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17.11.2009 pi/red.

Domains mit nicht-lateinischen Zeichen

Die ICANN gab den Beginn eines Schnellverfahrens bekannt, mit dem die Länderdomänen für nicht-lateinische Schriftzeichen geöffnet werden sollen. EU-Kommissarin Reding begrüßt diesen Schritt.

Auf einem Treffen des Internet-Verwaltungsforums (Internet Governance Forum, IGF) begrüßte die Europäische Kommission Anfang dieser Woche in Sharm El-Sheikh (Ägypten) die Ankündigung, dass "internationale Domänennamen" (IDN) auf der obersten Domänenstufe eingeführt werden, als "einen Meilenstein auf dem Weg zu einem wirklich globalen (und gleichzeitig lokalen) Internet".

Bisher mussten Internet-Domänennamen zwingend entweder ganz oder zumindest teilweise aus Schriftzeichen des lateinischen Alphabets (von a bis z) bestehen. Die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), die das zentrale Stammverzeichnis des Internet verwaltet, gab den Beginn eines Schnellverfahrens bekannt, mit dem die Länderdomänen (wie beispielsweise ".eu") für nicht-lateinische Schriftzeichen geöffnet werden sollen.

ONLINE SPIEGEL VON OFFLINE "Die Online-Welt sollte ein Spiegel der kulturellen und sprachlichen Vielfalt in der Offline-Welt sein. Deshalb sollte es das Internet nicht nur auf Englisch geben, sondern auf Arabisch, Bulgarisch, Griechisch, Farsi, Hindu und Chinesisch. Ich bin hocherfreut über die jüngsten ICANN-Schritte zur weiteren Öffnung der Domänennamen für andere Alphabete und Zeichensysteme. Die Kommission fordert dies schon seit Jahren", sagte Viviane Reding, die für Internet und Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin. "In Europa sind wir mit unseren Plänen, griechische und kyrillische Buchstaben noch vor Jahresende in Domänennamen der .eu-Domäne zu ermöglichen, schon weit vorangekommen und drängen darauf, auch auf der obersten Domänenstufe für .eu griechische und kyrillische Versionen zu bekommen."

Der ICANN-Beschluss soll es ermöglichen, ganze Internet-Domänennamen (wie beispielsweise europa.eu ) mit Schriftzeichen zu registrieren und zu benutzen, die nicht zum englischen Alphabet (a–z und 0–9) gehören. Auf der zweiten Stufe der Internetadressen ("europa2 in europa.eu ) werden Domänen mit nicht-lateinischen (z. B. arabischen, chinesischen oder kyrillischen) Schriftzeichen zwar bereits verwendet, vollständig internationale Domänennamen waren bisher aber nicht möglich. Nach der ICANN-Ankündigung, Anträge für Länderdomänen nun auch in lokalen Schriftzeichen anzunehmen, sollen demnächst Millionen von Internetnutzern in aller Welt grundsätzlich in der Lage sein, sich ganz in ihrer eigenen Sprache im Internet zu bewegen.

Bereits im Juni 2009 änderte die Europäische Kommission ihre Vorschriften für Internet-Domänennamen entsprechend, damit in Europa die Schriftzeichen aller 23 EU-Amtsprachen verwendet werden können. Ab 10. Dezember 2009 wird es möglich sein, Namen unter .eu zu registrieren, die Zeichen wie à, ą, ä, ψ oder д enthalten. EU-Bürger und -Unternehmen werden Domänennamen mit nicht-lateinischen Schriftzeichen registrieren lassen können, was für Sprachen wie Griechisch und Bulgarisch eine große Rolle spielt. Auch Spanier und Basken werden dann Domänennamen mit ñ und Franzosen, Portugiesen und Katalanen mit ç registrieren können. Außerdem will die EU internationale Domänennamen auch für ihre eigene Domäne oberster Stufe .eu so bald wie möglich einführen.

VERLÄNGERUNG DES IGF Das Internet-Verwaltungsforum (IGF) wurde nach dem Weltgipfel über die Informationsgesellschaft (WSIS) 2003–2005 eingerichtet und bietet eine globale multilaterale Plattform, auf der Regierungen, Privatsektor und Zivilgesellschaft zusammentreffen können, um Fragen im Zusammenhang mit der Lenkung und Verwaltung des Internet zu diskutieren. Das erste IGF-Treffen wurde 2006 in Athen veranstaltet, es folgten Zusammenkünfte in Rio de Janeiro (2007) und Hyderabad (2008). Das vierte Treffen findet derzeit in Sharm El-Sheikh (Ägypten) statt.

Der ursprünglich vorgesehene Zeitrahmen von fünf Jahren endet nächstes Jahr mit dem fünften Treffen in Wilna (Litauen). Bis dahin wollen die Mitgliedsländer der Vereinten Nationen darüber beraten, ob eine Verlängerung des ursprünglichen Zeitrahmens notwendig ist. "Bis zum nächsten Treffen wird es Diskussionen darüber geben, ob das IGF auch nach 2010 zusammenkommen soll. Für mich ist die Antwort klar: Das IGF muss fortbestehen", erklärte EU-Kommissarin Reding.

EXPERTEN WARNEN Experten wie Peter Wood, Mitglied des Veranstaltungskomitees der ISACA und Gründer von First Base Technologies, begrüßen zwar prinzipiell die Erweiterung der verwendbaren Zeichensätze, warnen aber zugleich vor den Gefahren möglicherweise verstärkter Phishing-Angriffe. "Eine signifikante Zunahme ergibt sich unter anderem aus dem Versuch, Anwender mittels Ersetzung konventioneller Web-Adressen durch optisch ähnliche nicht-lateinische Adressen zu täuschen. Unterschiedliche Glyphen können je nach Zeichensatz ähnlich oder gleich aussehen. Eine Webseite könnte diese visuelle Mehrdeutigkeit nutzen, um sich per Spoofing-Angriff als eine andere Webseite zu tarnen", so Wood in einer Aussendung. (pi/red.)

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