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30.06.2010 Alex Wolschann/apa

Österreichs Internetnutzung hinkt hinterher

Rund die Hälfte der Österreicher ist täglich online, womit das Land den europäischen Vorreitern um ein bis zwei Jahre hinterherhinkt, warnt Ericsson-Experte Christian Untersteiner.

Rund die Hälfte der Österreicher ist täglich online, womit das Land den europäischen Vorreitern um ein bis zwei Jahre hinterherhinkt, warnt Christian Untersteiner, Head of Practice Consumer & Business Applications von Ericsson Western & Central Europe. Laut einer Umfrage des schwedische Telekomausrüsters ist es 47 Prozent der befragten österreichischen Intensivnutzer wichtig, ständig online zu sein.

In Summe aller Befragten (1.250 Personen) waren es hingegen 18 Prozent. Das stärkste Wachstum verzeichnen die Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook und das Video-Schauen.

INTERNET IN DER HOSENTASCHE Ein weiterer Trend sei die mobile Internetnutzung. "Das World Wide Web verlagert sich vom Schreibtisch in die Hosentasche. Die Konsumenten wollen Zugang ins Internet, egal wann, wo und wie. Gleichzeitig steigt die Zahl der Anwendungen", betonte Untersteiner. "Das stellt die Betreiber vor neue Herausforderungen in punkto Qualität, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit der Infrastruktur“, so Untersteiner weiter über die Ergebnisse der aktuellen ConsumerLab Studie für Österreich. Im ConsumerLab erfasst Ericsson seit 1995 das weltweite Nutzerverhalten in Hinblick auf Computer, Internet und Telefonie.

Bei den technischen Geräten in den Haushalten liegt Österreich im Schnitt – und bei einigen Produkten sogar vor vielen anderen europäischen Ländern. "Bei Flachbild-Fernsehern, Laptops und Netbooks sind die Österreicher Europa-Meister", erklärt Ola Sandberg, Leiter des Ericsson ConsumerLab. Über die Hälfte der Konsumenten (56 Prozent; Europa: 51 Prozent) hat bereits ein TV-Gerät mit Flachbildschirm oder einen Laptop (55 Prozent; Europa: 51 Prozent). Auch bei Netbooks liegen die Österreicher mit neun Prozent vorne (Europa: 7 Prozent).

In der Nachfrage nach Laptops und Netbooks spiegelt sich die starke Verbreitung von mobilem Breitband in Österreich wieder. Das birgt gleichzeitig Herausforderungen für die Betreiber. "Mehr Internet-Usage bedeutet immer auch mehr Datenverkehr. Die Betreiber müssen sich heute schon rüsten, um ihren Kunden in Zukunft die erforderlichen Bandbreiten bieten zu können", ist Ola Sandberg überzeugt.

Die Geräte werden immer kleiner und handlicher – und das Internet wandert in die Akten- oder Hosentasche. "Der Laptop wird zum persönlichen Begleiter. Er schafft unterwegs Zugang zu wichtigen Online-Services von Social Networks bis Online-Banking", sagt Sandberg. Die Laptop-Verbreitung in der Bevölkerung hat sich seit der letzten Befragung 2007 fast verdoppelt: von 29 auf 55 Prozent.

Wird der Laptop in erster Linie "geplant" eingesetzt, so ermöglicht das Smartphone den spontanen Zugriff auf das Internet. Ein Viertel der Österreicher plant, sich als nächstes Handy ein Smartphone zuzulegen. Damit wird auch das Datenvolumen weiter ansteigen. Denn wer ein Smartphone hat, setzt es auch für den Webzugang ein: Ein Drittel der Smartphone-User surft bereits täglich im Internet, so die ConsumerLab Studie von Ericsson.

BARRIEREN BESEITIGEN Obwohl immer mehr Menschen Breitband-Technologien einsetzen, ist gerade mobiles Internet immer noch Barrieren ausgesetzt: von der Geschwindigkeit über die Netzabdeckung, das Datenvolumen und die Netzkapazität bis zum Preis von Diensten. "Raum für Verbesserungen sehen wir vor allem bei der Qualität, Verfügbarkeit und Schnelligkeit der Dienste", erklärt Sandberg weiter. Auch zeigt sich, dass viele Konsumenten gar nicht in der Lage sind, ein mobiles Breitband-Angebot richtig zu erfassen. "Die Hälfte der Konsumenten kennt die Geschwindigkeit ihres Netzwerks nicht. Sie haben einfach das Gefühl, dass es manchmal zu lange dauert." Hier könnten die Betreiber beispielsweise mit verständlicheren Angeboten und Flatrate-Modellen ansetzen.

DIE ZUKUNFT Die ConsumerLab Studie ist ein Teil der Strategie von Ericsson, das Verhalten der Kunden besser zu verstehen und aus diesem Bedarf Geschäftsstrategien zu entwickeln. Im Projekt "Life in 2020" entwirft das Unternehmen darüber hinaus Szenarien, wie Menschen in Zukunft leben, arbeiten und kommunizieren werden. Bis 2020 erwartet Ericsson 50 Milliarden vernetzte Devices. "Alles, was durch eine Datenverbindung einen Mehrwert erhält, wird angebunden sein. Auf jeden Erdenbewohner werden mehr als sieben Geräte kommen, die wiederum mit anderen kommunizieren", veranschaulicht Christan Untersteiner die Zukunftsvision und den steigenden Anteil an Machine to Machine (M2M) Anwendungen.

Der mit seinen Patienten vernetzte Hausarzt ("Doctor in a Box"), der "vorausdenkende" Kühlschrank oder das digitale "Schwarze Brett" zuhause sind Beispiele dafür, wie der Alltag in zehn Jahren aussehen könnte. Die Welt ändert sich: Digital Natives, die mit neuen Technologien aufwachsen, internationaler Wettbewerb, Klima- und Energiefragen, die zunehmende Vernetzung von Geräten und die Suche nach neuen Werten – sie alle sind Treiber für eine neue Weltordnung. "Wir entwickeln uns zu einer vernetzten Welt. 2020 wird alles miteinander verbunden sein: Menschen und Unternehmen ebenso wie unterschiedlichste Geräte", sagt Untersteiner. "Die Basis dafür bildet die Breitband-Technologie, denn sie ist es, die die Vernetzung überhaupt erst ermöglicht." (rnf/aw/apa)

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