Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


27.02.2015 :: Printausgabe 3/2015 :: Oliver Weiss

"Österreich hinkt IT-mäßig hinterher"

Laut Robert Absenger, Geschäftsführer des Bechtle IT-Systemhauses Österreich, investieren mittelständische Unternehmen in Österreich zu wenig in ihre Zukunft, sprich in eine moderne IT. Vielfach fehlt der Wille, zu investieren.

Robert Absenger, Geschäftsführer Bechtle IT Systemhaus Österreich

Robert Absenger, Geschäftsführer Bechtle IT Systemhaus Österreich

© Bechtle IT Systemhaus Österreich

Die Bechtle Gruppe umfasst 65 IT-Systemhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz und beschäftigt über 6.500 Mitarbeiter. Seit Herbst 2013 ist die Gruppe als Bechtle IT Systemhaus Österreich – entstanden durch die Fusion von HTH, Sitexs-Databusiness und Bechtle – auch hierzulande aktiv. Im Gespräch mit der COMPUTERWELT erklärt Geschäftsführer Robert Absenger, wie er den Umsatz bis 2020 verdoppeln will und warum der heimische Mittelstand IT-mäßig nachhinkt.

Was sind die großen Stärken von Bechtle Österreich?
Robert Absenger:
Auf jeden Fall der tolle Konzern im Rücken, der eine Top-Infrastruktur für unsere Organisation in Österreich bereitstellt. Wir haben 1.200 Leute in der Bechtle-Zentrale in Deutschland, die nur dazu da sind, täglich in Österreich und bei den deutschen Systemhäusern der Bechtle Gruppe anzurufen und zu fragen, was gebraucht wird, damit man das Geschäft weiterbringen kann. Darüber hinaus verfügt Bechtle über 14 Competence Center, die die Systemhäuser inhaltlich unterstützen.

Welche Competence Center gibt es da?
Zum Beispiel eines für Virtualisierung. Diese Competence Center verfügen über top-zertifizierte Teams, auf die wir auch für Projekte in Österreich zugreifen können und die auch Schulungen anbieten oder Zertifizierungen im Namen der Hersteller abnehmen.

Gibt es in Österreich auch ein solches Competence Center?
Ja, im Bereich Backup-Lösungen in Zusammenarbeit mit CommVault. Wir sind in Österreich der stärkste CommVault-Partner und berechtigt, First Level Support im Namen von CommVault durchzuführen. In diesem Bereich schulen wir auch deutsche Kollegen und stehen für Projekte in Deutschland zur Verfügung. Ein zweites österreichisches Competence Center gibt es im Bereich Security. Das ist allerdings redundant – das gibt es auch in Deutschland.

Dass es für Security in Deutschland und Österreich ein eigenes Competence Center gibt, zeigt, wie wichtig Security geworden ist.
Absolut. Security ist seit Snowden ein boomendes Geschäft und in Wahrheit oft ein Türöffner für neue Projekte. Wir bieten in diesem Bereich auch Security Checks und Security Auditierungen an und haben bei vielen Kunden Verträge, in deren Rahmen wir beispielsweise ein Mal im Quartal eine Auditierung durchführen.

Wie ist Bechtle Österreich aufgestellt?
Wir beschäftigen in Österreich in Summe 130 Mitarbeiter, davon etwa 70 zertifizierte Consultants in verschiedenen Bereichen wie beispielsweise Virtualisierung. Wir sind derzeit an fünf Standorten tätig – Wien, St. Pölten, Graz, Innsbruck, Vorarlberg – und versuchen für unsere Kunden am österreichischen Markt flächendeckend vertreten zu sein. Es ist wichtig, vor Ort zu sein, denn viele unserer Kunden haben auch Filialorganisationen und wollen auch in Vorarlberg den gleichen Ansprechpartner für ihre IT-Belange. Daher wollen wir uns auch in der einen oder anderen Region noch verstärken.

Das heißt, Bechtle Österreich sucht Mitarbeiter.
Ja. Wir haben das erste Jahr als Teil der Bechtle Gruppe mit einem Gesamtumsatz von rund 41 Millionen Euro abgeschlossen. Bis 2020 wollen wir 200 Mitarbeiter haben und einen Umsatz von 80 Millionen Euro erreichen. Dieses Wachstum wird zum Großteil organisch passieren aber vielleicht übernehmen wir auch noch das eine oder andere kleinere regionale Systemhaus. Wir haben da durchaus den Auftrag aus Deutschland, uns in Österreich nach zehn bis zwanzig Mann starken Organisationen umzuschauen, die zu unserem Portfolio passen.

Was sind inhaltlich die großen Themen bei Bechtle?
Die gesamte IT-Infrastruktur. Wir wollen unseren Kunden von PC und Drucker über Server und Storage bis zu Software Consulting bzw. Managed Services alles bieten können, was sie brauchen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch partielles Outsourcing. Ein Kunde hat zum Beispiel eine eigene, kleinere IT-Organisation und wir stellen die ergänzende IT-Mannschaft. Mit sehr individuellen SLAs dahinter und vor allem immer mit den gleichen Mitarbeitern beim gleichen Kunden.

Betreibt Bechtle auch Rechenzentren?
Ja. Bechtle verfügt über ein Cloud-Rechenzentrum in Friedrichshafen, das auch für unsere österreichischen Kunden Services bereitstellt. Zusätzlich haben wir einen Partner-Vertrag mit einem österreichischen Rechenzentrum, über das wir Housing- bzw. Cloud-Lösungen anbieten.

Wer ist dieser Partner?
Das ist ACSN Infotech aus Ried. Kunden, die bei uns Managed Services beziehen, können sich aussuchen, ob das in Ried oder in Friedrichshafen laufen soll. Wir versuchen da aber gar nicht, mit den ganz großen Playern mitzuhalten, sondern gehen mehr Richtung individuelle Lösungen. Der Vorteil für unsere Kunden ist dabei, dass wir den Support für Cloud-Systeme mit den gleichen Mitarbeitern zur Verfügung stellen, die jetzt schon beim Kunden arbeiten. Das heißt, unsere Mitarbeiter, die jetzt vor Ort beim Kunden sind, würden dann, wenn der Kunde in ein Rechenzentrum von uns kommt, auch dort weiterhin den Kunden betreuen. Das ist oft ein großer Wunsch. Viele Kunden sagen: Ich kenne deine Leute und die kennen meine Besonderheiten und wenn das weiter so bleibt, dann wären auch Cloud Services eine Möglichkeit für die Zukunft.

Welche Wünsche haben Bechtle-Kunden derzeit sonst noch?
Es ist derzeit wieder stark gefragt, dass alles aus einer Hand kommt. Unternehmen wollen eine gesamtheitliche Betreuung und merken, dass sie das Koordinieren von zwei, drei, vier IT-Partnern sehr viel Kraft kostet und, dass es oft ungeklärte Themen gibt.

Wie wirkt sich das auf die Strategie von Bechtle aus?
Wir versuchen immer mehr, uns in Vertrieb und Service als Business-Architekten aufzustellen und nicht als klassische Verkäufer. Wir wollen gemeinsam mit dem Kunden Strategien entwickeln, uns mehr als Berater positionieren und nicht immer gleich automatisch übers Verkaufen nachdenken. Wir streben langfristige Partnerschaften an – es soll ein langfristiges Vertrauensverhältnis entstehen.

Stichwort Vertrauen. Wie sieht es mit der Nachfrage bei Cloud Services aus?
Cloud löst in Österreich bei vielen Kunden Skepsis aus. Ich wehre mich daher dagegen, zu einem Kunden zu gehen und gleich von Cloud zu sprechen. Ich will zuerst einmal die Bedürfnisse des Kunden verstehen. Natürlich kann eine Cloud-Lösung die beste Lösung sein. Man muss die Kunden eben beraten und wenn es relevant ist, dann auch Cloud ansprechen.

In welchen anderen Bereichen sehen Sie Wachstumschancen?
Es geht nach wie vor sehr stark um traditionelle Themen. Storage und Backup zum Beispiel. Darüber hinaus sehen wir nach wie vor gute Wachstumschancen im Virtualisierungsumfeld und in diesem Zusammenhang spielt auch das Thema Mobile Device Management eine immer wichtigere Rolle.

Wie sieht es da bei euren Kunden in Österreich aus? Alle reden von Mobility, aber wer betreibt tatsächlich schon effiziente mobile Prozesse?
Sehr wenige unserer Kunden. Da gibt es ein Riesenpotential. Alle reden davon aber wenige nehmen dann wirklich Geld in die Hand und investieren. Das ist generell ein Problem im heimischen Mittelstand. Wenn man ein bisschen tiefer in die IT-Organisationen hineinschaut, dann muss man feststellen: Österreich hinkt IT-mäßig im Mittelstand wirklich nach. Das hängt auch von der Entscheidungsfindung in den Unternehmen ab. Oft sind die Unternehmen eigentümergetrieben, sehr sparsam organisiert und investieren zu wenig in die Zukunft. Es gibt zum Beispiel sehr viele alte Server im Feld, die langsam sind und nicht besonders stabil laufen. Und das, obwohl es in vielen Fällen günstiger wäre, ein neues, weniger wartungsintensives System anzuschaffen. Das rechnen wir auch vor, aber es fehlt halt oft der Wille zur Investition. Man schaut zu wenig in die Zukunft. Es funktioniert ja eh.

Das Gespräch führte Oliver Weiss.


Robert Absenger
Robert Absenger ist seit Herbst 2013 Geschäftsführer des Bechtle IT Systemhauses Österreich. Vor Bechtle war der gebürtige Grazer – nach Funktionen in Marketing und Vertrieb bei Philips Data Systems sowie als Vertriebsleiter des Geschäftsbereichs Infrastruktur von Data Systems Austria AG – als Geschäftsführer von Databusiness GesmbH bzw. Sitexs-Databusiness IT-Solution tätig.

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