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18.06.2010 Martin Fink, Peter Schärli*

VoIP: So funktioniert IP-Telefonie

Telefonie übers Internet löst die klassische Festnetztechnik immer schneller ab und eignet sich auch für kleine Unternehmen. Wir erklären die technischen Grundlagen der IP-Telefonie.

Längst ist die IP-Telefonie keine Laune einiger Technikgurus mehr, sondern ein etabliertes Verfahren zur Sprachkommunikation. Ihren Ursprung hat sie in der reinen Internettelefonie (Voice over IP, kurz VoIP). Sie gewann erstmals an Bedeutung, als man in den 90er-Jahren die hohen Gesprächsgebühren der Telefonanbieter umgehen wollte. Anstatt zehn Franken in der Minute für ein Ferngespräch nach Ecuador zu bezahlen, konnten Nutzer das Internet als kostenlosen Übertragungsweg nutzen. Angesichts der Einsparmöglichkeiten waren diese bereit, die schlechte Sprachqualität in Kauf zu nehmen.

Im Privatbereich verbreiteten sich daher VoIP-Dienste rasant (z.B. Skype). Im Geschäftsumfeld hingegen waren sie aufgrund schwankender Übertragungsraten, Einschränkungen im Bereich der Sicherheit und Verfügbarkeit nicht einsetzbar. Die moderne IP-Telefonie hat mit dieser Internettelefonie nur noch wenig gemein – dank heutiger Netzwerktechnik und der Verbreitung von Breitbandinternet.

INTRANET- VS. INTERNETTELEFONIE Intranettelefonie beschreibt die Kommunikation innerhalb eines lokalen Netzwerks. Dazu zählt auch die Sprachübertragung zwischen verschiedenen Firmenniederlassungen. Mit Internettelefonie ist das Telefonieren außerhalb eines lokalen Netzwerks gemeint; also übers Internet und über einen Provider. In diesem Fall spricht man von Voice over IP.

Als Überbegriff für beide Bereiche steht IP-Telefonie. In Europa werden besonders häufig Telefonanlagen durch IP-Technologie ersetzt. Das bedeutet, dass ein Betrieb die eigene Netzwerkinfrastruktur zur Übertragung der Sprache verwendet, extern jedoch über ISDN telefoniert.

Es geht auch umgekehrt: Die externe Telefonie über VoIP kann mit klassischen Telefonanlagen verwendet werden. So bleibt intern alles beim Alten, extern kommt hingegen VoIP zum Einsatz.

WIE FUNKTIONIERT IP-TELEFONIE? Bei der IP-Telefonie wird die Sprache in Datenpakete aufgeteilt, die danach durchs Netzwerk (lokal oder Internet) geschickt werden. Das Problem: Im Gegensatz zur digitalen Festnetz-Telefonie (ISDN), bei der die Sprache kontinuierlich auf einer reservierten Leitung mit einer festen Bandbreite übertragen wird, stehen die Sprachdaten in Konkurrenz zu anderen Datenpaketen (E-Mail, Internetapplikationen etc.). Das birgt die Gefahr von schlechter Sprachqualität, wenn Pakete in der falschen Reihenfolge oder mit großen Verzögerungen beim Empfänger ankommen oder vielleicht sogar verloren gehen.

Um dies zu verhindern, werden Sprachübertragungen automatisch komprimiert, sobald wenig Bandbreite zur Verfügung steht. Dadurch sind die Datenpakete kleiner und werden schneller übertragen. Eine weitere Lösung sind Priorisierungsverfahren. Der Datenverkehr wird dabei in unterschiedliche Wichtigkeitsstufen eingeteilt, wobei die Sprachübertragung höchste Priorität genießt. Mit solchen Maßnahmen lässt sich die Sprachqualität gewohnt hoch halten. Eine IP-basierende Anlage neuerer Generation erreicht daher punkto Qualität das übliche ISDN- Niveau.

GRÜNDE FÜR DEN UMSTIEG AUF IP-TELEFONIE Ein Blick auf einige Vorteile der IP-Telefonie zeigt, dass zahlreiche Gründe für den Einsatz von IP-basierenden Telefoniesystemen sprechen:

* Einfache und kostengünstige Implementierung, Administration und Betriebsführung. * Wegfall von Management- und Wartungskosten für ein separates Telefonnetz. * Nutzen durch Kombination von Sprachdaten und herkömmlichen Informationen (z.B. Datenbanken). * Einbindung von Messaging-Lösungen, Handys etc. möglich. * Investitionsschutz dank Bereitschaft für neue Technologien; das Angebot und die Nutzungsmöglichkeiten von IP-basierenden Geräten wachsen ständig. * Größere Unabhängigkeit von Anbietern; viel Administration und Anpassungsarbeit können vom Unternehmen selbst gemacht werden. * Beliebige Ausbau- und Umbaufähigkeit der Anlage. * Kosteneinsparung durch Wegfall von Gesprächskosten innerhalb des Firmennetzes. * Steigerung der Produktivität der Mitarbeiter.

Oft sind es keine einzigartigen, bahnbrechenden Gründe, die zur Einführung von IP-Telefonie zwingen. Vielmehr gibt die Kombination mehrerer Argumente den Anstoß. Oder aber ein einzelner Vorzug (z.B. die Verknüpfung der Kundendatenbank mit der Telefonie) ist derart vorteilhaft, dass sich die Investition lohnt. Bei einer Ablösung der alten Telefonanlage sollte der Einsatz von IP-Telefonie und Voice over IP aber in jedem Fall geprüft werden.

IP-TELEFONIE – FÜR WEN? Die IP-Telefonie eignet sich für jede Firma, die über ein Netzwerk verfügt. Sinnvolle Einstiegsgrößen gibt es nicht, da einzelne Anbieter bereits für Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern Komplettlösungen anbieten. Bei der erstmaligen Umstellung zur IP-Technologie werden Anbieter vor allem die Eigenschaften des bestehenden Datennetzwerks auf dessen Leistungsfähigkeit prüfen. Messungen geben zudem Aufschluss über die Auslastung des Netzwerks.

Da sich die Sprache wie andere Datenpakete über den Netzwerk-Highway fortbewegt, ist es wichtig, dass eine ausreichende Bandbreite zur Verfügung steht. In diesem Zusammenhang wird oft der Begriff Quality of Service (QoS) verwendet: Mit Priorisierungsmassnahmen soll eine hohe Qualität der Sprachkommunikation gewährleistet werden.

ANBIETER UND BERATUNG Heute sind sehr unterschiedliche IP-Telefonielösungen erhältlich. Praktisch alle führenden Hersteller von Telefonanlagen bieten entsprechende Produkte an. Außer der Ablösung der bestehenden Anlage durch eine neue, IP-fähige gibt es bei spezialisierten Betreibern auch virtuelle IP-Telefonieangebote.

Dabei werden die gesamten Leistungen von einem externen Partner erbracht. Zwischen diesen beiden Beispielen existieren zahlreiche Lösungsvarianten. Sie tun also gut daran, sich umfassend beraten zu lassen. Bereits im Vorfeld sollten Sie sich die Anforderungen notieren und gewichten. Diese Angaben dienen dem Anbieter als Orientierungshilfe. Eine Übersicht der bekanntesten Anbieter finden Sie in der Box oben.

* Der Autor ist Redakteur des PCtipp.

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