Gastkommentar: Das Netz wird internationaler Detail - Computerwelt

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24.03.2010 Anna-Zoe Steiner*

Gastkommentar: Das Netz wird internationaler

Von den 1,6 Milliarden Internetnutzern weltweit verwenden mehr als die Hälfte Sprachen, die nicht auf der lateinischen Schrift basieren.

Doch alle Web-Adressen mussten bisher eine lateinische Endung aufweisen. Dies soll sich nach den Plänen der ICANN und ihrem Chef Beckstrom alsbald ändern. Die Internet-Verwaltung lässt ab Mitte 2010 Adressendungen wie ».at« – sogenannte Top Level Domains – in nicht lateinischen Schriftzeichen zu. Erste Anträge auf neue Top Level Domains wurden nach Angaben der Internet-Adressverwaltung ab 18. November bereits entgegengenommen. Nach Aussagen der ICANN sind in den ersten Stunden des Registrierungsprozesses sechs Anmeldungen in drei verschiedenen Sprachen eingetroffen. Der erste Antrag einer nicht lateinischen Top Level Domain stammte aus Ägypten und wurde bereits erfolgreich registriert. Eine Freischaltung der registrierten Adressen erfolgt aber erst Mitte 2010.

Die Bedeutung der neuen Top Level Domains ist besonders für die aufstrebenden Schwellenländer wie China, Russland oder Indien groß, da es hierbei nicht zuletzt um Nationalstolz und kulturelle Identität geht. Doch auch in den Staaten der Europäischen Union fand diese Entwicklung einige Beachtung, denn im Juli hatte die Verwaltungsbehörde der europäischen Top Level Domain ».eu«, die EURid, die Nutzung von Schriftzeichen aller 23 Amtssprachen der Europäischen Union erstmals möglich gemacht. Für Internet-Adressen mit der Endung ».eu« sind damit auch kyrillische und griechische Schriftzeichen zugelassen. Bulgaren, Griechen und Zyprioten können also ».eu«-Domains in ihrer eigenen Sprache registrieren. Die Registrierung begann am 10. Dezember.

Nun ist es nicht so, dass heute jeder Internetsurfer fließend Englisch sprechen oder ein Wörterbuch neben sich liegen haben muss, um sich im World Wide Web zurechtzufinden. Teile der Adresse konnten auch jetzt schon in der Landessprache eingegeben werden - nur die Top Level Domain eben noch nicht. Manche Staaten, wie China und Japan, umgingen das Problem, indem sie sich eines technischen Tricks bedienten.

Jedoch führte dies oft zu erheblichen Schwierigkeiten, funktionierte nicht auf allen Computern und wurde zudem von der Internetverwaltung ICANN nicht anerkannt. Die bisherige Beschränkung hatte technische Gründe: Jede Adresse im Internet muss übersetzt werden. Von der langen Version in Zahlen und Zeichen, die sich Menschen gut merken können, in eine maschinenlesbare Zahlenkombination – die IP-Adresse. Das Dolmetschen übernehmen Namensserver. Sobald ein Nutzer einen Domain-Namen aufruft, werfen sie die Zahlenkombination aus. Für www.bundesregierung.de ist das etwa die Adresse 217.79.215.248.

Das Wörterbuch der Namensserver war bislang beschränkt auf den ASCII-Schriftsatz. Dieser »American Standard Code for Information Interchange« enthält nur lateinische Zeichen – weder deutsche Umlaute noch chinesische Zeichen sind darin zu finden. Künftig wird doppelt gedolmetscht.

Nun ist es der ICANN gelungen, ein System zu entwickeln, um künftig auch das »doppelte Dolmetschen« von Top Level Domains zu ermöglichen. Der universale Unicode enthält alle Zeichen der Welt. Die nicht lateinischen (z.B. japanischen) Schriftzeichen werden künftig zunächst von Unicode in ASCII gedolmetscht und anschließend in die IP-Adresse übertragen.

Die neuen Endungen lösten zwar eine Welle der Freude quer über alle Kontinente aus, jedoch sind viele internationale Unternehmen auch skeptisch. Sie befürchten, dass sie als Markenrechtsinhaber künftig großen Aufwand betreiben müssen, um ihre Domains zu registrieren und zu schützen. Denn das Internet wird mit den Neuerungen in Zukunft nicht nur internationaler, sondern auch unübersichtlicher.

* Anna-Zoe Steiner ist Juristin am E-Center.

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