurden allein für die Bewerbung veranschlagt. Lediglich für Entwicklungsländer ist eine finanzielle Unterstützung geplant, sie sollen von einem Großteil der Gebühren "befreit" werden. Details finden sich im Applicant Guidebook sowie in einer neuen FAQ-Datei (PDF).

Besonders von verschiedenen Regierungen wurde Kritik an dem Vergabeverfahren laut. So ist etwa die Europäische Kommission alles andere als zufrieden mit der Erweiterung des Internet-Namensraums. Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Kommission und zuständig für die Digitale Agenda, sei "enttäuscht, dass der ICANN-Vorstand wiederholt die Bedenken von Seiten der Vertreter öffentlicher Interessen übergangen" habe, teilte beispielsweise Kroes' Sprecher, Jonathan Todd, dem Online-Magazin heise online mit. (pte/apa/rnf)

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