"Überkritische Neidkultur in Österreich" "Überkritische Neidkultur in Österreich" - Computerwelt

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20.11.2015 Rudolf Felser

"Überkritische Neidkultur in Österreich"

Martin Pansy, Chef des erfolgreichen Startups Nuki und zugleich Managing Director des Company Builders Up to Eleven, spricht im Interview über die österreichische Startup-Szene und gibt Tipps für's Crowdfunding. Seine Erfolgsformel: "Interessantes Produkt + internationales Denken".

Martin Pansy, Geschäftsführer von Up to Eleven

Martin Pansy, Geschäftsführer von Up to Eleven

© Up to Eleven

Nuki, ein intelligentes Türschloss mit permanenter Internetverbindung, ist eines der erfolgreichsten österreichischen Crowdfunding-Projekte. 2.038 Unterstützer haben insgesamt 385.524 Euro beigetragen und damit vergangenen Mai das ursprüngliche Finanzierungsziel von 125.000 Euro deutlich übertroffen. Aktuell wird das ursprüngliche Design des "Smartlock" entdprechend dem Feedback aus der Community überarbeitet und verbessert.

Hinter Nuki steht der aus der SMS-Plattform sms.at hervorgegangene steirische Company Builder Up to Eleven, der von Nuki-Chef Martin Pansy, zugleich Managing Director von Up to Eleven, und seinem Bruder Jürgen gegründet wurde. Im Interview mit Computerwelt.at gibt Martin Pansy anderen Startups Crowdfunding-Tipps.

Nuki ist ja bis jetzt das erfolgreichste Crowdfunding-Projekt Österreichs. Haben Sie damit gerechnet?

Martin Pansy: Wir hatten schon vor dem Start ein gutes Bauchgefühl, weil wir einfach gemerkt haben, dass sich die "Story" hinter Nuki sehr gut verbreitet, trotzdem konnten wir mit diesem Erfolg nicht rechnen. Dass wir damit auch in Österreich eines der erfolgreichsten Projekte sind, freut uns. Wir orientieren uns aber generell international.  

Worauf führen Sie den Erfolg zurück? War es das richtige Produkt zur richtigen Zeit, besonders gutes Marketing oder war es etwas anderes?

Ich denke, es ist die Kombination aus vielen Faktoren, woraus sich ein sehr gutes Gesamtpaket ergibt. Sicherlich essentiell ist, dass wir mit Nuki ein Problem - nämlich das Tragen, Besitzen und Vergessen von Schlüsseln - adressieren, das auf beinahe jeden in der Bevölkerung zutrifft.

Was würden Sie einem heimischen Startup raten, das sich Gedanken macht ebenfalls eine Crowdfunding-Kampagne zu starten? Worauf sollte man dabei achten?

Ein gutes und für eine breite Zielgruppe interessantes Produkt zu haben und von Start weg international zu denken. Ist das vorhanden, sollte man sich nur mehr an anderen Success-Cases orientieren.

Wird es unter der Marke Nuki künftig weitere Smart-Home-Produkte geben? Haben Sie vielleicht schon die eine oder andere Idee im Hinterkopf?

Wir haben natürlich unsere Pläne, zum jetzigen Zeitpunkt wäre es aber noch zu früh, diese auszusprechen. Soviel sei gesagt - es gibt noch mehrere Türen, die durch Nuki oder unsere Technologien "smart" gemacht werden könnten.

Würden sie dieses Produkt auch über einer Crowdfunding-Plattform finanzieren?

Das würden wir vor Markteinführung des Produkts im Zuge des Marketingplans situativ entscheiden.

Sie kennen die österreichische Startup- und Web-Szene ja ziemlich gut. Hat sich die Lage für frische Ideen und Unternehmensgründer in diesem Bereich in Österreich in den letzten Jahren positiv verändert?

Die Lage hat sich auf jeden Fall positiv verändert. Das Thema "Startups" stößt aktuell von vielen Seiten auf positiven Rückenwind und wie man in 2015 gesehen hat, gibt es auch internationale Vorzeigebeispiele aus Österreich. Es ist eine zarte Pflanze am Wachsen und dabei sollte man ihr auch die nötige Zeit geben.

Was sollte sich Ihrer Meinung nach noch ändern, um es Startups in Österreichern leichter zu machen, mit ihren Ideen Erfolg zu haben?

In der breiten Masse gibt es in Österreich immer noch eine überkritische Neidkultur. Das führt dazu, dass vielversprechende Ideen vorab unnötig gegen eine Skepsis ankämpfen müssen und so mancher Gründer womöglich dadurch verhindert wird. Letztlich tun wir uns damit alle nichts Gutes.  Andere Probleme wie z.B. mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten in Spätphasen werden früher oder später überwunden werden können. Das Kulturthema wird uns jedoch noch länger verfolgen.

Das Interview führte Rudolf Felser.


Martin Pansy:
Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Graz sammelte Martin Pansy erste Erfahrungen als Controller in UK und in den USA, ehe er als CFO bei sms.at anheuerte. 2008 wurde er Geschäftsführer bei sms.at. Heute steht er als Managing Director hinter dem Company Builder Up to Eleven mit Sitz in Graz. Neben Nuki hat das Unternehmen auch die Messaging-App mysms für Cloud-basierten SMS-Versand im Portfolio.
Up to Eleven wurde von Martin Pansy Anfang 2012 gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen nach einem Management Buy-out gegründet. Damals übernahm er - mit Unterstützung seines Bruders Jürgen Pansy und des Investors Toto Wolff - alle Anteile an sms.at vom vorherigen Alleineigentümer Buongiorno. Der österreichische Web-SMS-Pionier sms.at, der dieses Jahr an atms veräußert wurde, war quasi die Basis von Up to Eleven.

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