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10.04.2010 Rudolf Felser

Heimische Open Government Data–Initiative gestartet

Die Semantic Web Company lud am 8. April in die Räumlichkeiten der Österreichische Computer Gesellschaft, um eine Experten-Initiative ins Leben zu rufen: Es gilt, besseren Nutzen aus den riesigen vorhandenen freien Datenmengen zu ziehen.

Just zur gleichen Zeit da deutsche Höchstrichter die Speicherung personenbezogener Daten als verfassungswidrig erkannt haben, fordern Initiativen in Deutschland und Österreich die Öffnung staatlicher und vor allem nicht-personenbezogener Datenbestände für Bürger und Wirtschaft. Ziel ist, das von der Allgemeinheit finanzierte öffentliche Datenmaterial nicht weiter in staatlichen Datensilos zu verschließen, sondern als Datenrohstoff-Basis neue Services für eine informierte Bürgerschaft zu ermöglichen.

Statistische Daten, Daten über Investitionen und Förderungen, Daten über die Entscheidungsvorgänge im Parlament oder auch bloß Daten über den Wasserstand der Donau – dies alles sind Regierungsdaten ("government data"). Eine Menge an Ressourcen, die kostspielig erhoben werden, um dann in Jahrbüchern, Dokumenten und Excel-Sheets ungenutzt zu "verfallen". Die US-Regierung unter Obama hat hier erkannt, dass diese Ressource öffentlich zugänglich gemacht werden sollte: Im Sinne der Informationspflicht dem Bürger gegenüber ebenso, wie auch als Ressouce für neue Unternehmen der IKT. In Europa ist England ein absoluter Vorreiter einer Initiative, die – im besten Sinne – open government data, also die Öffnung von Regierungsdaten, zum Thema hat.

Die Idee, auch in Österreich eine Open Government Data Initiative nach angelsächsischem Vorbild zu starten, kursierte bereits seit letztem Jahr in einigen Köpfen der heimischen Semantic Web Community. Nun ist es soweit: Österreich könnte dank seiner Experten zum Pionier einer Initiative werden, die europaweiten Anklang finden würde, so Initiator Andreas Blumauer, Geschäftsführer der Semantic Web Company in Wien.

MEHRWERT AUS ROHDATEN Blumauer schildert seinen Zugang zum Thema: "Die Vision dahinter ist es, aus den riesigen Datenmengen, die speziell in der öffentlichen Verwaltung täglich produziert werden, besseren Nutzen zu ziehen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und Handlungen davon ableiten zu können. Zur Zeit sind viele Daten in Silos und proprietären Formaten und Strukturen 'versteckt'. Man kann sie zwar herunterladen, aber niemand kann damit etwas anfangen – man kann sie nur schwer weiterverarbeiten. Wir als Semantic Web Company haben hier ein konkretes Angebot: Wir unterstützen Institutionen dabei, ihre Daten in einer Art und Weise zu veröffentlichen, dass sich dazu eine Community rundherum bilden und aus den Rohdaten veredelte Informationen und schließlich Mehrwert-Services aufbauen kann. Das wiederum führt zu mehr Transparenz, was die Verwaltungsabläufe – etwa Förderungen – anbelangt, aber auch dazu, dass die Verwaltung Geld sparen kann, denn: Viele Anwendungen, die rund um die Datenpools entstehen, werden sozusagen zum Bürger hin ausgelagert." Mehr zu dem Thema finden Sie auch in dem Interview "Andreas Blumauer und Andreas Langegger: Wozu Open Government Data?".

Was man dazu wissen muss:

  • Es geht dabei in keiner Sekunde um personenbezogene oder sensible vertrauliche Daten. Es geht um öffentliche Daten – etwa von Stadt- oder Gemeindeverwaltungen – und es geht darum, wie man diese Daten leichter weiterverarbeitbar machen kann, damit mit Ihnen Programme und elektronische Hilfen für das Internet und mobile Anwendungen erstellt werden können.
  • Klammert man personenbezogene Daten strikt aus, ist das Teilen von Daten nicht notwendigerweise negativ oder gefährlich. In den USA hat die Open Government Arbeitsgruppe bereits Ende 2008 die acht Open Government Data Prinzipien für offene Regierungsdaten formuliert. Um die deutsche Regierung und deutsche Behörden bei der Öffnung der Daten zu unterstützen, wurden die Argumente als acht Thesen zu den Open Government Data Prinzipien ins Deutsche übersetzt (siehe nächste Seite).
  • Die Interpretation der Ergebnisse aus den Verknüpfungen muss sensibel und stets auf Basis wissenschaftlicher Methoden – (und wieder in Form von – linked – open data) erfolgen. Denn: Open Data in Kombination mit Linked Data öffnen Türen, um aus dem Datenmaterial neues Wissen und neue Entscheidungsgrundlagen zu generieren.
  • Es werden dabei keine neuen Datensätze erschlossen und geöffnet – sondern es handelt sich um die Bereitstellung vorhandener und auch bereits (für jeden) verfügbarer Daten aus dem Public Sector, wie zum Beispiel parlamentarische Materialien, Umweltdaten, Verkehrsdaten etc. die jetzt auch eingesehen werden können: Aber heute gibt es dafür aber kein standardisiertes Format, sondern man muss mühsam via Terminal oder Papierformat vorgehen.

Blumauer: "Unser gemeinsames Ziel ist es, ähnlich wie in den USA, UK, Australien, Neuseeland, Holland, Finnland, etc. öffentliche, nicht personenbezogene, Daten – Mikrozensus, Volkszählung, Daten verschiedener NPOs, NGOs, etc. – an einem Umtauschplatz in Menschen- UND Maschinen-lesbarer Form verfügbar zu machen. Wir wollen einen besseren und allgemeinen Zugang zu diesen Daten durch so genannte Mashups und neuartige Benutzerschnittstellen ermöglichen, sowie die Verfügbarkeit dieser Daten für Forschungszwecke durch semantischen Datenaustausch erleichtern."

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