Was ist privat, was ist dienstlich?: Facebook im Büro stellt CIOs vor Probleme Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


20.02.2011 Alexandra Mesmer*

Was ist privat, was ist dienstlich?: Facebook im Büro stellt CIOs vor Probleme

Soziale Netzwerke machen es schwierig, klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen. Sieben CIOs berichten, warum "Facebook im Büro" für sie eine Herausforderung ist, die sich technisch nicht lösen lässt.

Müsste man Web 2.0 bildlich darstellen, würde sich so manches Unternehmen wohl für einen Januskopf entscheiden. Der römische Gott Janus mit zwei Gesichtern als klassisches Symbol der Zwiespältigkeit. Einerseits versuchen immer mehr Unternehmen soziale Netzwerke für Marketing und Werbung zu nutzen, schließlich kann man hier mit dem potenziellen Kunden direkt in Kontakt treten. Andererseits merken sie, dass Facebook und Co. vor den Werkstoren nicht halt machen: Wer Facebook privat extensiv nutzt, akzeptiert keine Zwangspause von acht oder neun Stunden. Wenn Arbeitgeber den Zugang zu sozialen Netzen sperren, können sie sich vor allem bei der jüngeren Generation schnell ins Abseits bugsieren. Wir wollten von sieben CIOs wissen, wie sie die private Nutzung von Internet, E-Mail und Social-Media in ihrem Unternehmen regeln und wo sie die größten Herausforderungen beim Thema "Facebook im Büro" sehen.

WER EIGENVERANTWORTLICHE MITARBEITER WILL, DARF NICHTS SPERREN Michael Kollig, CIO Nordost- und Zentraleuropa der Danone-Gruppe: "Wir gehen mit der privaten Nutzung von Online-Services sehr großzügig um. Prinzipiell sind alle Dienste zugänglich, wobei wir aber versuchen, Inhalte gesetzeswidriger oder pornographischer Natur zu blockieren. Für uns kommt eine komplette Blockade dieser Online-Dienste nicht in Frage. Kommunikation und Interaktion mit einer großen Anzahl von Kunden und Konsumenten ist für uns als Markenartikler im Konsumgütersegment eine Kernkompetenz. Wenn ich diese Dienste für berufliche Zwecke frei schalte, ist es den Mitarbeitern nicht zu vermitteln, warum sie diese nicht auch in vernünftigen Grenzen privat nutzen sollten, zumal in vielen Fällen die Grenze zwischen privater und geschäftlicher Nutzung nicht klar zu ziehen ist. In unserem Leitbild fordern wir den unternehmerisch denkenden, eigenverantwortlichen Mitarbeiter, dazu passt eine straffe Regulierung im Bereich Online-Dienste nicht. Gemeinsam mit dem Betriebsrat haben wir eine Internet-Richtlinie aufgestellt, die aber mehr an den gesunden Menschenverstand appelliert als harte Grenzen zu ziehen.

Die größte Herausforderung von "Facebook and friends" ist die Sensibilisierung der Mitarbeiter. Was ein Mitarbeiter aus seinem Privatleben preisgibt, ist sicher seine persönliche Entscheidung, auch wenn hier etwas mehr Zurückhaltung angebracht wäre. Im Firmenkontext erwarten wir von jedem Mitarbeiter, dass keine vertraulichen oder anderweitige interne Informationen auf diesen Plattformen erscheinen. Auch in dem Fall setzen wir auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter und versuchen nicht, scheinbare Sicherheit durch technische Lösungen zu finden. Dies gilt im gleichen Maße für das oft heiß diskutierte Thema Arbeitszeitverlust durch Nutzung von Online-Medien. Es ist hauptsächlich die Verantwortung der Mitarbeiter und ihrer Führungskräfte, ihre Arbeitszeit und Ergebnisse zu managen. Die Verschwendung von Arbeitszeit auf Online-Plattformen ist eher ein Symptom einer grundsätzlichen Motivations- oder Führungsproblematik und weniger der Verfügbarkeit dieser Medien geschuldet."

FACEBOOK IST NOCH EIN PRIVATES MEDIUM Jürgen Thoma, Geschäftsbereichsleiter IT und CIO bei Haufe Lexware Services in München: "Wir handhaben die Nutzung von Social Media in der Haufe Gruppe sehr liberal. Für uns ist es wichtig, dass die Mitarbeiter dieses Medium verstehen. Wir erarbeiten gerade eine Social Media Guidance, um Leitplanken vorzugeben. Facebook ist nach meiner Ansicht im Unterschied zu Xing (noch) ein vorwiegend privates Medium. Zumindest meine Kommunikation mit Geschäftspartnern läuft noch weitgehend ohne Facebook. Ich möchte das momentan auch nicht ändern.

Die Entwicklung der letzten Monate ist jedoch sehr spannend. Sollte es Facebook gelingen, sich als zentrale Kommunikationsplattform zu etablieren, dann wird diese auch im Büro Einzug halten. Allerdings gibt es in Sachen Sicherheit und Datenschutz noch Vorbehalte.

DIE NONSTOP-CHATTER SIND EIN PROBLEM Thomas Rössler, IT-Leiter der Medienhaus Südhessen GmbH in Darmstadt: "Das Internet - und somit alle Social-Media Anwendungen - dürfen in unserem Hause derzeit generell nur dienstlich genutzt werden. Private E-Mail-Nutzung wird unter klar definierten Auflagen geduldet. Dazu gehören das Scannen auf Viren, das Blocken von Spam und potenziell schädlicher Mails oder der Zugriff auf das Postfach durch die IT. Insofern dürfen unsere Mitarbeiter Facebook, Twitter & Co. nur für geschäftliche Aufgaben nutzen. Gründe hierfür sind zum einen rechtlicher Art als auch praktischer Natur wie um Bandbreite zu sparen oder um den Download schädlicher Inhalte soweit als möglich einzuschränken.

Grundsätzlich ist die private Nutzung des Internets im Unternehmen ein Problem, dass nur schwer geregelt werden kann. Speziell die Grenzen zwischen potenziell erlaubter und im Firmeninteresse ungewünschter Nutzung zu ziehen, ist sehr schwierig. Sicher würden viele Anwender bewusst die private Nutzung des Internets auf ihre Pausen beschränken, jedoch gerade im Bereich Social-Media sind die wenigen schwarzen Schafe, das heißt die "24 Stunden Farmville-Powerfarmer" und "Nonstop-Chatter" ein Problem."

SICHERHEIT VOR FREIHEIT Manuel Fischer, CIO bei der Cetrel, a SIX-Group Company, in Luxembourg: "Um unsere hohen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, wird die unternehmensweite Nutzung von Internet auf im weitesten Sinn Business bezogene Sites beschränkt. Die sozialen Netzwerke mit Zielsetzung Business können benutzt werden, die freizeitbezogenen Social-Media-Plattformen sind nicht verfügbar.

Die größte Herausforderung beim Thema "Facebook im Büro" ist der Datenschutz des Unternehmens: Wie kann man hohe IT-Sicherheitsstandards einführen und gleichzeitig eine Plattform wie Facebook nutzen?

MODERATE PRIVATE NUTZUNG Thomas Schott, Leiter IT bei der Rehau AG & Co.: Unsere Mitarbeiter dürfen in moderatem Umfang sowohl E-Mail als auch das Internet privat nutzen. Wir verbieten weder die Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook noch des Kurznachrichtendienstes Twitter. Allerdings diskutieren wir derzeit, ob und wie wir den Umgang mit sozialen Netzen regeln sollten.

Ein Thema, das mit der Nutzung sozialer Netzwerke einhergeht, ist klar der Zeitaufwand parallel zur "eigentlichen" Arbeit. Weitere Schwierigkeiten sehe ich im Bereich der IT-Sicherheit und der Gefahr, dass Mitarbeiter leichtfertig Firmeninterna ausplaudern können."

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • mic customs solutions (Gruppe)

    mic customs solutions (Gruppe) Supply Chain Management, Kaufmännische Software (ERP), Expertensysteme, E-Procurement und Supply Chain Management, B2B Dienste und Lösungen mehr
  • NAVAX Unternehmensgruppe

    NAVAX Unternehmensgruppe Wasser- und Energieversorgung, Vereine und Verbände, Öffentliche Verwaltung, Medizin und Gesundheitswesen, Maschinen- und Anlagenbau, Konsumgüterindustrie, Immobilien,... mehr
  • Rittal GmbH

    Rittal GmbH Netzwerk-Management, Netzkomponenten, Zugangs- und Zutrittskontrolle, Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV), Überwachungssysteme, Notfalls-Rechenzentren, Netzwerk- und Systemüberwachung,... mehr
  • HATAHET productivity solutions GmbH

    HATAHET productivity solutions GmbH Individual-Softwareentwicklung, Migrations-Management, Programmierung, System- und Netzwerk-Tuning, Systemintegration und Systemmanagement, Übernahme von Softwareprojekten, User Helpdesk-Systeme und Hotlines,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: