Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


05.05.2010 Alex Wolschann

Markus Höfinger, PXP: "Viele Chefs wären froh, wenn Mitarbeiter weniger Zeit in sozialen Netzen verbringen"

Markus Höfinger ist mit seiner PXP interactive services & solutions einer der größten heimischen Experten für Social Media. Im Interview erklärt er, warum Facebook und Co. auch für Unternehmen interessant sind und welcher Nutzen sich für das Business generieren lässt.

Computerwelt: Facebook, Twitter und Co. sind mehr als ein Spielzeug für private Nutzer? Markus Höfinger: Für uns auf jeden Fall, da wir Lösungen für Unternehmen anbieten. All diese Plattformen kann man auch als Unternehmen intelligent nutzen um Kunden, Partner, Lieferanten und Mitarbeiter zu finden oder einfach besser zu verstehen. Der wichtigste Punkt ist die Frage nach der Social-Media-Strategie eines Unternehmens. Social Media kann sowohl für klassisches Branding verwendet werden, was momentan sehr oft der Fall ist, das kann eine Form der Online-PR sein, das kann auch Customer Care oder Viral Marketing sein.

In vielen Fällen wird Web 2.0 bei Unternehmen dafür eingesetzt, neue Mitarbeiter zu screenen. Wie wichtig ist die eigene Reputation im Netz? Viele Unternehmen machen das, keine Frage. Ich glaube aber nicht, dass das systematisch passiert, etwa von der Human-Ressource-Abteilung abwärts mit einer vorgegebenen Strategie. Wichtig sind vor allem die Privacy-Einstellungen, um nicht in ein falsches Licht gerückt zu werden. 80 Prozent aller Facebook-User haben sich damit noch nie beschäftigt. Ich denke, dass ein Unternehmen auf Dauer Probleme bekommen wird, wenn Mitarbeiter wegen Postings oder Fotos entfernt werden. Irgendwann will dort niemand mehr arbeiten. Ich glaube dass dieses Thema überbewertet wird.

Gibt es soziale oder andere Unterschiede in den sozialen Netzwerken? Hat ein Xing-User ein anderes Image als ein Myspace-User? Es gibt durchaus Unterschiede. Xing ist ein klassisches Business-Network, da wird förmlicher formuliert, das Foto ist professioneller und es werden kaum private Dinge gepostet. Unterschiedliche soziale Schichten sind aber auch in unterschiedlichen Networks. Myspace ist eher die C- und D-Schicht, Facebook ist eher die A- und B-Schicht. Das hat sich einfach so entwickelt. Facebook hat einfach die kritische Masse, einen Tipping-Point, erreicht. Richtig geboomt hat das Netzwerk ab dem Zeitpunkt, als Statusmeldungen erstmals möglich waren. Da hat das virale Thema abgehoben.

Wie sieht es denn im Unternehmenseinsatz mit dem Nutzen im Vergleich zum Zeitaufwand aus? Viele Geschäftsführer wären wohl froh, wenn ihre Mitarbeiter weniger Zeit in sozialen Netzen verbringen würden. Einige Unternehmen haben ja auch den Zugang gesperrt. Wir raten unseren Kunden immer, das nicht zu unterbinden. Vor fünf Jahren wollte man den Zugang zu orf.at sperren, fünf Jahre davor Solitär vom Computer entfernen und davor ging es um die Länge der Kaffeepause. Solche Diskussionen hat es immer schon gegeben. Wie produktiv Mitarbeiter sind, lässt sich durch solche Maßnahmen nicht reglementieren. Wenn jemand im Büro zu viel Zeit hat, liegt das Problem nicht bei den Statusupdates in Facebook. Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter animieren, in Social Networks intelligent aktiv zu werden, das eigene Unternehmen gut zu vertreten und gewisse Richtlinien mitgeben was erwünscht und was weniger gern gesehen ist. Gegenwärtig wird das nicht geregelt.

Für welche Branchen ist eine Social-Media-Strategie besonders nützlich? Im Grunde für alle Unternehmen, die im Endkundengeschäft sind. Dort hat das Thema einen großen Hebel. Das kann sowohl eine Bank, als auch ein Wettanbieter oder eine Veranstaltung wie der Life Ball sein. Da findet man überall Anknüpfungspunkte. Egal, um welches Unternehmen es geht, ihre Kunden sind im Social Web. Kundenbetreuung ist da ein ganz wichtiges Thema. Da gibt es sehr viel Potential. Wer von uns hat noch nicht einen versprochenen Anruf nicht bekommen, oder war mit dem Service unzufrieden. Hier ist Social Media eine große Chance. Unternehmen müssen heutzutage zuhören, sonst hat man keine Chance mehr.

Gibt es grundsätzliche Regeln für Unternehmen, egal ob es eine Bank oder der Life Ball ist? Die grundsätzliche Policy ist überall gleich. Vertrauliche Daten müssen vertraulich bleiben und dürfen nicht veröffentlicht werden. Wenn einmal etwas im Netz steht, bekommt man es nicht mehr weg. Man kann zwar ein Video von Youtube entfernen, aber bis das passiert ist, kann es schon auf hunderten Rechnern liegen. Es muss ein Bewusstsein geschaffen werden was veröffentlicht werden darf. Im Zweifelsfall sollte nicht gepostet werden. Das fängt bei Kleinigkeiten wie dem Logo an und geht bis zu betriebsrelevanten Dokumenten. Man muss auch unterscheiden, ob man als Privatperson oder Firmenrepräsentant im Netz unterwegs ist. Eine Facebook-Seite zu haben bedeutet noch nicht, auch eine Social-Media-Strategie zu haben. Wenn ich in wenigen Wochen tausend Freunde oder Follower habe, heißt das immer noch nicht, dass mein Business etwas davon hat.

Was sind die größten Trends bei Social Media in nächster Zeit? Auf jeden Fall Mobility. Durch die Verbreitung der Smartphones wird auch das Social-Media-Thema immer größer. Da gibt es noch gewaltige Potenziale. Die mobile Nutzung von sozialen Netzwerken ist viel höher als bei anderen Themen. Das Thema wird sich noch viel intensiver Richtung Mobility bewegen. Je schneller die kritische Masse erreicht ist, desto verwurzelter werden die sozialen Netzwerke. Die Smartphones boomen, und damit auch die Netzwerke. Bis 2012 sollen 80 Prozent der verkauften IT-Geräte für Endkunden aus dem Mobility-Bereich kommen. Daran erkennt man schon das unglaubliche Potenzial dieses Bereichs. Wenn wir für einen Kunden eine Web-Lösung generieren, überlegen wir uns heute immer auch eine mobile Lösung. Aber in die Zukunft zu blicken ist hier schwer: Rupert Murdoch hat Myspace 2006 für 550 Millionen Dollar gekauft. Wo ist Myspace jetzt. Der Markt ist schwer zu prognostizieren. Facebook ist aber meiner Meinung nach nicht mehr wegzudenken. Das ist schon so etwas wie die Suche auf Google. Da wird kaum in zwei Jahren jemand kommen und etwas vollkommen Neues erfinden, sodass niemand mehr Google-Search verwendet. Das sind schon die Eckpfeiler des Internets. Twitter Search könnte Google aber aufgrund der Aktualität schon sehr wehtun.

Das Gespräch führte Alexander Wolschann.

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