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20.12.2010 pte

Asien und Europa gehen 2011 die IPv4-Adressen aus

Die für den asiatisch-pazifischen Raum zuständige Regional Internet Registries (RIRs) APNIC hat bekannt gegeben, dass ihr spätestens im vierten Quartal 2011 die IPv4-Adressen ausgehen werden.

Nach Schätzung des APNIC-Chefwissenschaftlers Geoff Huston könnte es bereits im Juni kommenden Jahres so weit sein. "Auch uns werden die IPv4-Adressen wohl im zweiten Halbjahr 2011 ausgehen", meint Axel Pawlik, Geschäftsführer der europäischen RIR RIPE NCC, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur pressetext.

Damit gehen die alten Adressen schneller zuneige, als zu Jahresbeginn erwartet. In seiner Funktion als Chairman der Number Resource Organization (NRO), Koordinierungsstelle der fünf RIRs, war davon ausgegegangen, dass die IPv4-Vorräte bis 2012 vorhalten. Das unterstreicht, wie dringlich die noch etwas schleppend laufende Umsetzung der neuen Standards IPv6 ist.

KLEINE VORRÄTE Nach konservativen Schätzungen werden der APNIC die Adressen bis Ende 2011 ausgehen. Nach anderen Modellen ist Huston zufolge eine Erschöpfung mit September kommenden Jahres wahrscheinlich und bereits im Juni 2011 denkbar. Mit dem nahenden kritischen Datum werden solche Schätzungen immer unsicherer. "Das liegt daran, dass wir nun mit relativ kleinen Zahlen arbeiten. Das ist wie bei einem Pub, das nur noch hundert Flaschen Bier vorrätig hat", erklärt Pawlik. Denn im Normalbetrieb mag das eine Zeit reichen. "Wenn der Stadtsäufer kommt, ist der Vorrat aber schnell weg", meint der NRO-Chairman.

Damit es bei IPv4-Adressen nicht all zu leicht zu bösen Überraschungen kommt, hat beispielsweise RIPE NCC inzwischen die Vergaberegeln angepasst. Großkunden wie ISPs und Telekom-Unternehmen müssen somit öfter Adressen anfragen und bekommen dabei kleinere Brocken. "Wir sehen aber keine Anzeichen für ein Horten von Adressen", betont der RIPE-Geschäftsführer. Hinter allen eingehenden Anfragen von Unternehmen stehe ein klar erkennbarer, realer Bedarf.

UMSETZUNGSDRUCK Experten predigen schon seit Jahren, dass Unternehmen auf den Nachfolgestandard IPv6 umsteigen müssen, um Probleme zu vermeiden. "Wir sehen immer mehr Rollouts, was ein gutes Zeichen ist", sagt der Pawlik. Allerdings ist es noch eine Minderheit unter den IPS und anderen Großunternehmen, die IPv6 wirklich umgesetzt hat. Dabei ist es im Zweifelsfall nur wichtig, nach außen via IPv6 sichtbar zu sein, während die interne Infrastruktur noch mit dem alten Standard arbeiten kann. "Manche werden das aber verschlafen. Das wird sich wohl stärker bemerkbar machen als einst Y2K", so der NRO-Chairman. Wirkliche Sorgen macht er sich aber nicht. "Das Internet wird weiter laufen."

Wie wenige IPv4-Adressen verbleiben, zeigt jedenfalls das japanische INTEC Systems Institute mit einem Online-Counter. Nach dieser Schätzung sind heute nur noch rund 90 Mio. Adressen frei. Der Zähler liefert zudem eine Prognose, wann die den RIRs übergeordnete Internet Assigned Numbers Authority (IANA) den regionalen Vergabestellen die letzten fünf freien Adressblöcke vergeben wird. Dazu dürfte es demnach schon im Februar 2011 kommen. (pte)

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