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01.09.2009 Simon Hülsbömer *)

Wie das Internet zur Welt kam

Im Zuge der hektischen US-Aufholjagd nach dem Bau von Sputnik wurden die Grundlagen für das Internet gelegt.

1957 versetzten die Russen den Amerikanern einen harten Schlag, als sie mit dem Sputnik den ersten Satelliten ins All schossen. Im Zuge der hektischen Aufholjagd wurden die Grundlagen für das Internet gelegt.

Im September 1969 ging das aus dem Vorhaben entstandene ARPANET (kurz für "Advanced Research Projects Agency Network") live. Obwohl das militärisch und wissenschaftlich genutzte Netzwerk 1989 wieder abgeschaltet wurde, kann es als Mutter des Internet bezeichnet werden, weil es auf Basis des Austausches von Datenpaketen arbeitete. Damit legte es den technischen Grundstein für ein weltumspannendes elektronisches Netz. Heuer feiert das Arpanet seinen 40. Geburtstag. Wir blicken zurück.

1958: US-Präsident Dwight D. Eisenhower (1953 bis 1961 im Amt) gründet das Arpa-Forschungsprojekt (Advance Research Projects Agency). Das Projekt gehört zu den geradezu panikartigen Reaktionen der amerikanischen Weltraumforschung auf die Russen, die im Vorjahr ihren ersten Satelliten, den Sputnik, ins All geschossen hatten. Damit versetzen sie die Amerikaner in ein kollektives Trauma. Das Arpa wird als militärische Forschungseinheit dem Verteidigungsministerium untergeordnet.

1966: Im Dezember beginnt das Projekt ARPA Computer Network (Arpanet).

1967: Im April kommt der Vorschlag auf, dass das Arpanet zur Kommunikation einen separaten Rechner zwischen Host und Netzwerk einsetzt. Dieser Paketvermittlungsknoten (Interface Message Processor, kurz IMP) soll die Datenpakete sortieren und steuern. Aus dem IMP entwickelt sich später der Router.

VERNETZUNG MEHRERER NETZE

1968: Bolt Beranek and Newman Inc. (BBN) gewinnt die Ausschreibung zum Bau des IMPs im Dezember.

1969: Das eigentliche Geburtsjahr des Arpanet. Im April wird die erste Spezifikationsbeschreibung für Host-zu-IMP-Kommunikation veröffentlicht (BBN Report 1822). Noch im selben Monat beginnt auf Grundlage des RFC 1 (Requests for Comments = Sammlung technischer organisatorischer Dokumente) die Debatte um die Host-zu-Host-Kommunikation. Die Network Working Group (NWG) bildet sich, um passende Übertragungsprotokolle zu entwickeln. Im September geht der erste IMP vom Band und arbeitet angeschlossen an einen Sigma 7 an der University of California Los Angeles (UCLA). Damit ist der erste Arpanet-Knoten (Node) im Einsatz, der zugleich das Network Measurement Center zum Messen und Evaluieren der Netzperformance beherbergt. Im Oktober kommt der zweite Knoten am Stanford Research Institute (SRI) durch einen SDS-940-IMP hinzu. Zwischen beiden Punkten wird die erste digitale Nachricht erfolgreich verschickt. An der Universität von Santa Barbara kommt in November der dritte, an der Universität von Utah im Dezember der vierte Node hinzu. Wachsende Datenmengen

1970: Das steigende Datenaufkommen führt im März zur ersten Netzüberlastung. Das Arpanet umspannt durch eine IMP-Installation bei BBN in Cambridge in Massachusetts mittlerweile die gesamten Vereinigten Staaten. Das Network Control Center (NCC) bei der BBN nimmt seine Arbeit auf - alle aktiven Paketvermittlungsknoten müssen nun einmal pro Minute ein Lebenszeichen an das NCC senden. Im November wird die IMP-Software geupdatet, damit die Knotenpunkte voneinander neue Programme herunterladen können. Dadurch ist es möglich, auf einem Knotenrechner eine Software zu installieren und diese Rechner für Rechner über das Netz weiterzugeben. Sollte es umgekehrt Probleme mit einer Applikation geben, kann jeder IMP vom nächsten benachbarten Knoten ein Backup ziehen.

1971: Mit dem NCP (Network Control Program) geht das erste Host-zu-Host-Protokoll an den Start. Im September wird der Terminal IMP (TIP) im Arpanet installiert, mit dem die Anwender mit der Eingabekonsole direkt auf das Netz zugreifen können.

1972: Mit der Programmierung SNDMSG und READMAIL erscheint im März das erste E-Mail-System. Im Juli wird die erste FTP-Spezifikation (File Transfer Protocol) veröffentlicht (RFC 354). Im Oktober findet die erste öffentliche Arpanet-Präsentation im Rahmen der International Conference on Computer Communication (ICCC) in Washington statt.

1973: Der erste Versuch, zwei verschiedene Netze (Arpanet und Packet Radio Network) miteinander zu verbinden ("Inter-Networking"), startet. Im Mai findet im Xerox Palo Alto Research Center die erste Ethernet-Operation statt.

1974: BBN veröffentlicht im April ein überarbeitetes Routing-Programm für die Paketvermittlungsknoten. Im Mai wird die Spezifikation für das Transmission Control Protocol (TCP) festgelegt. Es soll das NCP ersetzen und das Vernetzen mehrerer Netze ermöglichen. Das TCP soll auch auch die netzinterne Qualitätskontrolle vom IMP-Subnetz übernehmen. Im September ist das Arpanet wieder größer geworden - es umfasst jetzt auch drei Knotenpunkte außerhalb des nordamerikanischen Kontinents: im norwegischen Kjeller, am University College in London (UCL) und in Honolulu auf Hawaii.

1977: Im Oktober beginnt der produktive TCP-Einsatz im Arpanet, Packet Radio Net und dem SATNET (Satellite Network).

1978: Im März wird TCP in die Protokolle TCP und IP (Internet Protocol) aufgeteilt. TCP übernimmt ab sofort die Ende-zu-Ende-Steuerung, IP das Routing innerhalb des Netzes.

1983: Das MILNET (Military Network) löst sich aus dem Arpanet heraus. Das Arpanet umfasst nunmehr nur noch 68 Knotenpunkten, hält über Gateways aber Verbindung zum Milnet. Im Januar vollzieht sich der offizielle Wechsel hin zu TCP/IP. Im November wird das Domain Name System (DNS) entwickelt (das Buchstaben-Endungen bei Internetadressen erlaubt wie beispielsweise .com, .gov, .mil, .org, .net und .int).

1989: Nach 20 Jahren im Einsatz, geht das Arpanet vom Netz und macht den Weg frei für das Internet in heutiger Form, das die Grundtechnologien beibehält und weiterentwickelt. Der heute bekannteste und beliebteste Teil des Internets, das World Wide Web, entstand im Frühjahr des Jahres 1993. Wenn Sie mehr über die Entwicklung des Internet nach dem Ende des Arpanet wissen möchten, lesen Sie unseren Artikel "Der Web-Bauplan wird 20 Jahre alt".

*) Der Autor ist Redakteur unserer Schwesternpublikation Computerwoche.

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