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01.08.2011 Alex Wolschann/apa

Auftrag zur Kursaffäre 2004 kam direkt von Telekom Austria

Wie "profil" berichtet, hat der Wiener Broker und Euro Invest-Gründer Johann Wanovits im Zuge einer Hausdurchsuchung angegeben, 2004 im Auftrag der Telekom Austria 900.000 Aktien erworben zu haben.

Neues um die verdächtigen Kurssprünge der Telekom Austria-Aktien Anfang 2004 rund um ein Manager-Bonus-Programm: Wie das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet, hat der in die Transaktion verwickelte Wiener Broker und Euro Invest-Gründer Johann Wanovits im Zuge einer Hausdurchsuchung angegeben, 2004 im Auftrag der Telekom Austria 900.000 Aktien erworben zu haben.

Kontaktmann in der Telekom sei der damalige Vorstandsassistent und später Telekom-Manager Gernot Schieszler gewesen. Sowohl Wanovits als auch Schieszler-Anwalt Stefan Prochaska wollten dazu gegenüber "profil" nicht Stellung nehmen. Die Telekom beantwortete die Anfrage des Magazins, ob dem derzeitigen Management bekannt sei, dass der Auftrag an die Euro Invest aus dem Unternehmen selbst gekommen sei, mit: "Nein". Die Hausdurchsuchung im Büro des Wiener Wertpapierhändlers Euro Invest Bank AG haben laut dem Bericht in der vorvergangenen Woche stattgefunden.

Wie das Magazin weiter berichtet, soll Wanovits von Seiten der Telekom eine "Risikoprämie" in der Höhe von einer Million Euro in Aussicht gestellt worden sein, wovon er aber tatsächlich nur knapp weniger als 600.000 Euro erhalten haben dürfte. Ein Teil sei dabei über die Unternehmensgruppe des Telekom-Lobbyisten Peter Hochegger geflossen.

Mit dem Kauf der 900.000 Aktien wurde der Telekom-Kurs über eine entscheidende Schwelle gehievt. Weil der Kurs der Aktie zwischen 20. und 26. Februar 2004 den Kurs von 11,70 Euro überschritt, kassierte das damalige Telekom-Führungsteam und weitere rund 100 Manager insgesamt 9 Mio. Euro an Prämien im Rahmen eines Stock-Option-Programms.

Hauptprofiteure waren die ehemaligen Vorstände Heinz Sundt - ihm standen laut "profil" 390.000 Euro Prämie zu - und seine damaligen Vorstandskollegen Stefano Colombo, Boris Nemsic und Rudolf Fischer, denen jeweils 320.000 Euro zustanden. Schieszler dürfte laut dem Bericht kaum aus eigenem Antrieb heraus gehandelt haben, er habe weder das Pouvoir noch die Mittel dazu gehaben und auch kein plausibles Motiv: Schieszler habe aus dem Optionsplan nur mit 10.000 Euro profitiert.

Telekom-Austria-Chef Hannes Ametsreiter, der 2004 selbst als Mobilkom-Manager davon profitiert hat, begrüßte zuletzt die Anzeige, die die Grünen in diesem Zusammenhang eingebracht hatten. Diese sei gut, wenn sie dazu beitrage, Aufklärung zu schaffen.

Der Vorgänger von Ametsreiter als TA-Chef, Boris Nemsic, ließ das Magazin auf Anfrage wissen: "Wie Sie wissen, bin ich schon längere Zeit nicht mehr im Vorstand der Telekom Austria, und ich kann beim besten Willen nicht TA-bezogene Fragen beantworten und möchte auch nicht in diesem Zusammenhang zitiert werden". Sundt war laut dem Bericht für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Grünen hatte im Februar wegen der auffälligen Kurssprünge der Telekom-Austria-Aktie Anfang 2004 eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue eingebracht. "Es erscheint naheliegend, dass die Telekom-Manager, über die sich das Füllhorn der Bonuszahlungen ergossen hat, das größte Interesse an einer Kurssteigerung der Telekom-Aktie im letzten Moment hatten", begründete Grün-Abgeordnete Gebriela Moser den Gang zur Justiz. Gleichzeitig sei es "vollkommen unglaubwürdig", dass die Euro Invest Bank "ohne Auftrag eines Kunden just am 26. Februar 2004 innerhalb von zwei Minuten auf eigene Rechnung 900.000 Telekom-Aktien kauft". Die Telekom könnte durch diesen Aktienkauf über eine reale Kursentwicklung getäuscht und durch die ausgeschütteten Bonuszahlungen geschädigt worden sein.

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