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24.09.2009 Alex Wolschann/apa

Künstliche Begleiter durch reale Welten

Wo Menschen und Computersysteme aufeinandertreffen, hapert es nicht selten an der Verständigung zwischen beiden Welten.

Wo Menschen und Computersysteme aufeinandertreffen, hapert es nicht selten an der Verständigung zwischen beiden Welten. Virtuelle Begleiter, sogenannte "Companions", können in vielerlei Gestalt eine solche Vermittlerrolle einnehmen, von der sprechenden Kunstfigur am PC-Monitor bis zum Serviceroboter in einem "Smart-Home". Im Projekt "C4U" wird vor allem der Frage nachgegangen, wie unterschiedlich Männer und Frauen auf solche Companions reagieren und was sie sich in Zukunft von ihnen erwarten. "C4U" ist eines von sechs FTI-Projekten, das bisher im Rahmen der Programmlinie FEMtech des Infrastrukturministeriums (BMVIT) gefördert wurde.

"Companions sind intelligente Systeme, die ein reiches, komplexes Verhalten haben. Sie sind wie ein Freund oder eine Metapher für einen Butler", erklärte Projektleiterin Brigitte Krenn vom Österreichischen Institut für Artificial Intelligence (ÖFAI) gegenüber APA-ZukunftWissen. Noch seien solche Systeme weit davon entfernt, ausgereift zu sein, dazu brauche es noch erheblicher Anstrengungen in der Grundlagenforschung.

Ein virtueller Begleiter kann in vielerlei Form und Gestalt auftreten, vom rein virtuellen Wesen im PC über Hasen-Artefakte, die auf dem Schreibtisch stehen (Beispiel: Nabaztag) bis zum Serviceroboter im Altersheim. So wurde für das vom ÖFAI koordinierte EU-Projekt "Rascalli" eine interaktive Comicfigur entwickelt, die auf Fragen des Users antwortet und aufgrund der Eingaben ständig dazulernt. Hinter der einfach anmutenden Fassade - im Prinzip ist eine animierte Frauen- oder Männerfigur zu sehen, die über Textfelder und akustisch mit dem Nutzer kommuniziert - stecke "ein komplexes System mit vielen Teilsystemen, das die Gewohnheiten des Users kennenlernt". Stellt man Fragen zum Thema Musik, weiß "Rascalla" oder "Rascallo" bald über den Musikgeschmack des "Meisters" Bescheid und kann mit Zusatzinformationen aushelfen.

Im Rahmen des seit 1. September laufenden Projekts werden Fokusgruppen allen Alters und beiderlei Geschlechts mit verschiedenen Companions konfrontiert. Expliziter Untersuchungsgegenstand soll dabei die genderspezifische Interaktion mit virtuellen Begleitern aller Art sein. Mit Erwartungen und Hypothesen hält sich Krenn bewusst zurück: "Wir wollen die Experimente so weit wie möglich ergebnisoffen gestalten." Nach einer ersten Experimentier-Serie, die bis ins Frühjahr 2010 dauert, "werden wir bei den Applikationen nachjustieren und eine zweite Versuchsreihe starten".

Das bis Ende August 2011 laufende Projekt "C4U" (Companions for Users) weist laut Krenn ein Gesamtvolumen von rund 315.000 Euro auf. Davon werden knapp zwei Drittel (200.000 Euro) durch FEMtech gefördert. Ergebnisse aus C4U sollen in das EU-Projekt SERA (Social Engagement with Robots and Agents) einfließen, an dem das ÖFAI ebenfalls beteiligt ist. Grundsätzlich wird die Thematik seitens des ÖFAI aber als Langzeitprojekt verstanden.

In einem weiteren von FEMtech geförderten Projekt der oberösterreichischen Technologieschmiede Profactor steht ein genderspezifisches Phänomen in der industriellen Qualitätskontrolle im Mittelpunkt des Interesses. "In fast allen Firmen, die visuelle Endkontrolle in der Produktion einsetzen, gibt es die Erfahrung, dass Frauen konsistenter und reproduzierbarer prüfen", erklärte Christian Eitzinger im Gespräch mit APA-ZukunftWissen den Hintergrund zu "GenClass". Nicht ganz auszuschließen ist freilich, dass der vermehrte weibliche Einsatz in diesem Bereich auch mit dem noch immer geringeren Lohnniveau von Frauen zu tun hat. Dies - und andere soziologische Faktoren auszuloten - ist Aufgabe der Prospect Unternehmensberatung, so Eitzinger.

In relativ kurzer Zeit - je nach Größe der Produkte typischerweise etwa 20 Sekunden - würden bei der visuellen Prüfung "komplizierte Entscheidungsprozesse" getroffen, denen man nun erstmals empirisch auf den Grund gehen will. Zu diesem Zweck soll das Entscheidungsverhalten von je 50 Männern und Frauen aufgezeichnet und mit Methoden des maschinellen Lernens ausgewertet werden. Dazu zählen laut dem Leiter des Bereichs Industrielle Bildverarbeitung bei Profactor neuronale Netze, "Fuzzy-Regelsysteme" und "Entscheidungsbäume": "Das sind Methoden, mit denen man das menschliche Entscheidungsverhalten reproduzierbar machen kann. Wir wollen nachschauen, ob es signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt."

Mit den gewonnen Daten sollen langfristig automatische Prüfsysteme gefüttert werden, "der Transfer von Wissen soll die Software effizienter machen". Eine Konsequenz daraus ist natürlich auch, dass die menschlichen Qualitätskontrolleure über kurz oder lang von Maschinen ersetzt werden. "Das ist in der Endprüfung nichts Neues", so Eitzinger, "es ist ein Trend der sowieso nicht aufzuhalten ist. Wir beschleunigen ihn höchstens ein bisschen."

"GenClass" ist am 1. Juni 2009 gestartet und läuft bis 31. Mai 2011, das Gesamtprojektvolumen beträgt rund 250.000 Euro bei einem Förderanteil von rund zwei Dritteln. Genderspezifische Aspekte stehen naturgemäß auch bei den anderen FEMtech-Forschungsprojekten im Vordergrund, die im Zuge der Pilotausschreibung gefördert wurden - etwa bei "Gender und Diabetes", "FEMRoute" (Entwicklung neuer Navigationsgeräte), "NeVisET" (Entwicklung eines neuartigen audiovisuellen Medienformates) sowie "touch:tell:IT" (Zugang zu IT).

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