Webdesign: Die Evolution des sichtbaren Bereichs Detail - Computerwelt

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15.04.2010 Florian Schneider *

Webdesign: Die Evolution des sichtbaren Bereichs

Nutzer hatten noch nie große Lust, auf einer Internetseite selbst herausfiltern zu müssen, welche Inhalte für sie relevant sind. Mit dem Einzug von Personalisierung, Customization und Social Media existieren neue strategische Ansätze zur Bewältigung dieser Herausforderung.

Die Bedienung und das Nutzungsverhalten im Internet haben sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Dies betrifft natürlich auch die Bedeutung des sichtbaren Bereichs und den Umgang mit dieser Thematik. Der sichtbare Bereich ist – zumindest in der Theorie – die Fläche, die ein Nutzer auf jeden Fall sieht, ohne dass er horizontal oder vertikal scrollen muss. In der Praxis ist das ein wenig komplexer. Denn die Nutzer bewegen sich im Internet auf unterschiedlichen Endgeräten mit verschiedenen Monitorgrößen und Auflösungen. Hinzu kommt: Hat ein Nutzer besonders viele Symbolleisten integriert, verkleinert sich sein sichtbarer Bereich weiter. Es handelt sich beim sichtbaren Bereich also nur um einen Durchschnittswert, was seine Bedeutung für die Entwicklung von Online-Angeboten seit den Anfangszeiten des Internets jedoch in keinster Weise schmälert. Mit der steigenden Anzahl von Inhalten auf Online-Präsenzen nahm auch die Bedeutung des sichtbaren Bereichs weiter zu. Dabei war der Umgang mit diesem Thema stets gleich: Alle relevanten Inhalte und alle Zugänge zu den jeweiligen Inhalten sollten stets möglichst direkt sichtbar platziert werden. Seit dem Einzug von Personalisierung, Customization und Social Media existieren jedoch weitere strategische Ansätze in diesem Bereich, die im Folgenden genauso wie der klassische Ansatz unter die Lupe genommen werden.

1. Der klassische Umgang mit dem sichtbaren Bereich Beispiel: web.de Beim klassischen Ansatz wird versucht, möglichst alle wichtigen Themen innerhalb des sichtbaren Bereichs abzubilden. Dabei priorisiert der Website-Betreiber die Inhalte. Er definiert – gerne auch mit Hilfe von Marktforschung und Usability-Tests – was für seine Zielgruppe relevant sein könnte. Aufgrund der Vielzahl an relevanten Inhalten ist es allerdings oft unmöglich, alle unterzubringen. Deswegen gibt es einige Tools und Funktionalitäten, mit denen sich noch mehr Content integrieren lässt. Dazu gehören beispielsweise Aufklappmodule oder kleine Tab-Navigationen innerhalb des Contents. Ein Vorteil der klassischen Strategie ist, dass ganz gezielt einzelne Inhalte nach vorne gebracht werden können. Darüber hinaus haben Nutzer dieses Prinzip gelernt und erkennen sofort, welche Themen oder Produkte für den Betreiber einen hohen Stellenwert besitzen. Eine kleine, reine Imagewebsite mit wenigen Inhalten kann sehr gut komplett innerhalb des sichtbaren Bereichs funktionieren. Gerade bei umfangreichen Webangeboten jedoch überwiegen die Nachteile: Denn der klassische Ansatz bricht mit einer sehr wichtigen Usability-Regel – der Begrenzung der Inhalte. Das menschliche Gehirn ist nicht in der Lage, eine unbegrenzte Anzahl an einzelnen Objekten wahrzunehmen. Ideal sind bis zu sieben sinnvoll zusammengefasste optische Blöcke. Wird der Nutzer visuell mit zu vielen Elementen konfrontiert, führt dies sehr oft direkt zum Abbruch eines Website-Besuchs.

Ein gutes Beispiel für diese Problematik ist das Portal web.de. Es existieren 76 (!) klickbare Elemente, die alle für spezifische Inhalte stehen. Das ist die quantitative Seite. Es gibt allerdings auch noch eine qualitative Überforderung: Für den einzelnen Nutzer, der in einem bestimmten Use-Case vor seinem Computer sitzt, sind von den 76 Links vielleicht gerade einmal zehn interessant. Es ist nun seine Aufgabe, das ganze Angebot zu scannen. Er muss unzählige Texte anlesen und vielleicht noch auf den einen oder anderen Tab klicken, um zu den gewünschten Inhalten zu gelangen. Und genau dies steht im klaren Widerspruch zu der Bedienung im Internet, wie sie von der Mehrzahl der Nutzer gewünscht wird: Nutzer möchten sehen und nicht lesen, sie möchten visuell und intuitiv geführt werden und nicht selber herausfinden müssen, wie sie zu den gewünschten Inhalten gelangen. Zudem führt dieser Overload an Elementen sehr oft zu einer selektiven Nutzung des Angebots. Es wird dann nur ein sehr kleiner und gelernter Teil des Leistungsspektrums in Anspruch genommen, beispielsweise die Free-Mail-Funktion bei web.de. Insgesamt gilt: während der klassische Ansatz für eine kleine Website mit wenigen Inhalten noch funktionieren kann, stößt er bei komplexeren Angeboten klar an seine Grenzen und ist deswegen ein Auslaufmodell.

2. Der zum Scrollen einladende sichtbare Bereich Beispiel: Spiegel online Einige Portale, wie zum Beispiel Spiegel Online, setzen auf die Bereitschaft der Nutzer zum Scrollen. Im sichtbaren Bereich ist nur das Top-Thema zu finden, alle weiteren Inhalte sind hauptsächlich über vertikales Scrollen erreichbar. Hierbei ist es essenziell, dass der Nutzer sehr gut visuell geführt wird. Er muss beispielsweise sofort erkennen können, dass er scrollen muss. Darüber hinaus sollte die grundsätzliche Anordnung der Bereiche immer gleich sein – das macht den Auftritt für den Nutzer sehr schnell lernbar. Der Nutzer erkennt in diesem Fall rasch die für ihn irrelevanten Kategorien und überspringt sie nach einem gewissen Zeitraum so gut wie automatisch.

Für diesen Ansatz spricht, dass immer mehr Nutzer lieber scrollen als klicken. Das liegt unter anderem daran, dass jeder Klick mit einer entsprechenden Reload-Zeit verbunden wird. Zahlreiche Usability-Tests belegen diese Entwicklung hin zum Scrollen. Ein weiterer Vorteil liegt in der verbesserten visuellen Führung. Das lässt sich sehr gut am Beispiel von Bewertungen verdeutlichen: Im klassischen Modell sind solche Funktionalitäten aus Platzgründen oft über eine Tab-Navigation innerhalb des Contents oder über Links zugänglich – der Nutzer muss das Wort Bewertungen wirklich lesen. Besser ist es, wenn die Funktionalitäten so gestaltet und platziert sind, dass der Nutzer sie sofort als solche erkennt. Bei Bewertungen erreicht man dies beispielsweise durch die Verwendung der bekannten Sternchen.

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