Fix: "3" kauft Orange, A1 bekommt "Yesss!" Detail - Computerwelt

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03.02.2012 Christof Baumgartner

Fix: "3" kauft Orange, A1 bekommt "Yesss!"

Der Kauf von Orange durch "3" ist perfekt. Am 3. Februar haben die beiden kleinsten Handynetzbetreiber Österreichs ihre Ehe besiegelt.

Die Übernahme soll "3" langfristig bis zu 500 Mio. Euro an Kostenersparnis bringen, teilte "3" mit. Ob damit ein Mitarbeiterabbau verbunden ist wurde nicht ausgeführt. Skepsis meldete bereits die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) an.

Beide Unternehmen haben zusammen knapp 1.300 Mitarbeiter. Für die Kunden soll sich zunächst nichts ändern. Der Hongkonger Mischkonzern "3" hat sich den Kauf der France Telecom-Tochter Orange 1,3 Mrd. Euro kosten lassen, nimmt aber davon 390 Mio. Euro durch den Weiterverkauf der Orange-Diskonttochter "Yesss!" an Marktführer A1 wieder ein. Der Weiterverkauf an die Telekom (A1) war laut Branchenbeobachtern aus Wettbewerbsgründen notwendig.

Yesss! hatte zuletzt laut Firmen-Compass lediglich 15 Mitarbeiter und deutlich rückläufige Umsätze. Allerdings hat A1 auch die Markenrechte von "One" erworben. Marktbeobachtern zufolge sollen diese vor dem Markenwechsel von "One" zu "Orange weit über 100 Mio. Euro wert gewesen sein.

"Im Zuge der Veräußerung werden bestimmte Frequenzen, Sendestandorte und geistige Schutz- und Urheberrechte, (...) an die Telekom Austria Group verkauft", so "3" zu den weiteren Assets des Einkaufs. Abhängig vom Erfolg des Integrationsprozesses hat "3" eine Zahlung von bis zu 70 Mio. Euro an den Finanzinvestor Mid Europa Partners für zwei Jahre nach Abschluss der Transaktion vereinbart. Mid Europe Partners hielt 65 Prozent an Orange, 35 Prozent gehörten France Telecom.

WETTBEWERBSGENEHMIGUNG BIS MITTE DES JAHRES Nach Eigenangaben hat "3"/Orange 2,8 Millionen Kunden und einen Marktanteil von 22 Prozent bei gemeinsamen Erlösen von über 700 Mio. Euro. "Die Genehmigung der Übernahme durch die Wettbewerbsbehörden wird Mitte 2012 erwartet. Bis dahin agieren H3G Austria und Orange Austria unabhängig am Markt", so "3". Für die Unternehmen gilt bis zur wettbewerbsrechtlichen Genehmigung ein Vollzugsverbot

"Die Kunden von Orange Austria genießen in Zukunft das superschnelle 3MegaNetz sowie hohe Netzabdeckung und Netzqualität. In Zukunft profitieren alle 3-Kunden von einer weiter steigenden Netzqualität sowie von Innovation und Service infolge des vergrößerten Frequenzspektrums, des erweiterten Vertriebsnetzes und der Effizienzgewinne, die der Zusammenschluss möglich macht", jubelte "3".

Marktführer A1 teilte mit, dass für Yesss! "bis zu" 390 Mio. Euro an "3" gezahlt wurden und damit neben der Diskont-Tochter selber auch Frequenzen und bis zu 634 Basisstationen von "3" erworben wurden. "Die Akquisition der oben erwähnten Vermögensgegenstände wird aus dem bestehenden Cashflow der Telekom Austria Group finanziert", so die Telekom. Diese hatte vor zwei Monaten die Dividende für 2011 und 2012 auf 0,38 Euro pro Aktie halbiert.

Yesss! hat 740.000 Kunden und erwirtschaftete 2010 einen Umsatz von 56,4 Millionen Euro. Der von der Telekom Austria Group vielbeachtete Cash Flow betrug 2,37 Mio. Euro. Yesss! bietet Sprachtelefonie, SMS und Datendienste im Wertkarten- und Vertragskundensegment. "Der Kauf ermöglicht es Telekom Austria Group Kunden zu gewinnen, welche die bestehende Kundenbasis ergänzen", so die Telekom.

KRAMMER GLAUBT AN ZUSAMMENARBEIT Orange-Chef Michael Krammer (51) erwartet von der Übernahme von Orange durch "3" Vorteile für die Kunden und den Wirtschaftsstandort. Denn ohne dieser Marktbereinigung wäre der Preiskampf auf Kosten der Netzinvestitionen und der Servicequalität gegangen, meinte er im Gespräch mit der APA. Letztendlich bringe die Konsolidierung den Kunden günstigere statt teurere Preise. Für die Kunden ändert sich zumindest im nächsten halben Jahr nichts, beide Marken würden unabhängig voneinander weiter geführt.

Wie es mit ihm selbst weitergeht wollte Krammer nicht kommentieren, Chef des fusionierten Unternehmens werde er jedenfalls "sicher nicht". Der ehemalige Bundesheer-Offizier und leidenschaftliche Radfahrer hatte die Marke "tele.ring" groß gemacht und mit dem Slogan "Weg mit dem Speck" den beinharten Preiskampf in Österreich eingeläutet. Vor seinem Wechsel an die Spitze von Orange war Krammer Chef des deutschen Mobilfunkers ePlus.

Er wird branchenintern als potenzieller Nachfolger von Telekom-Chef Hannes Ametsreiter gehandelt, sollte dieser über die zahlreichen Affären in der Telekom Austria stürzen. Gestern war bekanntgeworden, dass der komplette ehemalige Vorstand der Telekom in den Korruptionsskandalen von der Justiz als Beschuldigte geführt wird. Ametsreiter selbst war zu dieser Zeit allerdings nicht Mitglied des Vorstandes, sondern Marketingchef der Mobilfunktochter Mobilkom. Der Vater dreier Kinder und Hobbysportler könnte es sich nach dem seinerzeitigen Verkauf von tele.ring an T-Mobile Austria auch leisten, in den Frühruhestand zu gehen.

Die größten Synergieeffekte durch die Übernahme von Orange durch "3" sieht Krammer in der Technik. Derzeit habe Orange rund 5.000 und "3" um die 4.000 Standorte, künftig würden lediglich bis zu 6.000 Masten benötigt.

Krammer übergibt mit Orange eines der 150 größten Unternehmen des Landes. Marktbeobachter wunderten sich bei auftauchen der Übernahmegerüchte, wie es sein könne das die profitable Orange von einem Unternehmen gekauft werde, dass selbst nach Jahren nur sehr schwer aus den Startlöchern kam. Branchenweit war erwartet worden, dass bei einer Marktkonsolidierung "3" geschluckt werde. Aber es wurde die Rechnung ohne Hutchison-Konzernchef Li Ka-Shing gemacht, der sehr viel Geld in die Hand nahm und einen gewaltigen Netzausbau initiierte sowie die Konkurrenz mit Kampfpreisen irritierte. Ka-Shing war mit 12 Jahren von China in die damalige britische Kronkolonie Hongkong geflüchtet und gilt heute als reichster Mann Asiens.

Bis Ende 2010 hatte Orange nach Eigenangaben rund 2 Mrd. Euro in

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