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22.01.2010 apa/Rudolf Felser

Grünes Licht für Oracle

Selbst für den erfolgsverwöhnten Oracle-Chef Larry Ellison dürfte der geplante große Coup zu einer Zitterpartie geworden sein.

Auch in Europa ist die Bahn nun frei - nach langer Prüfung gab die EU-Kommission grünes Licht für die milliardenschwere Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle. Entscheidend für Oracle dürfte sein, dass Suns Programmiersprache Java Teil der 7,4-Milliarden-Dollar-Übernahme (5,3 Mrd. Euro) ist.

Die größten Befürchtungen hatten die Wettbewerbshüter wegen der Zukunft der Datenbank-Lösung MySQL. Die OpenSource-Software ist frei verfügbar und populär etwa beim Aufbau und der Verwaltung flexibler Webauftritte und Internet-Blogs. 2008 hatte Sun die Software gekauft und bietet seither auch eine kommerzielle Variante an. Mit der Übernahme durch Oracle könne das Ende der Software eingeläutet werden, lauteten Bedenken vor allem der OpenSource-Gemeinde. Damit könne Oracle sich elegant eines kostenlosen Konkurrenten entledigen.

Oracle-Chef Ellison hatte die Bauchschmerzen der Wettbewerbshüter immer wieder wortreich auszuräumen versucht, was zunächst allerdings nicht von Erfolg gekrönt war. Ganz im Gegenteil: Mit spitzen Anwürfen gegen die EU-Kommission, von Software überhaupt keine Ahnung zu haben, machte er sich nicht unbedingt Freunde. Ende 2009 lenkte Ellison schließlich ein und gab der Kommission konkrete Zusicherungen zu MySQL. Zusätzlich hatte die Prüfer die Erkenntnis überzeugt, dass Oracle-Software nur in einigen Marktsegmenten tatsächlich mit MySQL in direkter Konkurrenz steht.

Den Markt für Datenbank-Software teilen sich weltweit vor allem drei große Anbieter: IBM, Microsoft und Marktführer Oracle. Zusammen kommen die Unternehmen gemessen an den Umsätzen auf einen Marktanteil von rund 85 Prozent. Trotz dieser Konzentration hatte auch die EU- Kommission schließlich ihre Bedenken aufgegeben, durch die Übernahme könne es zu einer den Wettbewerb beeinträchtigenden Stellung von Oracle kommen.

Die geplante Übernahme von Sun war in der Branche zunächst mit Überraschung aufgenommen worden. Schließlich hatte Oracle nie etwas mit Hardware zu tun. Eines der wichtigen Standbeine von Sun ist aber der Verkauf von Hardware - große Server für Unternehmen. Mit der Übernahme wird Oracle damit erstmals auch Anbieter von Hardware und kann nun, etwa wie der Rivale IBM, Hard- und Softwarelösungen aus einer Hand anbieten.

TAUSENDE JOBS WACKELN Was von dem Servergeschäft mittelfristig allerdings übrig bleiben wird, bleibt abzuwarten. Oracle hatte bereits kurz nach Bekanntwerden seiner Pläne eine genaue Prüfung des Geschäfts angekündigt. Die Sparte hatte zuvor auch Sun Microsystems zunehmend unter Druck gesetzt, da die Nachfrage der Großkunden vor allem in der weltweiten Wirtschaftskrise erheblich eingebrochen war. Beobachter gehen davon aus, dass bis zu 5.000 Jobs gestrichen werden.

Weit wichtiger dürfte für Oracle allerdings Suns Softwareplattform und Programmiersprache Java sein. Branchenkenner schätzen sogar, dass Java die wichtigste Software überhaupt ist, die Oracle je übernommen hat. Java liegt vielen Anwendungen im Internet wesentlich zugrunde und wird heute in unzähligen Geräten vom Handy bis zum Großrechner eingesetzt. Nach der Zustimmung der EU-Kommission wird Oracle zügig durchstarten. Seit der Bekanntgabe der Übernahmeabsichten im April 2009 ist viel Zeit verstrichen.

Ellison hatte immer wieder - vergeblich - eine zügige Entscheidung gefordert. Die lange Ungewissheit soll Sun Microsystems bis zu hundert Mio. Dollar im Monat gekostet haben.

Doch Oracle hat den längeren Atem bewiesen. Der angeschlagene Serverhersteller Sun hatte zuvor bereits nach einem solventen Käufer gesucht. Kurze Zeit war auch IBM im Gespräch, doch selbst der IT-Riese schreckte vor dem hohen Kaufpreis zurück. Aber nicht zuletzt auch wegen des ungewissen Ausgangs bei einer Wettbewerbsprüfung entschied sich IBM gegen eine Übernahme. Oracle hofft nun gemeinsam mit Sun bereits im ersten Jahr auf einen operativen Gewinn von 1,5 Mrd. Dollar.

MySQL-Erfinder und -Gründer Michael Widenius will sein "Datenbank-Baby" allerdings nicht kampflos aufgeben. Er hat eine Kampagne ins Leben gerufen, die inzwischen mehr als 30.000 Unterschriften gesammelt hat. Trotz dem "OK" der EU gehe die weltweite Auseinandersetzung um die Übernahme von Sun und vor allem die Open-Source-Datenbank MySQL weiter, so Widenius in einer Aussendung. Das EU-Verfahren wurde also abgehakt, nun steht der Fokus auf China und Russland. Diese Länder könnten den Angaben zufolge nach wie vor die Übernahme blockieren, sofern Oracle keine förmlichen und angemessenen Lösungsvorschläge unterbreitet. (apa/rnf)

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