"Wir wollen in einer frühen Phase helfen" "Wir wollen in einer frühen Phase helfen" - Computerwelt

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10.10.2014 Alex Wolschann

"Wir wollen in einer frühen Phase helfen"

Gerold Weiß ist Vorstand des akademischen Startup-Netzwerks akostart, das jungen Unternehmen vor allem in der sogenannten "seed-Phase" helfen will.

Gerold Weiß, akostart

Gerold Weiß, akostart

© akostart

Gerold Weiß ist seit 2007 auf der FH Oberösterreich in Wels für Firmengründungen zuständig und auch in der Lehre tätig, unter anderem in Hagenberg. Um das Thema der Startups auch hochschulübergreifend zu gestaltet, hat Weiß den Verein akostart ins Leben gerufen, der Absolventen dabei unterstützen soll, den steinigen Weg von einer guten Idee ins erfolgreiche Berufsleben zu gehen. Im exklusiven Gespräch mit der COMPUTERWELT hat Weiß die Startups-Szene in Oberösterreich analysiert und einen Einblick in sein Leben mit den Jungunternehmern gegeben, mit denen er sich seit nunmehr fast 15 Jahren beschäftigt.

Wo setzt akostart bei der Begleitung der Startups an?
Gerold Weiß:
Wir wollen mit akostart in erster Linie in einer sehr frühen Phase helfen, wo andere Institutionen noch nicht ansetzen weil sie auch den direkten Zugang zu den universitären Projekten nicht haben. Das war auch von Anfang an unser Ansatz, wir begleiten Jungunternehmern auch schon, wenn sie sich noch im universitären Umfeld befinden.

Alle von akostart betreuten Unternehmen kommen also aus dem universitären Umfeld?
Ja, das würde ich zu 99 Prozent schon so sagen, wobei wir uns natürlich nicht wehren, ein gutes Projekt zu unterstützen, das nicht aus diesem Bereich kommt. Akostart versteht sich schon in erster Linie als Hochschulplattform.

Wie hoch ist der Anteil der IKT-Unternehmen unter den Startups?
Der Anteil der IT-Unternehmen ist bei uns sehr hoch, ich würde sagen über 90 Prozent.

Wie beurteilen Sie das Umfeld, das Startups in Oberösterreich vorfinden?
Ich bin seit 15 Jahren mit diesem Thema beschäftigt, da hat sich schon sehr viel getan. Vor allem in den letzten zwei bis drei Jahren ist unglaublich viel passiert, nicht nur in Oberösterreich. Es gibt unterschiedliche Unterstützungseinrichtungen, die sich sehr positiv entwickelt haben. Es könnte natürlich immer besser sein, aber ich bin mit dem Umfeld in Oberösterreich im Grunde sehr zufrieden, vor allem was die fachliche Ebene betrifft. Bei der finanziellen Ebene gäbe es noch deutlich mehr zu tun. Das betrifft vor allem die Frühe Phase der Unternehmensgründung, da ist fast überhaupt kein Geld als Risikokapital da, das gilt aber für ganz Österreich. Natürlich muss man auch sagen, dass gerade diese Phase sehr heikel und für Unterstützer riskant ist, weil man noch nicht genau absehen kann, ob ein Projekt erfolgreich am Markt reüssieren kann oder nicht.
Vom fachlichen Knowhow und von den Institutionen sind wir in Oberösterreich aber sicher bundesweit am besten aufgestellt, weil wir eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen den Institutionen pflegen.

Welche Rolle spielt denn hier der IT-Cluster Oberösterreich oder Hagenberg?
Hagenberg spielt eine große Rolle, weil auch sehr viele Unternehmsgründungen aus diesem Umfeld entstehen oder am Campus zu Hause sind. Der IT-Cluster ist noch relativ jung, wir sind aber in sehr gutem Kontakt mit dem Team rund um Robert Stubenrauch und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in den nächsten Jahren eine sehr enge Kooperation haben werden.

Wie ist es denn um die Infrastruktur im Land bestellt, Stichwort Breitbandausbau oder Büroflächen?
Büroflächen gibt es in Oberösterreich etwa sehr viele, mittlerweile auch Coworking Spaces. Da bin ich sehr zufrieden. Auch hier ist Hagenberg wichtig. Die Breitbandversorgung könnte besser sein, aber das gilt für ganz Österreich. Die Breitbandinitiative beginnt erst jetzt, richtig zu greifen. Internet ist aber inzwischen eine Ressource, die unverzichtbar geworden ist.

Können Sie eine Erfolgsbeispiele für IT-Startups in Oberösterreich nennen, Runtastic ist ja das bekannteste der jüngeren Vergangenheit?
Runtastic ist hier sicher eine Ausnahmeerscheinung. Wenn wir in Österreich jedes Jahr ein solches Beispiel hätten, wäre das ein Traum. Da hat einfach alles gepasst, angefangen vom Team über das Timing zum Produkt. Ich freue mich auch, dass ich hier in der Anfangsphase unterstützen konnte. Es gibt aber auch anderer Beispiele wie das Startup Bissanzeiger, das momentan sehr gut unterwegs ist. Das Unternehmen hat eine App und eine Plattform für Angler entwickelt. Das ist ein Riesenmarkt, das mag man gar nicht glauben.

Sind die meisten IT-Startups App-Entwickler?
Es gab da vor Jahren, als die verschiedenen Appstores aufgemacht wurden eine Art Goldgräberstimmung. Das ist aber mittlerweile etwas abgeflacht, weil man darauf gekommen ist, das allein mit dem Verkauf der App kaum Geld zu verdienen ist, zumindest nicht für die Entwickler. Unternehmen wie Bissanzeiger aber auch bizzify haben es geschafft, den Kunden Mehrwert anzubieten. Letztgenanntes Projekt ist ein Managementtool für Kongresse und Veranstaltungen im Business-Umfeld. Die App stellt Teilnehmern eine mobile Lösung bereit, die sowohl das Business Networking unterstütz als auch die Produktivität der Teilnehmer steigert. Mit bizzify lassen sich Firmentagungen und interne Meetings abwickeln. Heutzutage setzten sich nur noch App-Entwickler durch, die wirklich ein nachhaltiges und langfristiges Geschäftsmodell haben.

Haben die alteingesessenen Unternehmen im Land das Potenzial der Startups erkannt?
Leider noch nicht wirklich, so ehrlich muss man sein. Durch das Thema Industrie 4.0 gibt es aber Chancen für die Zukunft. Unternehmen wie KTM oder Voest Alpine haben sich auch schon dazu bekannt und sind offen für neue Ideen. Die Strukturen sind aber noch zu starr, das Potential wird einfach noch nicht erkannt.
Veranstaltungen wie das Pioneers Festival oder die Plattform Austrian Startups helfen hier natürlich auch enorm. Beim Pioneers Festival waren 4.000 Startups und inzwischen werden auch immer öffentliche Institutionen und politische Entscheidungsträger darauf aufmerksam. Angefangen hat das mit 30 Leuten. Es ist schon gewaltig, was gier erreicht wurde. Auch Puls 4 hat mit der Sendung 2 Minuten 2 Millionen diesen Gedanken aufgegriffen. Das Thema Startup wird dadurch auch in der Öffentlichkeit immer mehr wahrgeworden.

Ist die Förderung von Startups eher ein Bundes- oder Landesthema?
Die Förderinstitutionen der öffentlichen Hand sind im Großen und Ganzen noch sehr zentralistisch organisiert. Auf der i2-Börse vom aws sind etwa 200 Business Angels gelistet, wie viele dann tatsächlich investieren, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Wir haben aber eine Förderung vom Land Oberösterreich bekommen und können uns jetzt immerhin 1,5 Vollzeitmitarbeite leisten. Bis jetzt waren alle ehrenamtlich tätig. Förderungen sollen auch in Länderhoheit gehen, weil man auf Landesebene einfach einen besseren Einblick in die Projekte hat. Wir betreuen mit akostart gegenwärtig über 30 Projekte.

Das Gespräch führte Alex Wolschann.

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