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16.11.2010 apa

Facebook setzt auf Universal-Postfach

Mark Zuckerberg, 26, fühlte sich kürzlich auf einmal alt. Der Facebook-Gründer unterhielt sich mit Schülern darüber, wie sie sich im Internet austauschen.

E-Mails, erklärten sie dem Jung-Unternehmer, seien zu langsam und zu förmlich: Adresse raussuchen, Betreffzeile überlegen, Begrüßung schreiben – "all das macht Kommunikation viel komplizierter", erfuhr Zuckerberg.

Als er Neuigkeiten anzukündigen hatte, sollte es daher nicht nur um E-Mails gehen, wie die amerikanischen Technologie-Blogs im Vorfeld spekuliert hatten. Das weltgrößte Online-Netzwerk mit mehr als 500 Millionen Mitgliedern baut sein bisher rein internes Nachrichtensystem zu einem Universal-Postfach aus, das elektronische Post, SMS und Chat "nahtlos" zusammenfasst. "E-Mail ist nur ein Teil davon", wiederholte Zuckerberg bei der Präsentation in San Francisco mal um mal. Das System sei eher wie ein Chat gestaltet, assistierte Chef-Entwickler Andrew Bosworth.

Eine Adresse mit der Endung @facebook.com bekommen Mitglieder durchaus, wenn sie wollen. Diese dient dazu, auch Nutzern außerhalb der Plattform Mails zu schicken. Mit der klassischen elektronischen Post lässt sich das System aber dennoch nicht vergleichen. Es hat weniger Funktionen – und ist gleichzeitig mehr. "Die Funktionen sind so beschränkt, dass die Nutzer, die die Mail-Dienste von Google, Yahoo oder Microsoft verwenden, kaum wechseln werden", schrieb der auf Soziale Netzwerke spezialisierte Gartner-Analyst Ray Valdes in einem Blogpost. Ein Ordner-System, wie es jeder Outlook-Nutzer kennt, suche man beispielsweise vergeblich.

Darum geht es Facebook aber offenbar auch nicht. Das neue Feature zielt nicht auf Büro-Arbeiter, sondern vor allem auf jungen Vertreter der "Generation Internet": Schüler und Studenten, die mit Sozialen Netzwerken und Instant Messaging groß geworden sind und gerne direkt und informell kommunizieren, egal ob am Computer oder über das Smartphone. Das neue, robustere Nachrichtensystem ist damit auch eine Wette auf die Zukunft.

WACHSENDE RIVALITÄT ZU GOOGLE Dass intern dennoch von einem "Gmail-Killer" die Rede war, hat eher mit der wachsenden Rivalität zu Google zu tun, dessen Mail-Dienst in den USA sehr beliebt ist. Die beiden Internet-Riesen konkurrieren um den Online-Werbemarkt – jeder auf seine Art. Google verdient Milliarden, indem es zu Suchanfragen gezielt Werbung einblendet. Facebook setzt dagegen darauf, möglichst viel über seine Nutzer zu wissen, um ihnen personalisierte Werbung zu zeigen. Ob Facebook mit seinen Innovationen Erfolg hat? Die Chancen stehen nicht schlecht: Die Nutzerbasis ist riesig, die Bedienung scheint auf den ersten Blick simpel zu sein, und schon heute verschicken die Mitglieder des Netzwerks vier Milliarden Nachrichten pro Tag.

Doch auch schon Google ist daran gescheitert, die gute alte E-Mail in den Ruhestand zu schicken: Der Suchmaschinen-Primus hatte 2009 angekündigt, mit Google Wave die Online-Kommunikation zu revolutionieren. Den Nutzern war der grundsätzlich sehr nützliche Dienst jedoch zu kompliziert. Im August dieses Jahres stellte Google daher die Entwicklung ein. (apa)

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