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03.12.2015 :: Printausgabe 20/2015 :: pi/Oliver Weiss

Digitalisierung: Nichts überstürzen

Laut ITSM Group entsteht derzeit der Eindruck, als würden Unternehmen sofort vom Markt verschwinden, wenn sie nicht innerhalb kürzester Zeit vollständig auf digital umschalten. Die Folge ist ein wenig zielführender, weil überzogener, Handlungsdruck.

Frank Zielke, ITSM Group

Frank Zielke, ITSM Group

© ITSM Group

Klassische Geschäftsmodelle werden infrage gestellt, Newcomer sollen etablierte Branchengrößen schon bald in Gefahr bringen: Die gegenwärtige Diskussion zur Digitalisierung mit ihren Begriffen von Industrie 4.0 bis IoT erzeugt nach Ansicht der ITSM Group bei den Unternehmen jedoch einen überzogenen Handlungsdruck. "Es entsteht unnötigerweise der Eindruck, als würde ihr Business sofort einen erheblichen Schaden nehmen, wenn sie nicht binnen kurzer Zeit vollständig auf digital umschalten", sagt Frank Zielke. Der Vorstand des Beratungshauses hat deshalb alternative Tipps zur strategischen Ausrichtung der Digitalisierung erarbeitet.

Keine bewährten Regeln ohne Not außer Kraft setzen: Rentabel sind Geschäftsmodelle dann, wenn sie auf klassischen Business-Ansätzen beruhen. Denn kaum ein Startup-Konzept schreibt bereits schwarze Zahlen, stattdessen leben sie von Investorengeldern und der Hoffnung einer zukünftigen Rentabilität. Dies spricht keineswegs gegen ein Engagement in Richtung einer Ausrichtung hin zu hochdigitalisierten Prozessen und digitalen Produkten, sondern im Gegenteil sollten wegen des Digitalisierungstrends nicht die bisherigen bewährten marktstrategischen und betriebswirtschaftlichen Regeln außer Kraft gesetzt werden.

Offene Fragen sind keine sichere Entscheidungsgrundlage: Viele Fragen im Zusammenhang mit den weiteren Digitalisierungsthemen sind noch ungeklärt. Beispielsweise sind beim Thema Industrie 4.0 die komplexe Schnittstellenproblematik aufgrund der umfangreichen Vernetzung sowie Security-Fragen noch nicht gelöst. Wer sich angesichts der gegenwärtigen Vielfalt an Unklarheiten vor den Investitionsrisiken scheut, sollte vorläufig noch die weitere Entwicklung für den richtigen Einstiegsmoment beobachten, diese Phase aber konstruktiv zur digitalen Strategiefindung und der internen Prozessdigitalisierung nutzen.

Transformation bei der Digitalisierung der Geschäftsprozesse beginnen: Die digitale Transformation beginnt bereits beim digitalen Reifegrad der Unternehmen. Viele Prozesse in den Business-Abteilungen und der Produktion sind noch manuell und von Papier bzw. Medienbrüchen geprägt, sodass keine durchgängig digitalen und integrierten Abläufe möglich sind. Eine umfassende digitale Prozessinfrastruktur entlang der Wertschöpfungsketten ist jedoch Voraussetzung für Agilität, organisatorische Flexibilität und Reduzierung der Prozesskosten.

Auf das Goldkrönchen in den Projekten verzichten: Allen aktuellen Studien zufolge weist der digitale Reifegrad in den Unternehmensprozessen noch sehr erhebliche Defizite auf, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Digitalisierungsbestrebungen vielfältige Projekte erzeugen. Da die personellen Ressourcen jedoch begrenzt sind und die Realisierung der notwendigen Maßnahmen nicht zu weit in die Zukunft reichen darf, ist eine bewusste Beschränkung der Projektansprüche auf arbeits- und leistungsfähige digitale Prozesse notwendig.

Mut zu mehr zentraler Steuerung: Auch wenn viele Digitalisierungsthemen in den Fachbereichen der Unternehmen beheimatet sind oder sein werden, ist eine systematische Transformation nicht über dezentrale Einzelmaßnahmen zu erreichen. Hierfür bedarf es der Einrichtung eines Transformation Managements innerhalb der IT-Organisation, das für die Planung, Koordination und Realisierung der gesamten Digitalisierungsmaßnahmen verantwortlich ist. (pi/oli)

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