Digitalisierung der Telko-Geschäftsmodelle unvermeidbar Digitalisierung der Telko-Geschäftsmodelle unvermeidbar - Computerwelt

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22.02.2014 Rudolf Felser

Digitalisierung der Telko-Geschäftsmodelle unvermeidbar

Umsatz und Margen der Telekomindustrie schwinden dahin, das Marktvolumen droht zu sinken. Laut der Strategieberatung Booz & Company sollen Digitalisierungsstrategien das Ruder noch herumreißen.

Digitalisierung oder Fusionen - diese Wahl bleibt Telkos laut Booz & Company.

Digitalisierung oder Fusionen - diese Wahl bleibt Telkos laut Booz & Company.

© Poles - Fotolia.com

In der europäischen Telekommunikationsindustrie bestehe nach wie vor großer Handlungsbedarf, schreibt Booz & Company: Zum einen sei der Regulierungsdruck noch immer sehr hoch, zum anderen durchlaufe der Industriesektor einen fundamentalen Technologiewandel. So reduzierten sich im deutschen Markt die Terminierungsentgelte zwischen 2007 und 2013 durch die Regulierung der Bundesnetzagentur und der EU-Behörden um 18 Prozent pro Jahr, in Österreich sanken sie seit 2009 gar um mehr als 80 Prozent. Dazu erfordert der Technologiewandel immense Investitionen in die Infrastruktur und in Spektrumslizenzen. Gleichzeitig treten neue, aggressivere Wettbewerber aus dem Software- und Internetumfeld in den Markt ein. Anbieter wie die Microsofttochter Skype, der Cloudservice Dropbox oder das gerade von Facebook gekaufte WhatsApp drängen mit kostenlosen Angeboten für Sprach- und Datentransfer in die angestammten Domänen der Telekomunternehmen und belasten damit deren ehemals margenstarke Sprach- und SMS-Angebote.
 
Kein Wunder also, dass das Marktvolumen für Telekommunikationsdienstleistungen in Europa zwischen 2011 und 2015 jährlich um voraussichtlich 0,8 Prozent abzunehmen droht – während es im gleichen Zeitraum im Mittleren Osten und Afrika um jährlich 6,5 Prozent, in Lateinamerika und Asien um 3,5 Prozent und in Nordamerika immerhin noch um 1,1 Prozent wachsen wird. Vor diesem Hintergrund bieten sich den Netzbetreibern Booz & Company zufolge zwei strategische Optionen: Zum einen die konsequente digitale Transformation des eigenen Geschäftsmodells mit kundenorientierten digitalen Produktinnovationen. Zum anderen die weitere Marktkonsolidierung durch Übernahmen und Fusionen, um Skaleneffekte bei Investitionen in Infrastruktur und dem Betrieb der Netze zu heben. Das sind die zentralen Ergebnisse der aktuellen Analyse "Digitization and Consolidation  The Telco Trends for 2014" der internationalen Strategieberatung Booz & Company, die im Vorfeld des GSMA Mobile World Congress 2014 vorgestellt wurde.
 
DIGITALE DIENSTLEISTUNGEN
Derzeit setzt sich in immer mehr Branchen und ehemals analogen Industriezweigen die Erkenntnis durch, dass nur die konsequente Digitalisierung aller Geschäftsprozesse und die Ermöglichung von digitalen Produkten und Dienstleistungen über alle Vertriebskanäle hinweg die Zukunft eines Unternehmens sichern können. "Vor diesem Hintergrund mutet es fast schon ironisch an, dass ausgerechnet die Telekommunikationsindustrie, die durch ihre Infrastruktur das Rückgrat der Digitalisierung bildet, sich so schwer damit tut, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, um von den neuen strategischen Markterfordernissen profitieren zu können", so Klaus Hölbling, Partner und Telekommunikationsexperte bei Booz & Company in Wien. Schließlich bauen und besitzen die Netzbetreiber immer noch die Festnetz- und Mobilfunk-Netzwerkinfrastruktur, die für das explodierende Datenvolumen ausgelegt und erweitert werden muss. Die Anbieter investieren dazu jährlich in Österreich mehr als 500 Millionen Euro, in Deutschland bis zu 7 Milliarden Euro. Trotzdem bleibt den Netzbetreibern bei Marktinnovationen meist nur die Rolle des Infrastruktur- und Kooperationspartners von schnellen, neuen Anbietern. Telekomanbieter sollten diese Anwendungen ermöglichen und dadurch an der Wertschöpfung partizipieren.
 
Auch gegenwärtig sichern sich Spotify, Netflix, Amazon oder Google und seine neue Tochter Nest mit differenzierenden Angeboten und Inhalten zunehmend die stark wachsenden Teile der digitalen Wertschöpfungskette. Dabei besitzen die Netzbetreiber alle wichtigen Voraussetzungen, um vor allem im B2C-Bereich vom zunehmend digitalen und mobilen Lebensstil der Kunden zu profitieren. "Schon heute zeichnet sich deutlich ab, dass der Handel künftig über die gesamte Customer Journey hinweg, sowohl in Offline- wie in Onlinekanälen maßgeblich mobil funktionieren wird. Hier sind die Netzbetreiber strukturell optimal aufgestellt, um sowohl den Omni-Channel-Trend als auch die Notwendigkeit zur weiteren Personalisierung des Einkaufserlebnisses durch Big Data-Anwendungen sowohl für Endkunden mit eigenen Angeboten oder als Enabler für Industriekunden optimal zu bedienen", so Hölbling. Dabei eröffnet sich neben den konventionellen Telekom-Dienstleistungen von Online-Spielen über Bezahlsystemen bis hin zum vernetzten Fahren und E-Health-Anwendungen eine Bandbreite an neuen digitalen Diensten, für deren Marktetablierung die Netzbetreiber optimal positioniert sind.
 
Die Analyse zeigt aber auch, dass die Branche neben der Erschließung dieser Umsatzpotenziale durch die explodierenden Datenvolumina auch ganz strukturelle Herausforderungen zu lösen hat. "Das Telekommunikations-Geschäft beruht auf weitgehend flächendeckenden Infrastrukturen, die skaleneffizient zu bedienen sind. Eine weitere Marktkonsolidierung ist daher überfällig. Die stabilen Cashflows und die hohe Bandbreite der Kabel- und Mobilfunk-Netzbetreiber macht sie zu optimalen Treibern auf der sich verschärfenden Jagd nach wirtschaftlichen und technologischen Skaleneffekten. Viele Netzbetreiber wagen sich sogar in benachbarte Geschäftsfelder, die höhere Wachstumsraten versprechen.  Wichtig für den Erfolg der Konsolidierer ist nur, dass die M&A-Strategie von einer dedizierten Digitalisierungsstrategie flankiert wird. Sonst bleiben die Erfolge in den aktuellen Übernahmeschlachten nur kurzfristige Pyrrhussiege", so das Fazit von Hölbling. (pi)

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