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Österreich hinkt bei Datenjournalismus hinterher

Geschichten auf Beweisen statt Hinweisen aufbauen und computerunterstützt Muster sichtbar machen, die mit anderen Methoden nur schwer oder gar nicht erkennbar wären: Das ist die Idee hinter dem Datenjournalismus. Und der gibt kräftige Lebenszeichen von sich.

Geschichten auf Beweisen statt Hinweisen aufbauen und computerunterstützt Muster sichtbar machen, die mit anderen Methoden nur schwer oder gar nicht erkennbar wären: Das ist die Idee hinter dem Datenjournalismus. Und der gibt kräftige Lebenszeichen von sich.

© apa

"Es scheint eine kritische Masse erreicht zu sein. In den USA hat praktisch jede Zeitung jemand, der sich um so was kümmert", erklärte der US-amerikanische Investigativ- und Datenjournalismuspionier Steve Doig bei einer Veranstaltung der APA - Austria Presse Agentur und des fjum_forumjournalismus und medienwien gestern, Montagabend, in Wien. Österreich brauche aber noch mehr Leute, die sich in diesem Bereich engagieren.

"Notwendig ist jedenfalls ein ausgeprägtes journalistisches Urteilsvermögen", so der Experte. Denn einerseits könne das Herstellen von bestimmten Zusammenhängen auch missbraucht werden, anderseits gebe es bei durchgesickerten Daten gewisse Instrumentalisierungsversuche. "Grundsätzlich bestehen aber keine großen Unterschiede, wenn man es statt mit Personen mit Daten als Quelle zu tun hat", sagte Doig. Die Einbindung der Öffentlichkeit in die Datenbeschaffung bzw. -auswertung - Stichwort "Bürgerjournalismus" - sei eine gute Idee, hier müsse man aber sehr vorsichtig vorgehen, so der Fachmann, der

1993 den Pulitzerpreis für das Aufdecken eines Bauskandals nach Verwüstungen durch den Hurrikan "Andrew" bekommen hat. Mithilfe von Datenauswertungen wurde damals "eine Geschichte, in der man mit dem Finger auf jemand zeigt, mit Beweisen unterlegt", erklärte Doig.

Er selbst habe sich die notwendigen Mathematik-Kenntnisse durch ein "schmerzhaftes Eigenstudium" erworben. "Es geht zwar nicht um hohe Mathematik, aber Statistik sollte man schon beherrschen", so der Professor. Auch Zahlenfriedhöfe seien nicht das Thema: "Eine Geschichte, die nur aus Daten besteht, ist keine gute Geschichte", sagte Doig unter Verweis auf Einkommensdatenbanken. Vielmehr gehe es um den Kontext und eine entsprechende Sensibilität. Können wir damit Geld verdienen? "Sagen wir so: 'Das macht uns alle reich', wird es nicht spielen. Aber es gibt gute Gründe für Datenjournalismus", zeigte sich Doig im Gespräch mit APA-Chefredakteur Michael Lang überzeugt. Er sieht die Medienbranche

- und hier vor allem die Verleger - gefordert: "Jetzt muss man mutig sein, investieren und auch Rückschläge in Kauf nehmen." Doig warnt aber auch vor zu großer Euphorie: "Datenjournalismus ist eine neue Art, Geschichten zu machen. Es ist ein weiteres Werkzeug für eine weitere Quelle und keine Zauberei."

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