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27.02.2011 Tobias Weidemann*

Lokalisierungstechniken: Vor- und Nachteile der Geo-Lokalisierung

PC und Smartphone verraten, wo Sie sind. Das nutzen immer mehr Internetdienste für standortbezogene Infos. Wir erklären die Lokalisierungstechniken, nennen Beispiele und Gefahren.

Sage mir, wo Du bist, und Du bekommst die Infos, die relevant für Dich sind.“ Nach diesem Motto bieten immer mehr Internetseiten standortbezogene Infos und Dienste an: Bekannte in der Nähe treffen, das Programm des Kinos um die Ecke, die nächstgelegenen Sehenswürdigkeiten, Werbe- und Privatanzeigen aus der Region sind nur ein paar Beispiele. Das klappt aber nur, wenn die Dienste den Benutzer lokalisieren können. Bei Computern, Tablet-PCs und Internet-Handys prinzipiell kein Problem: Diese Geräte verraten durch ihre IP-Adresse im Internet oder mit ihrem eingebauten GPS-Modul, wo Sie gerade sind. Auf diese Weise kann Ihnen Ihr Smartphone nicht nur mit Hilfe einer Navigations-Software den richtigen Weg zeigen, sondern Sie auch mit Zusatzinformationen via Internet versorgen.

Die Standortbestimmung wird auch in sozialen Netzwerken eingesetzt. Durch Lokalisierungsdienste kann man bequem mitteilen, an welchem Ort man sich gerade aufhält. Doch nicht jedem gefallen die neuen Möglichkeiten. Denn Lokalisierungsdienste lassen sich auch missbrauchen. Wir erklären, wann die Lokalisierung einen Nutzen bringt, und zeigen Gefahren auf.

DIE IP-ADRESSE: EINFACH, ABER WENIG PRÄZISE Die Betreiber von Internetseiten und -diensten mit lokalen Infos können über verschiedene Wege ermitteln, wo Sie sich gerade aufhalten. Am weitesten verbreitet, aber auch am wenigsten präzise ist die Erkennung auf Basis der IP-Adresse, mit der Sie gerade im Internet angemeldet sind. Egal ob Computer oder Smartphone: Jedes Gerät, das ins Internet geht, erhält von Zugangsanbieter eine eindeutige Zahlenkombination als Adresse.

Durch sie lässt sich in der Regel aber nur die Stadt oder der Ballungsraum korrekt erkennen. Eine genauere Standortbestimmung auf Straßenebene ist dagegen nicht möglich. Wer über das Netzwerk eines Unternehmens mit mehreren Standorten ins Internet geht, wird möglicherweise einer falschen Stadt zugeordnet. Dazu zählen auch die Netzwerke der großen überregionalen Internetzugangsanbieter.

Für viele Internetseiten ist jedoch nur die Region wichtig, in der sich der Besucher befindet. Katalog- und Prospektdienste wie www.kaufda.de listen beispielsweise dann die am Ort verfügbaren Einkaufsmärkte und deren aktuelle Angebote auf. Oder Preisvergleichsseiten wie www.guenstiger.de fügen den aktuellen Versandschnäppchen die Angebote von Händlern vor Ort hinzu.

Auch viele Suchmaschinen arbeiten mit regionalen Aspekten, gewichten beispielsweise eine bestimmte Firma vor Ort höher als ein gleichnamiges Unternehmen in einer anderen Region.

Bei der Zuordnung von Werbung spielt die Lokalisierung mit Hilfe der IP-Adresse ebenfalls eine immer wichtigere Rolle. So erhalten Internetnutzer aus Bayern die Werbung eines Münchner Modehauses. Dagegen ist bei einer IP-Adresse, die Berlin zugeordnet wird, die Reklame eines dort ansässigen Kaufhauses zu sehen. Unternehmen wollen so unpassend zugestellte Werbung vermeiden.

GPS-ORTUNG: BIS AUF WENIGE METER GENAU Wenn man den Standort zuverlässiger und genauer ermitteln will, kommt die bei Navigationsgeräten bewährte GPS-Lokalisierung zum Zuge. Besonders verbreitet sind Lokalisierungsfunktionen daher im Zusammenhang mit Handy-Apps, da die meisten Smartphones serienmäßig über GPS-Empfänger verfügen. Mit dessen Hilfe kann das Gerät zumeist auf wenige Meter genau melden, wo sich der Besitzer gerade befindet.

Die GPS-Ortung wird zumeist durch einen Lage- und einen Beschleunigungssensor unterstützt. Hier spricht man von Assisted GPS. So können Smartphones einfach und oft treffsicher ihren aktuellen Ort mitteilen, auch wenn gerade kein GPS-Signal empfangen werden kann, weil sich der Handybesitzer nicht im Blickfeld der Ortungs-Satelliten befindet.

Die Möglichkeiten, die sich durch die Standortbestimmung per GPS-Meldung ergeben, sind vielfältig und gehen weit über reine Routenplanung und Navigation à la Google Maps hinaus. Hier ein paar Beispiele für interessante Smartphone-Apps: Die iPhone-App Stau Mobil erkennt, wo Sie sich gerade befinden, und zeigt anhand der aktuellen ADAC-Daten Staus und Verkehrsbehinderungen in der Umgebung.

Auch die Qype-App setzt auf die Ortsangabe des Handynutzers. Auf der Internetseite www.qype.com bewerten Besucher Restaurants, Bars, Geschäfte und andere lokale Punkte. Die Qype-App ermittelt Ihren aktuellen Standort und zeigt die Adressen der bewerteten Kneipen und Geschäfte in der Umgebung. Das ist nicht nur in fremden Städten praktisch. Qype gibt es sowohl für iPhone und Blackberry als auch für Smartphones mit Android- und Symbian-Betriebssystem.

Noch relativ neu ist die Kombination aus Handykamera und via GPS-Meldung abgerufenen Informationen aus dem Internet. Die iPhone-App des Immobilienportals Immonet beispielsweise erkennt anhand von GPS und Lagesensor die Blickrichtung des iPhone-Benutzers und zeigt anhand der auf der Inter-netseite hinterlegten Angebotsdaten die Entfernung und die Richtung zu Immobilien, die zum Verkauf stehen. Wenn der Nutzer zusätzlich die Kamera im iPhone einschaltet, wird innerhalb des Kamerabildes angezeigt, welche Wohnungen und Häuser verkauft oder zur Vermietung angeboten werden.(„Augmented Reality“).

FACEBOOK ORTE: EINGESCHRÄNKTE PRIVATSPHÄRE Bei der Standortbestimmung per IP-Adresse oder Meldung der GPS-Daten zum Abruf lokaler Daten wissen nur die Betreiber der Internetseiten und -dienste, wo Sie sich gerade aufhalten. Bedenklicher wird es, wenn Sie die moderne GPS-Lokalisierungstechnik dazu verwenden, Ihren Aufenthaltsort der Allgemeinheit zu melden.

In sozialen Netzwerken sind Lokalisierungsdienste stark im Kommen. Bekanntestes Beispiel ist der auf GPS-Daten basierende Facebook-Dienst Facebook Orte. Er ermöglicht es allen Nutzern des weltgrößten Kontaktnetzwerks, ihren Freunden und Bekannten mitzuteilen, wo sie sich gerade aufhalten – eine freiwillige und leichtfertige Einschränkung der Privatsphäre. Bis vor einigen Wochen gingen solche Ortsangaben bei Facebook nur über den Umweg über externe Lokalisierungsdienste wie Foursquare. Jetzt bietet das Kontaktnetzwerk diese Funktion in Eigenregie an. So attraktiv die Möglichkeit auch sein mag, durch die Standortmeldung auf Bekannte in dere Nähe zu stoßen, so genau sollten Sie darauf achten, dass sie nur an die gewünschten Adressaten gelangt. Bei falschen oder leichtfertigen Facebook-Einstellungen besteht die Gefahr, dass Unbefugte mitbekommen, wo sich bestimmte Facebook-Mitglieder gerade aufhalten, und diese Informationen zum Beispiel dazu verwenden, dessen Wohnung in seiner Abwesenheit leerzuräumen. Ein solcher Fall ging kürzlich durch die Presse.

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