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10.04.2010 Marion Fugléwicz-Bren*/Rudolf Felser

Andreas Blumauer und Andreas Langegger: Wozu Open Government Data?

Die Semantic Web-Experten Andreas Blumauer und Andreas Langegger im Interview anlässlich der Pressekonferenz zum Start der österreichischen Open Government Data Initiative.

Die Semantic Web Company lud am 8. April in die Räumlichkeiten der Österreichische Computer Gesellschaft, um eine Experten-Initiative ins Leben zu rufen: Es gilt, besseren Nutzen aus den riesigen vorhandenen freien Datenmengen zu ziehen (siehe "Heimische Open Government Data–Initiative gestartet"). Andreas Blumauer (Bild; Semantic Web Company) und der Semantic Web Researcher sowie FH-Dozent Andreas Langegger, die federführend an der Initiative beteiligt sind, beantworten im Interview wichtige Fragen im Zusammenhang mit "Open Governmant Data".

Marion Fugléwicz-Bren: Sie wollen eine Open Government Data Initiative in Österreich starten. Was ist "Open Government Data"? Andreas Langegger: Es handelt sich dabei um eine Initiative mit dem Ziel, öffentliche Daten, die die österreichische Verwaltung sammelt - wie zum Beispiel alle Daten der Volkszählung, Mikrozensus, Daten zur Wirtschaftsleistung, Kriminalität, Gesundheitsversorung, etc. - in Zukunft auch in standardisierter Rohform der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Es geht dabei nicht um personenbezogene Daten, welche unter den Datenschutz fallen, sondern vielmehr um Daten, die zum Teil ohnehin schon publiziert werden, aber oft in bereits verdichteter Form oder in Form von Textdokumenten oder PDFs. Diese Daten sollten besser genutzt und effizient wiederverwendet werden können. Andreas Blumauer: Open Government Data ist die Idee von "Open Data" auf die Öffentliche Verwaltung angewandt. Obwohl bereits viele Daten aus der Verwaltung zwar "online" sind, heißt das noch nicht, dass sie den acht Grundprinzipien ("Open Government Data Principles") folgen. Einerseits ist es sehr schwer möglich und kostenintensiv, die eigentlichen Daten aus PDFs herauszufiltern, leider werden sehr unterschiedliche Formate zur Publikation von Daten verwendet. Dort setzt unsere Initiative an: Wir wollen den Vorteil interoperabler Daten aufzeigen, also demonstrieren, welcher Nutzen bei gleichbleibend hohen Kosten entsteht, wenn auf RDF als Austauschformat gesetzt wird.

Warum sind Sie hier engagiert, wer steht da noch dahinter, was ist die "Vision"? Blumauer: Die Vision dahinter ist, aus den riesigen Datenmengen, die speziell in der Öffentlichen Verwaltung täglich produziert werden, besseren Nutzen zu ziehen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und Handlungen davon ableiten zu können. Zur Zeit sind viele Daten in Silos und proprietären Formaten und Strukturen "versteckt". Man kann sie zwar herunterladen, aber niemand kann damit etwas anfangen, man kann sie nur schwer weiterverarbeiten. Wir als Semantic Web Company haben hier ein konkretes Angebot: Wir unterstützen Institutionen dabei, ihre Daten in einer Art und Weise zu veröffentlichen, dass sich darum eine Community bilden kann, die aus den Rohdaten veredelte Informationen und schließlich Mehrwert-Services aufbauen können. Das führt zu mehr Transparenz, was die Verwaltungsabläufe, z.B. Förderungen anbelangt, aber auch dazu, dass die Verwaltung Geld sparen kann, weil viele Anwendungen, die rund um die Datenpools entstehen, sozusagen zum Bürger hin ausgelagert werden. Langegger: Es gibt viele Gründe, die für eine derartige Initiative sprechen, was sich durch unterschiedliche Interessensgruppen bemerkbar macht. Da gibt es unter anderem politische Motive wie mehr Transparenz und Effizienz (zum Beispiel das Verhindern von mehrfacher Erfassung bzw. Aufbereitung derselben Daten von unterschiedlichen Stellen), aber auch wirtschaftliche Interessen sowie auch das Interesse, neueste Forschungsergebnisse aus dem Bereich Semantic Web anzuwenden. Was politische Interessen betrifft, ist die Initiative nichts völlig Neues. Im November 2005 wurde in Österreich die EU Direktive 2003/98/EC ("on the re-use of public sector information") durch das Informationsweiterverwendungsgesetz (IWG) umgesetzt. Ziel des Gesetzes ist "die Erleichterung der Weiterverwendung von Dokumenten öffentlicher Stellen, insbesondere, um dadurch die Erstellung neuer Informationsprodukte und -dienste zu fördern". Es handelt sich dabei um keine Verpflichtung zur Freigabe öffentlicher Daten, sondern um eine klare rechtliche Regelung und einen transparenten, allgemeinen Zugang. In vielen EU-Ländern, wie UK, Finnland, Niederlande, Dänemark, etc., sowie auch in den USA und Kanada haben Regierungen dieses Potential bereits erkannt und vorbildliche Initiativen unterstützt bzw. selbst initiiert. EU-weit gibt es derzeit Initiativen, die auf diesem Grundgedanken aufbauen und den Zugang durch standardisierte Beschreibung der zugrundeliegenden Daten erheblich verbessern und effizienter machen. Die Verwendung und Verknüpfung der Informationen aus aufbereiteten Textdokumenten erfordert erheblichen Aufwand, welcher von jedem Nutzer mehrfach manuell unternommen werden muss, weil die Informationen nicht maschinenlesbar sind. Würde man diese Informationen bereits in standardisierter Form zur Verfügung stellen, würde man die Weiterverwendung erheblich erleichtern und den Zugang vereinfachen. Durch sinkende Kosten und mehr Effizienz würden sich außerdem ganz neue Möglichkeiten der Nutzung ergeben – Web services, Mashups und dergleichen.

Können Sie Anwendungsbeispiele nennen? Langegger: Steht erst einmal die Infrastruktur zur Verfügung, gibt es jede Menge denkbare Anwendungsbeispiele. Durch den Einsatz offener Standards können öffentliche Informationen in alle möglichen bestehenden Anwendungen, Internetseiten und -dienste eingebunden werden. Es werden aber sicher auch völlig neue dezidierte Dienste von öffentlichen Stellen, Medien, Unternehmen, Vereinen und Einzelpersonen entstehen. Beispielsweise die Visualisierung von Daten über die Gesundheitsversorung, Familienunterstützung und Bildungsmöglichkeiten in verschiedenen Gemeinden oder Informationen zur Verkehrsversorgung/-planung in der Region. Oder bessere Information der Bevölkerung über politische Vorgänge im Parlament, Landtagen, Gemeinden durch Integration von aktuellen Daten ins Webangebot verschiedener Medien. Auch Marketingabteilungen von Unternehmen würden vom leichteren und effizienteren Zugang zu demografischen Informationen durch automatisierte Integration in eigene Berechnungsmodelle profitieren. Geografische Informationssysteme verschiedener Art und für unterschiedliche Zwecke könnten außerdem sehr einfach demografische Informationen einblenden.

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