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28.08.2009 apa/Rudolf Felser

Europeana wächst rasant

Ziel der EU-Kommission ist es, bis 2010 auf insgesamt zehn Millionen digitalisierter Objekte zu kommen.

In Europas digitaler Bibliothek "Europeana" (siehe auch "Eine digitale Bibliothek für Europa") sind derzeit 4,6 Millionen digitalisierte Bücher, Bilder, Fotografien, Landkarten, Filmclips und Zeitungen gespeichert. Wie die EU-Kommission mitteilte, hat sich die digitale Sammlung der vielsprachigen Bibliothek, die unter "www.europeana.eu" abrufbar ist, seit ihrer Einführung im November 2008 mehr als verdoppelt. Ziel der Kommission ist es, bis 2010 auf insgesamt zehn Millionen digitalisierter Objekte zu kommen.

Die Kommission verwies angesichts der künftigen Herausforderungen für die Buchdigitalisierung in Europa darauf, das Potenzial im öffentlichen und privaten Sektor gemeinsam zu nutzen. Außerdem gehe es darum, Europas vielfältiges und zerstückeltes Urheberrecht zu reformieren.

EU-Telekommunikations-Kommissarin Viviane Reding bezeichnete die Digitalisierung von Büchern als "Herkules-Arbeit". Es eröffne aber gleichzeitig einen kulturellen Inhalt für Mililonen Bürger in Europa und darüber hinaus. Sie begrüße die Anstrengungen der EU-Staaten und ihrer kulturellen Organisationen, die "Regale von Europas digitaler Bibliothek zu füllen". Allerdings sei es "alarmierend, dass nur fünf Prozent aller digitalisierten Bücher in der EU auf Europeana verfügbar" seien. Fast die Hälfte aller digitalisierten Werke seien aus einem EU-Land - Frankreich - gekommen, während alle anderen Mitgliedsländer "dramatisch unterrepräsentiert" seien.

Derzeit verfüge Europeana vor allem über digitalisierte Werke, die in der öffentlichen Hand sind und nicht mehr durch Urheberrecht geschützt sind, das sich bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Autors erstreckt. Es gebe aber beispielsweise keine vergriffenen Werke in der digitalisierten Bibliothek. Im privaten Bereich kommen Probleme mit dem Urheberrecht dazu. Es gehe vor allem dazu, die Ressourcen in Literatur, Geschichte, Kunst oder Kino leicht zugänglich zu machen.

Österreich hinkt bei der Bereitstellung von Büchern für Europeana nach. An der Spitze steht Frankreich mit 47 Prozent vor Deutschland (15,4) und den Niederlanden (8,0) sowie Großbritannien (7,9). Dann folgen Schweden (5,2), Finnland (4,0), Griechenland (1,6), Italien (1,2), Belgien (1,1), Slowenien (0,7), Spanien (0,6), Estland und Luxemburg (je 0,4), Polen und Rumänien (je 0,3) sowie Österreich und Portugal (je 0,2). Die restlichen zehn EU-Länder - Ungarn, Lettland, Zypern, Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Irland, Litauen, Malta und Slowakei - liegen bei 0,1 Prozent oder darunter.

APPELL AN GOOGLE Was die jüngsten Probleme mit Google Books betrifft, rief Reding den US-Suchmaschinenkonzern auf, "respektvoll mit intellektuellen Eigentümerrechten" umzugehen. Man sehe "mit Interesse auf neue Lösungen, die nun zwischen Google und den Rechteinhabern" geprüft würden. Die Kommission wolle die Erfahrungen in den USA bestmöglich für eine europäische Lösung betreffend "orphan works" (im Urheberrecht sind das Werke, deren Urheber oder Rechtsinhaber nicht oder nur sehr schwer zu ermitteln ist, was ein Problem für potentielle Verwerter darstellt, da eine Nutzung, die die Zustimmung des Urhebers oder der Rechteinhaber voraussetzt, nicht möglich ist) nutzen.

Google hatte sich zuletzt mit der Vorgehensweise, zuerst Millionen von Büchern aus US-Bibliotheken einzuscannen und sich dann erst bei den (auch europäischen) Rechteinhabern um die nötige Erlaubnis für die Nutzung zu bemühen, international scharfe Kritik eingehandelt. Auch Österreichs Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (V) hat gewisse Aspekte als "nicht unproblematisch" bezeichnet und eine Überprüfung der rechtlichen Vorgehensweise durch die EU-Kommission angeregt. Das österreichische Urheberrecht würde eine Teilnahme heimischer Bibliotheken am Google-Bibliotheksprogramm nicht erlauben. (apa/rnf)

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