Gastkommentar: Das Web, das ich kenne Detail - Computerwelt

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13.09.2010 Sanjay Mirchandani*

Gastkommentar: Das Web, das ich kenne

Ich erinnere mich noch daran, als mir das erste Mal klar wurde, dass das Web wirklich groß werden würde. Aber ich hatte auch eine Ahnung, dass es uns eine "Freiheit mit Fußfesseln" geben würde.

Freiheit, Informationen mit zunehmender Geschwindigkeit zu erhalten. Fußfesseln in Form von unvorhersehbaren Zugriffen, eingeschränkten Verbindungsanschlüssen und belegten Telefonleitungen.

Die Unannehmlichkeit, von einer unausgereiften Technologie eingeschränkt zu werden, wurde von einem kollektiven Enthusiasmus überschattet: Wir waren in kürzester Zeit schwer begeistert. Und natürlich sah jeder, der in der IT-Branche arbeitete, das Potential des Webs. Ich war Teil eines Teams, das mithalf, eine der ersten Online-Banking-Lösungen im Nahen Osten zu erschaffen und war besonders von der "E-Opportunity" angetan. Der Komfort, der mit dem E-Business einherging, und die Geschwindigkeit, mit der wir den Kunden Dienstleistungen bereitstellten – es war verblüffend und nicht schwer, eine Begeisterung dafür zu entwickeln.

DIE FUSSFESSEL ENTWICKELT SICH Doch die Fußfesseln blieben. Heutzutage stammen sie nicht von unzuverlässigen Verbindungen, sondern von ununterbrochener Verbindung. Wir können zu jedem wachen Zeitpunkt an unseren Arbeitsplatz gebracht werden, wenn wir wollen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es im Privatbereich ratsam ist, rund um die Uhr online zu sein. Jeder braucht eine Auszeit, Familienzeit, einen Ausgleich. Unsere Aufgabe im IT-Bereich ist es, diesen Ausgleich zu ermöglichen.

Mein Vater arbeitete im Transportwesen. Die beiden Kommunikationsmittel seiner Wahl waren Telefon und Faxgerät. Er nahm das Faxgerät jedoch nicht mit nach Hause. Mein Vater gönnte sich eine Auszeit in dem Wissen, dass er am Morgen die gefaxten Aufträge der letzten Nacht vorfinden würde.

Selbst vor ein paar Jahren war es noch absolut in Ordnung, eine Email 24 oder 48 Stunden nach deren Eingang zu beantworten. Diese Einstellung hat sich geändert. Wenn Menschen mit Ihnen Kontakt aufnehmen, erwarten sie eine unmittelbare Reaktion, ganz egal, ob Sie gerade in Timbuktu sind. Und wenn Sie nicht antworten, lesen Sie möglicherweise kurz darauf eine "Wo bist du?"-Nachricht an Ihrer Facebook-Pinnwand. Die Web 2.0-Technologie verwischt die Grenzen zwischen unserem Verbraucher- und Arbeitsleben.

UNSERE PERSÖNLICHKEITEN VEREINEN Produktivität und persönliche Verbindungen sind Markenzeichen für Web 2.0. Nun gehört es zur Etikette eines Unternehmens, sich selbst in das Produkt Web 2.0 einzubringen. Und das bringt mich zu den Gefahren mangelnder Produktivität des Webs: Wir möchten Angestellten nicht vorschreiben, wie sie ihren Tag zu gestalten haben, denn sie wissen selbst, welche Aufgaben es zu erledigen gilt. Doch wiederum ist es wichtig, ein gewisses Gleichgewicht zu halten. Wenn ich in meinem Büro zu Mittag esse, gehe ich online um zu lesen, was die Leute so über EMC sagen. Diese Art von Surfen im Web verstärkt meine Produktivität. Es verleiht meinem Tag mehr Bedeutung.

Das Gleiche gilt, wenn ich mich auf einen Kundenbesuch vorbereite: Ich versuche herauszufinden, was die geschäftlichen Prioritäten dieses Kunden sind. Online dauert das etwa fünf Minuten. Und im Nachhinein weiß ich, was diesem Kunden wichtig ist. Aber einen Tech-Blog oder Unternehmensseiten in der Mittagspause zu lesen ist nicht das Gleiche, wie den halben Tag damit zu verbringen, ein Fußballspiel online zu verfolgen und darüber zu chatten. Unsere Aufgabe im IT-Bereich ist es, den Menschen die Möglichkeit zur Produktivität zu geben. Der Rest ist jedem Einzelnen überlassen. Mit dem sozialen Web geht eine Verantwortung zum sinnvollen Umgang einher.

Meiner Meinung nach wird sich die nächste Welle vor allem darauf konzentrieren, ein Gleichgewicht zwischen unseren privaten und unseren Arbeitspersönlichkeiten zu finden. Viele von uns tragen beispielsweise zwei Handys mit sich herum, um unsere geschäftlichen und privaten Kontakte und Emailnachrichten voneinander getrennt zu halten. Wir werden jedoch an einen Punkt gelangen, an dem die Technologie es uns ermöglicht, nur ein Gerät zu verwenden, mit dem wir unsere zwei Persönlichkeiten trotzdem auseinander halten können.

Unternehmen werden letztendlich die Erfahrungen, die wir als Verbraucher machen, vollständig an unseren Arbeitsplatz bringen. Das war schon beinahe mit Web 1.0 der Fall, als wir lernten, wie wir Informationen gewinnen und Geschäfte durchführen können. Jetzt, mit Web 2.0, versucht jeder herauszufinden, wie er soziale Medien im Arbeitsbereich nutzen kann. Dieses Blatt ist noch weitgehend unbeschrieben. Ich kann kaum abwarten zu sehen, was passieren wird.

MUSTER IN DER WOLKE ENTDECKEN In meinem Kopf herrscht eine unglaubliche Parallele zwischen dem, was in den frühen Jahren des World Wide Webs geschah, die voller Möglichkeit waren, und was das Cloud Computing ("Rechnen in der Wolke") uns bieten könnte. Wir wissen, dass wir diesen sehr ehrgeizigen nächsten Schritt in die Wolke – in die Zukunft der Informationstechnologie – wagen können und dabei nicht stolpern werden. Wir wissen es, denn wir erinnern uns, dass sich alles geändert hat, indem wir das Web angenommen haben. Die frühen Tage des Webs haben sich auf das Lesen von Informationen konzentriert. Dann hat der E-Commerce Unternehmen auf der ganzen Welt erreichbar gemacht. Mit dem Cloud Computing können Unternehmen eine noch größere, sichere Skalierbarkeit erreichen.

Ich hatte vor 20 Jahren eine Ahnung, dass aus dem Web etwas wirklich Großes werden würde, aber heute ist mir klar, dass ich keine Vorstellung davon hatte, wie riesiges es werden würde. Innerhalb der Wolke wartet schon eine Erfahrung der nächsten Generation auf uns. Die technologischen Parallelen bestehen.

* Sanjay Mirchandani ist Senior Vizepräsident und Chief Information Officer bei EMC.

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