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15.11.2010 Rudolf Felser

World Blogging Forum Vienna 2010

Vergangenen Samstag war die Unternehmenszentrale von A1 Telekom Austria das Zentrum der internationalen Blogosphere - natürlich neben dem Internet.

Rund 200 Gäste aus Ländern von Finnland bis zum Kaukasus diskutierten über politische und ökonomische Rahmenbedingungen digitaler Medienproduktion, über das Verhältnis Blogosphere und Social Media Plattformen sowie neue Formen des Marketing.

Conclusio der Veranstaltung: Digitalisierung und der einfache Zugang zu Produktionsmitteln bieten neue Chancen. Wichtig ist, dass sie richtig genutzt werden und dass entsprechende gesellschaftliche Rahmenbedingungen existieren. Rund um die Veranstaltung erzielten etwa 1.500 Tweets mit dem Hashtag "#wbf2010" eine Reichweite von 150.000 Personen. Außerdem wurde eine "Foursquare-Dichte" erreicht, wie sie die österreichische Bundeshauptstadt bislang selten – wenn überhaupt – erreicht hat

In seinem Eröffnungsstatement wies Werner Reiter, Pressesprecher A1 Telekom Austria darauf hin, dass das Internet sich als wichtigste Informationsquelle etabliert hat. In einer Studie, die die Telekom Austria Group gemeinsam mit GfK im Rahmen der diesjährigen Wirtschaftsgespräche in Alpbach präsentiert hat, geben in Österreich und Slowenien 72 Prozent und in Kroatien sogar 85 Prozent der Befragten das Internet als primäre Quelle für aktuelle Informationen an. Bei den 15 bis 19-jährigen beziehen bereits 81 Prozent aktuelle Informationen über Facebook. In Slowenien sind es 87 Prozent und in Kroatien sogar 94 Prozent.

Die österreichische Blogger-Szene wird laut Kennern auf rund 5.000 aktive Blogger geschätzt. Neben der Geschwindigkeit bei der Verbreitung von Informationen werden Social Media und Blogs auch Einfluss auf die Politik zugetraut. Insbesondere die Möglichkeit der Mobilisierung für bestimmte Anliegen wird positiv gesehen. In Österreich glauben 58 Prozent der Befragten an diese Möglichkeit.

Slowenische Befragte stimmten zu 60 Prozent zu, Kroaten zu 65 Prozent. Dass die Internet-Nutzung stark wächst, stellt A1 Telekom Austria auch in ihren eigenen Netzen fest: Das transportierte Datenvolumen hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

ÖKONOMIE DES BLOGGENS Die Diskussion der ersten Session zum Thema "The future of digital media" drehte sich um das Verhältnis von Social Media und klassischen Blogs. Der Grazer Blogger Heinz Wittenbrink meinte, dass er bereits aktiver auf Facebook und Twitter ist als auf seinem Blog. Ritchie Pettauer, der Mitveranstalter des World Blogging Forum, meinte dazu, dass Twitter und Facebook wie Fastfood seien, während Bloggen eher wie Home-Cooking sei.

Home-Cooking ist aufwändig und daher wurde die Frage, wie das zu finanzieren sei, sehr emotional diskutiert. Während der französische Star-Blogger Eric Dupin signifikante Werbeeinnahmen mit seinem Blog hat, verdienen die meisten Blogger wenig bis gar nichts mit ihren Blogs. Einig ist man sich aber, dass die Modelle der klassischen Medien nicht auf Blogs übertragbar sind. Auch die Inhalte verändern sich. Robert Harm, Spezialist für Datenvisualisierung und Georg Holzer, Journalist und Blogger, stellten das Thema Open Data vor.

Anhand von maschinenlesbaren Daten der öffentlichen Hand können Blogger und Medien Einblicke etwa in die Budgetflüsse erhalten. Beide halten das für eine wichtige und erstrebenswerte Entwicklung in Richtung transparenter Verwaltung. Leider sehen das heimische Politiker offenbar nicht ganz so, wie sich bei den aktuellen rot/grünen Stadtregierungsverhandlungen einmal mehr gezeigt hat (siehe beispielsweise diesen Beitrag des heimischen Bloggers und Journalistenkollegen Martin Leyrer)

MEHR TRANSPARENZ Die zweite Session widmete sich der politischen Dimension des Bloggens. Onnik Krikorian, der im Kaukasus das Projekt Global Voices koordiniert, berichtete über die Repressionen, die Blogger dort erleben. Der Kroate Marko Rakar sprach über seine Erfahrungen als Kommunikationsberater von Politikern. Domen Savic berichtete vom slowenischen Justizminister, der via Twitter die traditionellen Medien auf Trab hält. Unterhaltsam war der Vortrag über die Social Media Aktivitäten diverser Staatoberhäupter, den Matthias Lüfkens, Associate Director-Media des World Economic Forum, hielt – der übrigens auf seiner Visitenkarte trotz Social Media-Expertise keine "sozialen" Kontaktdaten angibt.

In der dritten Session ging es um die Rollenverteilung zwischen Medien-Konsumenten und -produzenten und um die digitalen Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Kunden. Tunc Kilinc aus der Türkei stellte ein Marketing-Projekt vor, in dem es darum geht, jemandem anonym einen Gefallen zu tun. Luca Sartoni aus Italien zeigte wie Kundenservice via Social Media funktionieren muss: nämlich vor allem schnell. Neue Formen von Online-Shopping kamen ebenso zur Sprache wie Crowdsourcing und neue Finanzierungsmodelle für Projekte. Ein Satz, der nachhaltig in Erinnerung blieb, kam von Livia Lacolare: "Losers are people who never try."

RAUSCHEN IM SOCIAL MEDIA-WALD Klarerweise war das World Blogging Forum nicht nur in den Räumlichkeiten von A1 Telekom Austria präsent. Auch im Netz fand es riesigen Niederschlag: Rund um die Veranstaltung gab es etwa 1.500 Tweets von etwa 300 Personen. Wenn man deren Follower mit einrechnet, entspricht das einer Reichweite von 150.000 Personen. Auf der location based Plattform Foursquare wurde ein "Super Swarm Badge" erreicht und am nächsten Tag fanden sich bereits zahlreiche Blogbeiträge, Fotos und Videos im Netz. Die Diskussion zur Zukunft der digitalen Medien geht weiter. Die Website www.wbf2010.at soll auch nach der Veranstaltung eine Drehscheibe dafür bleiben.

Fotos vom World Blogging Forum Vienna 2010 finden Sie in unseren Seitenclicken. (pi/rnf)

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