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Aufschwung macht Fachkräfte noch seltener

Laut dem Global Skills Index von Hays hat sich 2013 die wirtschaftliche Lage in vielen Regionen der Welt nach fünf gebeutelten Jahren wieder leicht erholt. Das hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, der Fachkräftemangel wird dadurch noch größer.

Hays CEO Alistair Cox warnt im COMPUTERWELT-Interview vor einem größeren Fachkräftemangel durch den wirtschaftlichen Aufschwung.

Hays CEO Alistair Cox warnt im COMPUTERWELT-Interview vor einem größeren Fachkräftemangel durch den wirtschaftlichen Aufschwung.

© Hays

Im Global Skills Index des Personaldienstleisters Hays werden die Arbeitsmärkte verschiedener Länder in einer Skala von 0 bis 10 eingeordnet. Österreich hat es 2013 mit einer Bewertung von 5.0 ins Mittelfeld geschafft. Die COMPUTERWELT hat mit Hays-CEO Alistair Cox über die Ergebnisse des Reports gesprochen.

Ende 2013 hat Hays zum bereits zweiten Mal den Global Skills Index vorgestellt. Was sind Ihrer Ansicht nach die interessantesten Ergebnisse?
Alistair Cox: Wir haben 30 Länder auf der ganzen Welt untersucht. Aus wirtschaftlicher Hinsicht scheint sich die Situation in den meisten dieser Länder leicht aber nachhaltig zu verbessern, das haben wir ganz klar gesehen. Es gab schließlich fünf wirtschaftlich sehr schwere Jahre und das hat natürlich Konsequenzen auf die Unternehmen und den Arbeitsmarkt. Das ist eine gute Sache. Allerdings haben auch 18 der 30 Länder ein immer größeres Ungleichgewicht zwischen den Skills, die sie in ihrem Land vorfinden, und den Skills, die sie tatsächlich benötigen würden.

Fachkräftemangel ist aber kein wirklich neues Problem.
Der Fachkräftemangel im eigenen Land wird durch den wirtschaftlichen Aufschwung noch signifikanter. Je mehr sich der Arbeitsmarkt erholt, desto größer wird dieses Ungleichgewicht, weil Unternehmen sich wieder trauen, mehr Menschen einzustellen, sie aber niemand mit den gesuchten Skills finden können.
Das Problem ist, dass solche Ungleichgewichte zwischen benötigten und verfügbaren Skills nur durch langfristige Ausbildungsinitiativen abgefedert werden können. Das hätte allerdings schon vor Jahren passieren müssen. Manche Länder sind zwar sehr bemüht, ausländische Fachkräfte ins Land zu holen und ändern dafür ihre Migrationspolitik signifikant, andere Länder sind da sehr restriktiv und bekommen dringend benötigte Skills auch nicht ins Land. In den meisten Ländern sind die gesuchten Skills auch relativ ähnlich, es geht fast immer um Engineering oder technische Berufe. Das Gleiche gilt aber für die IT-Branche. Die Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften für alle möglichen Bereiche allen voran App-Entwickler und Spezialisten für SAP oder andere große Systeme, können sie aber nicht finden. Auch im Bereich Cybersecurity werden immer mehr Leute gesucht.

Der Global Skills Index analysiert insgesamt sieben Einflussfaktoren, die für den Arbeitsmarkt relevant sind. Österreich hat bei einer Gesamtnote von 5.0 im Segment Arbeitsmarktflexibilität nur 3,9 Punkte. Woran liegt das?
Der Arbeitsmarkt in Österreich könnte deutlich flexibler sein, es ist in Österreich auch noch nicht üblich, für eine Arbeitsstelle das Bundesland zu wechseln. Insgesamt steht Österreich gerade was das Thema "Talent Mismatch" betrifft, relativ gut da, besser als Deutschland oder mein Heimatland England. Der Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften ist in Österreich nicht so hoch wie in diesen Ländern. Der Gehaltsdruck könnte aber für Österreich interessant sein, vor allem in der IT-Branche. Wenn ausländische Unternehmen deutlich mehr zahlen als österreichische, werden auch mehr Österreicher bereit sein, für ihren Arbeitsplatz umzuziehen.
Man muss hier auch sehen, dass Österreich ein kleines Land ist, das an einige Länder grenzt, die deutlich niedrigere Löhne zahlen. Dadurch ist der Druck auf die heimischen Unternehmen nicht so groß. Das wird sich aber ändern. Umgekehrt sind auch nicht so viele Fachkräfte aus dem Osten nach Westen gegangen, wie es nach der EU-Osterweiterung erwartet wurde.

Österreich orientiert sich sehr oft an Deutschland. Was sind die konkreten Unterschiede zwischen diesen beiden Ländern wenn es um den Arbeitsmarkt geht?
Deutschland hat vor einigen Jahren eine Art Greencard für technische Fachkräfte eingeführt und hat es so sehr einfach gemacht, diese Fachkräfte ins Land zu holen. Insgesamt ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland aber höher als in Österreich, in einigen Teilen sogar signifikant. Für Deutsche ist Österreich als Arbeitsmarkt immer attraktiver geworden, das liegt auch an der gemeinsamen Sprache und der geografischen Nähe. Deutschland hat jedoch ein exzellentes Praktikanten-System, das jungen Menschen den Einstieg in die Arbeitswelt stark erleichtert.

Wie sollte das perfekte Schulsystem aussehen um den idealen Arbeitsmarkt zu generieren?
In Großbritannien gibt es gerade eine große Diskussion um das Bildungssystem, nicht zuletzt weil das Land in der PISA-Studie beim Thema Lesen auf den 26. Platz zurückgefallen ist. Viele Aspekte, die für den Arbeitsmarkt wichtig sind, werden durch PISA aber gart nicht gemessen. Wir haben in einer Studie erfahren, dass Work-Life-Balance mittlerweile zum wichtigsten Kriterium für junge Arbeitnehmer geworden ist. Das Gehalt war in dieser Studie nur der viertwichtigste Aspekt. Neben den technischen Fähigkeiten benötigen Fachkräfte heute auch Kommunikations-Skills, Teamfähigkeit und Soft Skills. Das wird auch immer wichtiger.
Es bringt nichts, ein brillanter Wissenschaftler zu sein, wenn man seine Thesen nicht vermitteln kann und sich nicht verständigen kann. Ich denke aber, dass besonders Mathematik und Lese/Schreibekompetenz in den Schulen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Hier wird das Niveau immer niedriger. Ich habe mit einem Lehrer gesprochen, der gemeint hat, dass ein Wort nicht richtig geschrieben werden muss, solange der Sinn verständlich ist. Ich bin ganz und gar nicht dieser Ansicht.

Das Gespräch führte Alex Wolschann.

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