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09.07.2010 Alex Wolschann/apa

Das Web wird 20: Aus dem Alltag nicht wegzudenken

Die meisten Menschen in den Industrieländern können sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Würde das Netz tatsächlich einen Tag ausfallen, sei zwar der wirtschaftliche Schaden beträchtlich, "das Land würde aber nicht stehen bleiben".

Ob Mail, Facebook oder einfach nur Surfen: Die meisten Menschen in den Industrieländern können sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Würde das Netz tatsächlich einen Tag ausfallen, sei zwar der wirtschaftliche Schaden beträchtlich, "das Land würde aber nicht stehen bleiben".

Die wirtschaftliche Infrastruktur sei nämlich mittlerweile weitestgehend abgekoppelt vom Internet, sagte Andreas Wildberger, Generalsekretär der Vereinigung der Österreichischen Internet Service Provider (ISPA), im Gespräch mit der APA. Mögliche Ursachen für einen Ausfall des Internets wären Software-Bugs im Router-Betriebssystem oder Denial-of-Service-Attacken (DoS). Welche Folgen ein Software-Fehler hat, "hängt von der Geschwindigkeit der Bekämpfung ab". Problematisch könnte es werden, wenn beim Betriebssystem eines großen Netzwerkausrüsters ein Schaden auftritt.

Dass ganze Landstriche wegen eines Hardwarefehlers stillstehen, sei jedoch "äußerst unwahrscheinlich".

Selbst Schäden an Untersee-Glasfaserkabeln, was "durchaus einmal passiert", führten meist lediglich zum Abfallen der Bandbreite, erläuterte Christian Laque, Bereichsleiter Networks bei T-Mobile. Österreich wäre davon eher nicht betroffen. "Wenn das Kabel nach Deutschland nicht mehr funktionieren würde, würde der Datenverkehr über die Slowakei oder über Ungarn kommen", so der Experte. "Das Netz ist so inhomogen, dass es sehr viele Möglichkeiten hat, sich selbst zu reparieren." Das US-Militär sei schließlich darauf bedacht gewesen, höchst ausfallsichere Netze zu haben - als Vorläufer des Internets gilt das vom US-Verteidigungsministerium entwickelte ARPAnet (Advanced Research Projects Agency Network), das 1969 an den Start ging und zu Beginn der Vernetzung von Universitäten und Forschungsstätten diente. Dass weltweit alle Schnittstellen lahmgelegt werden, sei quasi unmöglich.

Bei einem Totalausfall würden Bankomaten oder Supermarktkassen trotzdem funktionieren, sagte Wildberger. Auch die Strominfrastruktur sei mehrfach abgesichert. Die großen Handelsketten kommunizierten mit ihren Lieferanten in eigenen Netzen, ebenso Automotiv-Unternehmen oder andere Firmen mit integrierten Lieferketten. "Die große Industrie ist sicher gefeit."

Das Filial-Netzwerk (Wide Area Network, WAN) der Handelskette Rewe etwa basiert laut Unternehmensangaben nicht auf der Internet-Technologie. "Ein Ausfall des Internets hätte daher keine Auswirkungen auf unsere Kassensysteme", sagte Rewe-Sprecherin Corinna Tinkler auf APA-Anfrage. Da die Artikelpreise in der Filiale und in jeder einzelnen Kassenstation gespeichert seien, könne eine Kasse grundsätzlich auch ohne WAN-Verbindung und auch ohne LAN-Verbindung (Local Area Network) zum lokalen Filialserver weiter betrieben werden.

Das Handy könnte man, wäre die Welt offline, ebenfalls noch benutzen - zumindest zum Telefonieren. "Das Mobilfunknetz ist komplett vom Internet getrennt", sagte Laque.

Der wirtschaftliche Schaden wäre dennoch beträchtlich, sollte das Internet tatsächlich einen Tag stillstehen, so Wildberger. Insbesondere Unternehmen, die ihre Waren via Internet vertreiben, wären massiv betroffen. Auch Firmen, die ihre eigenen Bestellungen über E-Mail abwickeln, entstünden hohe zusätzliche Kommunikationskosten. Weniger drastisch sieht das Laque. Ein Tag ohne Internet wäre "wie ein zusätzlicher Feiertag", sagte der Netzwerkspezialist. "Für die Weltwirtschaft würde das nichts ändern", Bestellungen oder Online-Überweisungen würden eben einen Tag später durchgeführt. Wildberger konstatierte: "Für den Otto-Normal-Verbraucher und kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die heute ihre Geschäftsprozesse über das Internet abwickeln, wäre ein Internet-Ausfall am schmerzhaftesten."

In fünf bis zehn Jahren, "wenn jeder Kühlschrank am Internet hängt" und Cloud Computing (Verwendung von über das Internet angebotenen Speicher-, Rechen- bzw. Softwareressourcen, Anm.) noch stärker verbreitet ist, hätte ein Stillstand von WWW und Co. wohl noch weitreichendere Folgen, so der ISPA-Generalsekretär.

Auch die Art und Weise, wie der Mainstream-User das Internet nutzt, wird sich in den kommenden zehn Jahren massiv verändern. Fragt man Trend- und Technikexperten, spielen dabei vor allem die Schlagworte Sicherheit und Sinnhaftigkeit eine bedeutsame Rolle. "Von Facebook wird in fünf bis sechs Jahren kein Mensch mehr reden", zeigte sich Zukunftsforscher Matthias Horx im APA-Gespräch überzeugt. "Soziale Netzwerke sind heute schon weit über ihren Hype hinaus." Massive Ausstiegswellen seien in den USA bereits jetzt Realität.

Den Grund sieht Horx vor allem in der benutzerunfreundlichen Beschaffenheit des World Wide Web, die den Computer derzeit noch zu einer "zeitfressenden Maschine macht, die überhaupt nicht das bringt, was sie soll". Die Prognose des Forschers: "Soziale Verlierer verbleiben in den Netzen - diejenigen, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als sich ständig gegenseitig die Unterhosen zu zeigen."

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