Gastkommentar: Vorsicht bei Deep-Links Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


02.12.2010 Clemens Hochsteger*

Gastkommentar: Vorsicht bei Deep-Links

Kann das bloße Setzen eines Links zu einer Verletzung von Urheberrechten führen? Der deutsche Bundesgerichtshof (BGH) bejahte dies in einem Urteil, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Grundsätzlich kann jedes Werk, das im Internet veröffentlicht wurde, verlinkt werden. Der bereits existierende Zugang wird dadurch nur erleichtert. Wer allerdings technische Schutzmaßnahmen anwendet, um beispielsweise nur bestimmten Nutzern den Zugang zum geschützten Werk zu ermöglichen, will die jeweiligen Inhalte auch nur in dieser beschränkten Weise zugänglich machen. Werden derartige Schutzmaßnahmen umgangen, etwa durch das Setzen eines sogenannten Deep-Links, so wird ein Weg zum Werk eröffnet, der sonst nicht bestünde. In dem Fall, den der BGH zu entscheiden hatte, klagte eine Anbieterin von elektronischen Stadtplänen ein Wohnungsunternehmen. Dieses verschaffte den Nutzern seiner Webseite mittels Link einen unmittelbaren Zugang zu einem entsprechenden Kartenausschnitt. Dabei wurde die Startseite der Klägerin unter Verwendung einer programmtechnischen Routine umgangen. Gegen Bezahlung einer Lizenzgebühr sollten kommerzielle oder dauerhafte Nutzer die Kartenausschnitte unmittelbar auf der jeweiligen Unterseite der Klägerin abrufen können. Verbraucher konnten das Angebot unter Verwendung einer Session-ID, welche beim Aufruf der Hauptseite zugeteilt wurde, kostenlos nutzen.

Anders als die vorinstanzlichen Gerichte urteilte der BGH, dass es nicht darauf ankommt, ob die Schutzmaßnahme leicht zu umgehen ist oder nicht. Entscheidend ist allein, dass Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Ausreichend ist also, dass der Wunsch für andere erkennbar ist, den öffentlichen Zugang nur mit Einschränkung zu gestatten.

Diese Voraussetzung sah der BGH mit dem Einsetzen der Session-IDs erfüllt. Die Klägerin verfolgte damit das Ziel, Nutzer ohne Lizenz stets über die Startseite ihrer Webseite zu leiten. Unmittelbare Zugriffe auf die Kartenausschnitte sollten dadurch ausgeschlossen werden. Das beklagte Wohnungsunternehmen hat diese Zwangsumleitung ausgeschaltet und damit die Kartenausschnitte auf einen Weg öffentlich zugänglich gemacht, den die Klägerin ja gerade mittels Verwendung ihrer Sicherungsmaßnahme ausschließen wollte. Es ist daher ratsam sich zu vergewissern, dass mit dem Setzen eines Links keine eingerichteten Zugangsbeschränkungen umgangen werden. Geschieht dies, so kann eine Urheberrechtsverletzung vorliegen.

* Clemens Hochsteger ist Jurist am E-Center (hochsteger@e-center.eu).

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Bewertungen: 5.0 von 5. 2 Stimme(n).
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema


Hosted by:    Security Monitoring by: