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03.05.2012 Rudolf Felser/pte

DeadSocial: Soziales Netzwerk der lebenden Toten

Das britische Social-Media-Start-up DeadSocial ermöglicht Menschen die Weiterbetreuung ihrer sozialen Netzwerke nach dem Tod.

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Mitglieder verknüpfen ihren Account dazu mit ihren bestehenden Social-Media-Profilen. Danach können sie Nachrichten vorproduzieren, die dann in frei wählbaren Zeitintervallen nach dem Ableben über alle verbundenen Netzwerke ausgesendet werden. Netzwerk-Freunde können so noch Jahre nach dem Tod eines Menschen via Facebook, Twitter und Co Nachrichten aus dem Leben nach dem Tod erhalten, wie die Huffington Post berichtet.

Die Beta-Version von DeadSocial ist seit Ende April im Netz verfügbar. Ziel des neuen Dienstes ist es, die Diskussion über den Fortbestand von Social-Media-Accounts weiter voranzutreiben. Auf der Seite können User wie bei anderen Netzwerken Videos, Statusmeldungen, Fotos, Musik und Gruppen verwalten. Nur dass Neuigkeiten in diesem Fall mit einem Zeitschalter versehen werden. Eine vom Verstorbenen vorher bestimmte Person des Vertrauens muss den Tod des Account-Besitzers auf der Plattform melden, wodurch der Countdown für das versenden der Botschaften von der anderen Seite gestartet wird.

Obwohl die Frage nach dem digitalen Nachlass von Menschen noch relativ neu ist und gesellschaftlich erst noch diskutiert werden muss, haben einige US-Bundesstaaten schon entsprechende Gesetze erlassen.

Ob Profile gelöscht oder an vorbestimmte Erben übergehen sollen, ist derzeit aber noch fast überall Geschmacksfrage. Die Tilgung eines Accounts ist für Hinterbliebene jedoch gar nicht so einfach. Doch auch die Zombie-Profil-Lösung von DeadSocial hat ihre Tücken. "Es besteht die Gefahr, dass ein solches Angebot zur Abrechnungs-Plattform verkommt. Vorher aufgezeichnete Nachrichten können ohne Absprache mit den Angehörigen viel Leid verursachen", sagt Werner Jesacher, Geschäftsführer von Trauerhilfe.at, gegenüber der Nachrichtenagentur pressetext.

Auch für Bestattungsunternehmer ist die Anpassung an die online vernetzten Sozialleben von Verstorbenen mitunter schwierig. "Unsere Aufgabe ist es, den Verlust für die Angehörigen erträglich zu machen. Wir überlegen schon länger, wie wir den digitalen Aspekt in die Trauerarbeit integrieren können. Wir möchten das aber genau durchdenken und nicht aus Sensationslust einen Schnellschuss produzieren, da es sich um ein extrem heikles Thema handelt", so Jesacher.

Soziale Medien eignen sich nach Meinung des Experten nicht als Trauerplattform: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dort Jahre nach dem Tod Dinge auftauchen können, die eine Familie zerrütten können. Dass ein soziales Vermächtnis auf affine Menschen großen Reiz ausübt, verstehe ich aber." (pte)

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