Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


09.12.2010 Rudolf Felser

garmz: Catwalk im Internet

Eine weitere alteingesessene Industrie wird durch das Internet wachgerüttelt: Nach den "Dinosauriern" der Musik- und Filmbranche ist nun die Welt der Mode an der Reihe.

Eine ganze Reihe von Startups heizen den großen Labels ein. Sie bieten aufstrebenden Designer-Talenten eine Plattform, eine an Fashion interessierte Community und übernehmen teilweise sogar die logistischen Einzelheiten bis hin zum Verkauf. Eines der vielversprechendsten Unternehmen sitzt (noch) in Wien: garmz. Der Umzug nach London ist aber bereits beschlossene Sache.

Ziel von garmz ist es, zwei lose Enden zu verknüpfen: Auf der einen Seite das große kreative Potenzial von "frei arbeitenden" Fashion-Designern, deren zumeist in Handarbeit hergestellte Einzelstücke sich die wenigsten Modefreunde leisten können. Und auf der anderen Seite den nach frischen, trendigen – aber auch leistbaren – Designs Ausschau haltenden Markt. "Wenn man etwas nicht in Serie produzieren kann wird es zu teuer", sagt Andreas Klinger (Bild), Mit-Gründer von garmz, im Gespräch mit Computerwelt.at. "Bis 200 Stück ist es eine 'Zombie-Zone'. Entweder das Stück wird nicht gekauft, weil es zu teuer ist, oder der Designer macht keinen Profit." Gleich auf eigenes Risiko in Serienproduktion zu gehen kann sich kaum ein junges Talent leisten.

DER ÖKONOMISCHE ASPEKT Hier setzt garmz an. "Du findest Talente und machst deren Ideen anhand ihrer Skizzen zu einem realisierbaren Produkt. Dann lässt du die Kunden entscheiden welche Entwürfe für die Serienproduktion interessant sind", erklärt Klinger. Alle weiteren Arbeitsschritte übernimmt dann garmz: Von der Produktion des Prototypen, der Anfertigung in Serie, bis hin zum Versand an den Kunden. Der Designer erhält fünf Prozent des Verkaufspreises und behält natürlich alle Rechte an seinem Entwurf.

"Du lernst in keiner Modeschule den ökonomischen Aspekt. Das ist ewig schade, denn viele große Designer hatten Partner, die sich um die wirtschaftliche Seite gekümmert haben", so Klinger weiter. Diesen Part will das Wiener Startup-Unternehmen übernehmen. Auch um die eigene wirtschaftliche Seite hat man sich gekümmert. 2008 hat die Arbeit an dem Projekt begonnen. Bis die ersten Hürden genommen waren hat es einige Zeit gedauert. Viele Fragen mussten geklärt werden. Wo fertigt man die Prototypen? Wo nimmt man gutes aber günstiges Material her? Wo geht man in Serie? Nicht zuletzt mussten auch Investoren gefunden werden. Gerade in Österreich keine leichte Aufgabe.

Doch es ist alles gut gegangen und 2010 konnten bereits erste Erfolge verzeichnet werden. Erfolgreiche Präsentationen auf verschiedenen großen Startup-Veranstaltungen und das Erreichen wichtiger Meilensteine mit der Internetplattform kennzeichneten das Jahr für garmz. Im Rahmen der diese Woche stattgefundenen großen Internet-Konferenz "Le Web" wurde – nach einer bereits länger laufenden "Probephase" – der Online-Shop eröffnet. Die ersten Designerstücke können jetzt vorbestellt werden. Die Nachfrage bestimmt, was schließlich in Serie geht.

Das Fachpublikum der "Le Web" traut garmz jedenfalls zu, den Durchbruch zu schaffen: Bei der im Rahmen der Konferenz stattgefundenen Startup-Competition (siehe Video unten) erreichte das junge Team den zweiten Platz beim "Audience Award". (rnf)

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