Gastkommentar: Wettbewerbsbehörde Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


10.03.2010 Wolfgang Moser*

Gastkommentar: Wettbewerbsbehörde

Einen Unternehmensanteil zu (ver)kaufen gehört zu den Grundrechten der freien Wirtschaft. Allerdings können einem solchen Vorgang Grenzen gesetzt sein. Gesetze sollen sicherstellen, dass durch eine Übernahme der Wettbewerb nicht ausgeschaltet wird und Kunden vor ein Monopol gestellt werden.

In Österreich ist dafür zunächst die Wettbewerbsbehörde zuständig, in manchen Fällen danach auch das Kartellgericht.

Aus den Nachrichten kennt man das Ritual: Da haben sich Firmenchefs auf eine Übernahme geeinigt, doch dann heißt es, das Ganze hänge noch von der Zustimmung der Behörden ab. Warum? Weil durch den geplanten Zusammenschluss der Wettbewerb in der betroffenen Branche zu stark eingeschränkt werden könnte. Genau zum Schutz dagegen wurden Gesetze und Behörden eingerichtet.

Für Unternehmen wäre das die bequemste Situation: Sie schalten alle Konkurrenten aus, können ungestört allein agieren und vor allem die Preise nach oben treiben. Das Österreichische und das europäische Wirtschaftsrecht unterbinden das. Aus der Geschichte hat man gelernt: Durch ein Monopol werden die Preise künstlich hoch gehalten und es fehlt der Anreiz für Innovationen. Musterbeispiel Telefonie: Was war das doch für eine teure und verschlafene Angelegenheit bis Anfang der 90er-Jahre voller Wettbewerb zugelassen wurde und eine ungeahnte Entwicklung an Dienstleistungen rund um die Kommunikation einsetzte.

Die Wettbewerbsbehörde soll dafür sorgen, dass in einer Branche nicht wieder ein Monopol mit all seinen nachteiligen Folgen für die Konsumenten entsteht. Dennoch ist es grundsätzlich zulässig, dass ein Unternehmen ein anderes kauft. Vorausgesetzt, es entsteht dabei keine marktbeherrschende Stellung. Und deswegen das bekannte Ritual: Zwei Unternehmen geben ihre Absicht für den Zusammenschluss bekannt, und die Behörde beginnt mit der Prüfung der Auswirkungen.

Nicht jeder Unternehmenskauf ist meldepflichtig: Erst wenn die beteiligten Unternehmen jeweils mehr als fünf Millionen Euro Umsatz haben und gemeinsam in Österreich auf mehr als 30 Millionen Euro kommen, interessiert sich die Behörde dafür. Auch weltweit tätige Konzerne mit Sitz im Ausland müssen sich bei einem Zusammenschluss von den österreichischen Behörden (und denen vieler anderer Länder) prüfen lassen, wenn sie im Inland entsprechende Umsätze erzielen.

Rund 30 solche Vorgänge wurden 2009 pro Monat von der Bundeswettbewerbsbehörde geprüft. Wenn dabei herauskommt, dass durch den Zusammenschluss eine marktbeherrschende Stellung entstehen könnte, werden zunächst die Beteiligten zur Klärung aufgefordert, wie sie das verhindern wollen. Können die Bedenken nicht ausgeräumt werden, wird das Kartellgericht angerufen. Ein wirkliches Verbot für einen Zusammenschluss kommt dabei höchst selten heraus. Die Lösung sieht meistens so aus: Die zwei Unternehmen dürfen zwar grundsätzlich zusammengehen, müssen aber zuvor attraktive Standorte oder Geschäftszweige an andere Unternehmen abgeben, damit auch in Zukunft Wettbewerb möglich ist.

Und warum hört man in solchen Fällen so oft etwas von Brüssel? Bei den großen Fällen ist nicht mehr ein einzelnes Land, sondern die Europäische Kommission zuständig. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe der Computerwelt.

* Der Autor ist selbständiger Unternehmensberater. Er arbeitet mit Unternehmen, die wachsen möchten und sich auf den Einstieg von Investoren vorbereiten. Mehr dazu unter www.prozess-delta.com.

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • KORAM Softwareentwicklungsgesellschaft m.b.H:

    KORAM Softwareentwicklungsgesellschaft m.b.H: Betriebsdaten- und Zeiterfassung, Kaufmännische Software (ERP), Management Informationssysteme (MIS), Bauwesen, Einzelhandel, Fertigung, Produktion und Konstruktion, Freie Berufe,... mehr
  • Editel Austria GmbH

    Editel Austria GmbH Supply Chain Management, E-Procurement und Supply Chain Management, Datenkonvertierung, Überwachungssysteme, Trust Center/Zertifizierungssoftware, Digitale Signatur, Datensicherung,... mehr
  • EASY SOFTWARE GmbH

    EASY SOFTWARE GmbH Schrifterkennung, Mobile Lösungen und Applikationen, Management Informationssysteme (MIS), Dokumentenmanagement und ECM, Business Intelligence und Knowledge Management mehr
  • T-Systems Austria GesmbH

    T-Systems Austria GesmbH WLAN-Systeme, VPN, Voice Mail Dienste, Videokonferenz-Systeme, Unified Messaging Dienste, Netzwerk-Systeme (LAN, MAN, WAN), Netzwerk-Management,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: