30 Jahre COMPUTERWELT: Ronald Bieber, OCG 30 Jahre COMPUTERWELT: Ronald Bieber, OCG - Computerwelt

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30 Jahre COMPUTERWELT: Ronald Bieber, OCG

Ronald Bieber, Generalsekretär der OCG, im Interview über die letzten 30 Jahre IT- und COMPUTERWELT-Geschichte.

Ronald Bieber, Generalsekretär der OCG

Ronald Bieber, Generalsekretär der OCG

© OCG

Am 14. Mai 1986 wurde die COMPUTERWELT gegründet. Anlässlich des runden Geburstages unserer Printausgabe haben wir 150 heimische Anbieter und Interessensvertreter zu den größten Errungenschaften der IT für das Geschäftsleben in den letzten 30 Jahren befragt. In unserem Sonderheft haben wir ihre Antworten kurz zusammengefasst, auf COMPUTERWELT.at finden Sie alle Statements in voller Länge, die wir in den nächsten Wochen nach und nach veröffentlichen werden. Schauen Sie also mit uns zurück auf 30 Jahre Informationstechnologie.

Welche Technologie hat die Gesellschaft und das Geschäftsleben in den letzten 30 Jahren aus Ihrer Sicht am meisten beeinflusst und auf welche Weise?

Vor allem der rasante Fortschritt der Informationstechnologie in Zusammenhang mit stetig fortschreitender Digitalisierung haben viele Lebensbereiche grundlegend verändert.  
In den letzten 30 Jahren hat die Informations- und Kommunikationstechnologie mehr und mehr alle unsere Lebensbereiche erfasst. Sie ist heute bereits überall präsent, in privatem sowie öffentlichem Leben, in Wirtschaft, Kunst und auch in der Schule. Die Intensität dieser Präsenz wird weiter zunehmen, es sind enorme Potentiale und Auswirkungen, aber auch Risiken gegeben. Zu beachten ist auch, dass sich die Technologie und deren Verwendung in einer raschen Entwicklung befinden. Finanzstarke Märkte und inhaltliche Fortschritte werden diese Entwicklungen künftig noch massiv verstärken (positiv wie negativ).
Die neuen Möglichkeiten der Kommunikation und der Organisation des Wissens fordern eine Änderung unserer Denkweise. Dieser Prozess hat bereits vor 20 Jahren langsam begonnen und nahem in den letzten fünf Jahren ein rasantes Tempo auf. Unserer Meinung nach sind im Speziellen folgende Bereiche hervorzuheben:

  • Problemlösungsstrategien: Informatik und die Umsetzung der informatischen Ideen eröffnen neue Möglichkeiten Probleme strukturiert zu formulieren. Dadurch ergeben sich oft ganz neue Strategien zur Lösung von Fragen aus vielen Bereichen des täglichen Lebens (Beispiel: GPS, Suchen im Internet)
  • Vernetzung und Interdisziplinarität: Die Informations- und Kommunikationstechnologien erlauben nicht nur eine Vernetzung und Dynamisierung in der Darstellung unseres Wissens (Medienkonvergenz). Sie ermöglichen auch eine stärkere Vernetzung unseres Wissens und damit verbunden klassische Fachgrenzen aufzubrechen. (Beispiel: Kombination von historischem Wissen mit geografischem Wissen in thematischen Karten)
  • Organisationsfähigkeit: Die neuen Technologien verändern unser Verständnis von Organisation des persönlichen Lebens und auch des gesellschaftlichen Lebens und bieten in vielen Bereichen auch neue Möglichkeiten der Organisation (Beispiel: semantische Netzwerke)

Informations- und Kommunikationstechnologie ist also heute eine zentrale Kulturtechnik, genauso wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Jugend muss künftig nicht nur für ihr wirtschaftliches Fortkommen, sondern auch in ihrem privaten und öffentlichen Leben Wesen und Funktion dieser Technologie in ihren Grundprinzipien verstehen, ihre Potentiale sinnvoll nutzen und mit ihren Risiken umgehen können. Ein diesbezügliches Mindestmaß an Kompetenzen ist heute selbstverständlicher Teil aktueller Allgemeinbildung.
Als Kulturtechnik spielt IKT nicht nur im Unterrichtsfach Informatik in der Schule eine Rolle. Digitale Medien erfordern eine Umgestaltung der Lehr und Lernprozesse und sind aus einem zeitgemäßen Unterricht – egal in welchem Gegenstand – nicht mehr wegzudenken. Die Meinung, dass die Auseinandersetzung mit Computern und digitalen Medien nur Lehrer/innen dieses Faches betrifft, wird der langfristigen Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologie als globales Gesamtphänomen nicht gerecht.

Was war oder ist der größte Beitrag Ihrer Organisation, um den Arbeitsalltag der Anwender zu erleichtern und zu verbessern?

"Zweck der OCG ist die umfassende und interdisziplinäre Förderung der Informatik und der Kommunikationstechnologie unter Berücksichtigung ihrer Wechselwirkungen auf Mensch und Gesellschaft." – So wurde der Vereinszweck 1975 in den Statuten festgesetzt.
Wir machen den Nutzen von Information und Kommunikation für alle zugänglich und dadurch tragen wir zu einer positiven Entwicklung der Gesellschaft bei!
Unser Plattformgedanke wird durch zahlreiche Aktivitäten für die Mitglieder sowie die breitere informatikinteressierte Bevölkerung unterstrichen: die Veranstaltungsserien wie  die Horizonte, IKT Trends, Impulse, Kamingespräche, OCG Honor Lectures sowie Netzwerktreffen mit der IKT Forschungscommunity sind nur einige unserer zahlreichen IKT Events.
Vermehrt versucht die OCG auch inhaltlich in Projekten IT-Themen zu forcieren: Beteiligung an diversen Technologie-Roadmaps sowie Vernetzungsprojekte wie unter anderem im Bereich Energieinformatik. Weiters etabliert sich die OCG als wichtige Institution, die informatische Bildung den SchülerInnen wie auch PädagogInnen altersadäquat näher bringt.
Die seit vielen Jahren gut laufenden Wettbewerbe und Preise sind wichtige Aktivitäten der OCG zur breiten Förderung der Informatik/IKT.
Als Zertifizierungsstelle nach ISO/IEC 27001 trägt die OCG zur Informationssicherheit in Betrieben bei und verschafft diesen so einen Wettbewerbsvorteil am Markt.
Der Erfolg der OCG stützt sich auch auf die Mitarbeit der zahlreichen externen Expertinnen und Mitgliedern sowie unseren Produkten, wie diverse ECDL - und OCG Zertifizierungen, Sophia Testsystem und Sophia Business aber auch unsere Schriftenreihe und Approbationen.
Im Bereich der IKT-Anwendungskompetenz hat die OCG in den letzten Jahren unter anderem durch die erfolgreiche Koordination des Europäischen Computerführerscheins (ECDL) wesentlich dazu beigetragen, die Computeranwendungskenntnisse in Österreich stark zu verbessern.
Weiters setzt sich einer der ältesten OCG Arbeitskreise "Barrierefreiheit durch IKT" zum Ziel, die Möglichkeiten neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für Menschen mit Behinderung und die ältere Generation, deren Erforschung, Anwendung und Evaluation im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang zu diskutieren und im Hinblick auf Usability und Barrierefreiheit zu fördern.
Im OCG Arbeitskreis Human-Computer Interaction und Usability Engineering HCI&UE beschäftigt man sich mit der Tatsache, dass in allen Bereichen von Informations- und Kommunikationssystemen die Akzeptanz beim Benutzer wesentlich von der ergonomischen Gestaltung der Benutzerschnittstelle abhängt. Daher wird der Arbeitsbereich Mensch-Maschine Kommunikation und Usability für die Industrie immer wichtiger.

Welcher aktuelle Trend hat aus Ihrer Sicht das größte Potential, die IT-Branche in den kommenden Jahren nachhaltig zu beeinflussen und warum?

Wie bereits erwähnt, hat die Informatik nahezu alle Lebensbereiche durchdrungen (siehe Trends rundum Internet der Dinge, Industrie 4.0, Data Scientist, etc.). Daher ist es notwendig die breite Bevölkerung ein informatisches Grundwissen anzueignen.  
Es gibt zahlreiche Aktivitäten zur Qualifizierung betreffend Informations- und Kommunikationstechnologie im Schulbereich, auch im Weiterbildungssektor,
oft von hervorragender Qualität. Ob und in welcher Intensität sich angehende Lehrer/innen mit neuen Technologien und deren effektiven und reflektierten Einsatz im Unterricht auseinander setzen, ist bisher auf das Engagement und das Durchsetzungsvermögen einzelner Lehrgangs- und Lehrveranstaltungsleiter an den jeweiligen Hochschul- und Universitätsstandorten zurückzuführen. Es gibt derzeit keine flächen-deckende, systematisch angedachte Informations- und Kommunikationstechnologie-Ausbildung für alle Lehramtsstudierende. Wir sind davon überzeugt, dass

  • eine derartige Informationstechnologie-Mindestausbildung im Studium eine unabdingbare, verpflichtende Notwendigkeit für ALLE PädagogInnen (aller Fächer, aller Schulstufen und Schultypen, inkl. Kindergärten) darstellt.
  • die PädagogInnenbildungNEU ein geeigneter Zeitpunkt für den Beginn der Implementierung ist
  • die Ausbildung in informatischen Grundkenntnissen als Basis für eine stete Fort-bildung
  • notwendig ist.

Wir schlagen daher vor, für alle PädagogInnen eine verpflichtende IT Mindestausbildung im Studium ehestmöglich einzuführen

Wie sehen daher Ihre Ziele und Pläne für 2016 und längerfristig aus?

Wie schon 1975 in den Statuten verankert, spielt die Förderung der Informatik und der Kommunikationstechnologie unterer besonderer Berücksichtigung ihrer Wechselwirkung mit Mensch und Gesellschaft eine bedeutende Rolle. Um diese Ziele zu erreichen, ist es besonders wichtig, die informatische Gesamtbildung (Informatik, IKT-Anwendungskompetenz, Medienkompetenz) auf einer breiten Ebene zu fördern.
Ziel ist es dabei unter anderem, das sogenannte "Informatische Denken" ("Computational Thinking") als eine Art Kulturtechnik zu verankern. Besonderen Wert legt die OCG dabei auf eine synergetische  Ergänzung der traditionellen Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen.
Die OCG setzt das unter anderem bei der Initiative "OCG Cares" um, wo wir Flüchtlinge und Randgruppen unterstützen ihre Computeranwenderkenntnisse zu stärken.


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