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26.05.2010 apa

Experte warnt vor Inhaltsfiltern im Internet

Peter Rastl, Leiter des Zentralen Informatikdienstes der Universität Wien, fürchtet vor allem "Nebenwirkungen" durch die missbräuchliche Nutzung von Filter- und Zensurfunktionalitäten.

Für Peter Rastl, "Vater" des österreichischen Internet und Leiter des Zentralen Informatikdienstes der Universität Wien, ist das Internet eine Kulturtechnik wie Lesen und Schreiben, der eine ähnliche Bedeutung wie der Erfindung des Buchdrucks zukommt. Entwicklungen hin zur Vorratsdatenspeicherung oder Kinderpornografie-Filtern machen dem Experten derzeit allerdings Angst.

"Das Problem sehe ich darin, dass die Staaten - angestachelt durch 9/11 - beginnen, das Internet einzuschränken", betonte Rastl im Gespräch mit der APA. "Da verspricht man sich zu Unrecht Erfolge gegen kriminelle Handlungen", ist er überzeugt. "Da würde ich mir gerne wünschen, dass unsere politischen Entscheidungsträger mehr Wissen über das Internet hätten und wüssten, dass solche Methoden nicht helfen."

Täter würden sich gut genug auskennen, um die Maßnahmen zu umgehen, gleichzeitig entstehe eine Infrastruktur, "die man ausnützen kann". Gefährliche Nebenwirkungen seien beispielsweise bei Regierungsübernahmen durch Diktatoren zu befürchten. Leider habe man schon ein gutes Stück des Weges zu mehr Kontrolle zurückgelegt.

Auch Beschränkungen gegen Online-Kinderpornografie hält Rastl für falsch: "Man kann Kinderpornografie damit auch nicht bekämpfen", sagte er zur APA. "Aber die Infrastruktur, die man zum Filtern hat, kann verwendet werden, um andere ungewollte Meinungen zu filtern. Vor dieser Entwicklung habe ich Angst." Ein Beispiel für solche Vorgehensweisen sei Saudi-Arabien.

Neben einer Vorratsdatenspeicherung beurteilte der Internet-Pionier auch die strenge Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen als negativ. Dahinter verberge sich eine Reaktion auf das Verabsäumen der Film- und Musikbranche, rechtzeitig auf technische Neuerung einzusteigen, meinte Rastl. Auch künftig stünden unerwartete Internet-Entwicklungen bevor, so würden Provider künftig an Bedeutung verlieren. Ihre Aufgabe, eine größere Bandbreite zur Verfügung zu stellen, sei heute erfüllt.

MANGELNDE AWARENESS Derzeit steht für Rastl die Partizipation der User im Vordergrund. "Wir müssen darauf achten, dass es verträglich für die Gesellschaft bleibt", betonte Rastl. Punkto Privatsphäre sei das Problem allerdings die mangelnden Awareness der Nutzer: "Die User stellen ja selbst die ganzen Informationen hinein, die sie auf einer Bahnhofswand vermutlich nicht veröffentlichen würden."

Trotz alldem ist auch Rastl ein regelmäßiger Besucher verschiedener Online-Plattformen: "Ich habe auch einen Facebook-, einen Xing- und einen Linkedin-Account, damit ich weiß, was meine Tochter im Urlaub so treibt", verriet Rastl über seinen persönlichen Internet-Gebrauch. "Und ich bin ein großer Freund klassischer Musik." Mittels Youtube verfolge er die Entwicklungen unbekannter Komponisten.

Das Internet habe bahnbrechende Anwendungen wie Suchmaschinen und Wissens-Datenbanken a la Wikipedia ermöglicht. Vor 1990 habe man sich lediglich über eine Einwahlverbindung kurz ins Internet einloggen und Mails lesen bzw. senden könnten, erinnerte sich Rastl. Mit der Installierung einer Standleitung über die Schweiz in die USA im August 1990 wurde schließlich die Übermittlung von Daten möglich, das Einloggen in andere PCs sowie die Bildung von Kooperationen mit anderen Einrichtungen. Das WorldWideWeb sei 1992 zum ersten Mal vorgestellt worden.

Für die Wissenschaft war das Internet laut Rastl zunächst nur eine spannende, interessante Spielerei. Zu einer unentbehrlichen Anwendung entwickelte sich die Online-Welt erst Zug um Zug. Davon zeuge auch eine der ersten Anwendungen einer Salzburger Uni-Professorin, die ihren Kollegen einen Adventkalender präsentierte, dessen Türchen sich online öffnen ließen. (apa)

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