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03.07.2012 Michaela Holy

Domainstrategien österreichischer Unternehmen

Nic.at hat die erste Studie über Domainstrategien österreichischer Unternehmen vorgestellt. Es wurde erfasst, wie sich Unternehmen, Kommunikationsagenturen und Registrare neuen Domains widmen, welchen Stellenwert Online-Aktivitäten und Domains einnehmen und welche konkreten Erwartungen und Befürchtungen daran geknüpft werden.

Richard Wein

© Nic.at

„Die Einführung neuer Top Level Domains (TLD) wird das Internet revolutionieren. Zwar gehen die ersten Domains mit Endungen von .app bis .wien frühestens 2013 online, Unternehmen müssen sich aber bereits jetzt darauf vorbereiten und ihre Domainstrategien ‚fit‘ für neue Namensräume in Internet machen“, so nic.at Geschäftsführer Richard Wein. Die vorgestellte Studie ist einer der Schwerpunkte im Jahr 2012, das von nic.at zum „Jahr der Domainstrategie“ ausgerufen wurde.

Die Ergebnisse zeigen dabei, dass Domains in Unternehmen klare Chefsache sind. Für über ein Drittel (37,3 Prozent) fallen Domainnamen in die Zuständigkeit der Geschäftsführung, gefolgt von Marketing (20,9 Prozent) und EDV- oder IT-Abteilung (14,1 Prozent). Nur jedes zehnte Unternehmen (10,8 Prozent) lagert Domainentscheidungen gänzlich zu externen Dienstleistern oder Agenturen aus. „Alleine die Tatsache, dass ein eigenes Domainmanagement de facto kaum vorhanden ist, zeigt uns, dass Österreich noch großes Aufholpotenzial hat. Jetzt ist der Zeitpunkt günstig, Zuständigkeiten und Abläufe in Unternehmen zu klären, bevor der Markt durch neue Top Level Domains ab dem nächsten Jahr zunehmend unübersichtlich wird“, erklärt Wein.

Geht es um Kriterien für die Auswahl des Domainnamens, der vor dem Punkt steht, so ist naturgemäß der eigene Unternehmensname bzw. Firmenwortlaut am wichtigsten (76,4 Prozent). Aber auch Unternehmens- oder Marketingstrategien (58,2 Prozent) sowie Markennamen (52,7 Prozent) spielen eine gewichtige Rolle. Was nach dem Punkt kommt, ist vom Standort abhängig. Für acht von zehn (84,1 Prozent) Unternehmen ist das Standortkriterium entscheidend, dicht gefolgt vom Bekanntheitsgrad (69,6 Prozent). Immerhin jedes vierte Unternehmen (42,7 Prozent) wählt die Domainendung aufgrund von Zielgruppen und Absatzmärkten aus. Besonders erfreulich ist für nic.at, dass die heimische Top Level Domain .at für 93,7 Prozent der befragten Unternehmen im Mittelpunkt steht und einen hohen Stellenwert hinsichtlich der Verortung genießt. „Unternehmen haben die klare Absicht, bewusst als österreichische Unternehmen auch im Internet erkannt zu werden“, betont Wein. „Insgesamt sehen wir deutlich den Trend, dass der Domainname vor dem Punkt stark marketinggetrieben ist, während es bei der Endung nach dem Punkt hauptsächlich um geografische Vertriebssteuerung geht.“

Interessant ist die Einschätzung von Unternehmen, was ihre strategische Herangehensweise bei Domains betrifft. Vier von zehn Unternehmen (41,4 Prozent)) sind überzeugt, sehr wohl strategisch vorzugehen und meinen von sich selbst, eine Domainstrategie bereits umgesetzt zu haben. Agenturen und Registrare hingegen sehen ihre Kunden kritischer. Rund zwei Drittel der Agenturen (63,6 Prozent) und Registrare (59,4 Prozent)) vertreten die Meinung, Unternehmen hätten keine spezifische Domain-Strategie geplant. Schärfer fällt auch das Urteil aus, ob Strategien bereits umgesetzt worden sind: Nur knapp jede zehnte Agentur (9,1 Prozent) bzw. jeder zehnte Registrar (12,5 Prozent) sieht eine solche bei seinen Kunden bereits realisiert.

„Unternehmen haben offensichtlich eine gänzlich unterschiedliche Wahrnehmung, was ihre sogenannten Domain-Strategien betrifft“, analysiert Richard Wein. „Die reine Anmeldung einer Domain macht noch längst keine Domain-Strategie aus.“ Unternehmen glauben zwar, Strategien zu verfolgen, Experten sehen das aber anders. „Für beide Seiten gibt es großes Potenzial, zusammen an der Entwicklung gemeinsamer Domain-Strategien zu arbeiten, die diesen Namen auch wirklich verdienen. Registrare sind dafür die erste Adresse, denn sie sind Spezialisten auf diesem Gebiet und beraten kompetent bei allen Fragen rund um Domains.“

Gute Nachrichten für .at: Ein überwältigender Anteil der Registrare (84,8 Prozent) und Agenturen (94 Prozent) erwartet, dass User weiterhin auf bekannte und vertraute Endungen setzen werden. Lediglich 12,6 Prozent bzw. 24,3 Prozent glauben, dass User die neuen Top Level Domains annehmen werden. Wein dazu: „Das Vertrauen und die Bekanntheit, die wir für .at in den letzten fünfzehn Jahren aufbauen konnten, macht sich mit Sicherheit bezahlt. Neue Anbieter werden es schwer haben. Es bleibt aber abzuwarten, was Internet-Giganten wie Amazon oder Google vorhaben, die jeweils über 75 neue Domainendungen beantragt haben. Sie hätten das Potenzial, die Branche auf den Kopf zu stellen.“ Insgesamt wurden 1.930 Bewerbungen um neue Top Level Domains bei ICANN eingereicht.

Im Zusammenspiel von Unternehmen, Agenturen und Registraren gibt es häufig noch unterschiedliche Einschätzungen bzw. Wahrnehmungen über Erwartungen und Rolle des jeweils anderen. Aus diesem Grund bereitet nic.at derzeit eine Awareness-Kampagne vor, die das Thema Domain-Management in den Mittelpunkt stellt und im Herbst startet. Zielgruppengerecht und auf kreative Weise soll dabei aufgezeigt werden, dass Domains noch viel mehr können, als das, wofür sie derzeit eingesetzt werden. „Wir wollen mit der Kampagne einen klaren Aufruf in Richtung Unternehmen setzen, ihre bestehenden Domain-Keller aufzuräumen, um aus .at wie auch aus den neuen Top Level Domains für die Zukunft mehr herausholen zu können“, so Wein abschließend. Das Jahr der Domainstrategie bleibt also auch weiterhin spannend.

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