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Apples Glanz bröckelt

Apple wächst zwar weiterhin dank seiner begehrten iPhones und iPads, der Gewinn fiel im abgelaufenen Quartal aber erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt. Konzernchef Tim Cook räumte in ungewohnter Offenheit ein, dass die sehr hohen Margen aus der Vergangenheit nicht mehr zu halten sind. Er kündigte neue Produkte an - allerdings nicht vor Herbst 2013.

"Wir stellen fest, dass sich unsere Wachstumsrate verlangsamt hat", sagt Apple-CEO Tim Cook.

"Wir stellen fest, dass sich unsere Wachstumsrate verlangsamt hat", sagt Apple-CEO Tim Cook.

© apa

Kurzfristig dürfte sich damit die Situation nicht bessern. Kritiker monieren, dass der weltgrößte Technologiekonzern nach dem Tod des legendären Firmengründers Steve Jobs vor 18 Monaten seine Kunden nicht mehr mit Neuheiten begeistern kann. Der südkoreanische Rivale Samsung hat das US-Unternehmen bei den Smartphone-Verkäufen bereits überholt.

Apple musste in seinem zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2012/13 einen Gewinnrückgang von satten 18 Prozent auf 9,5 Mrd. Dollar (7,3 Mrd. Euro) hinnehmen. Die Rohertragsmarge, die zeigt, was pro Produkt als Gewinn hängenbleibt, stürzte um rund zehn Punkte auf nur noch 37,5 Prozent ab. Das ist noch ein Punkt weniger, als Analysten befürchtet hatten. Darin spiegelt sich unter anderem wider, dass immer mehr günstige Smartphones auf den Markt kommen. Der gesamte Umsatz stieg zwar überraschend stark um 11 Prozent auf 43,6 Mrd. Dollar, aber lange nicht mehr so schnell wie in den Jahren zuvor. Vor allem in China und den USA verliert das Unternehmen an Tempo.

Weil Apple in den vergangenen Quartalen immer wieder die hoch gesteckten Markterwartungen verfehlt hatte und auch von Zulieferern zunehmend vorsichtige Töne kamen, haben viele Investoren die Aktie aus ihren Portfolios verbannt. Im September hatte das Apple-Papier bei 702,10 Dollar ein Allzeithoch erreicht, seitdem ging es steil bergab. Vergangene Woche rutschte die Aktie unter die Marke von 400 Dollar. Ein Börsenwert von 280 Mrd. Dollar ging dabei verloren - das ist mehr Geld, als etwa Rivale Google insgesamt wert ist. Apple-Aktien sind damit an der Börse keine sichere Wette mehr, sondern einer der größten Verlierer in diesem Jahr.

Dem Druck der Aktionäre, deutlich mehr Kapital auszuschütten, gibt das Management nun nach - offenbar, um die Eigentümer zu besänftigen. Seit langem wird kritisiert, dass das Unternehmen zu viel Geld hortet. In der Schatztruhe liegen über 145 Mrd. Dollar. Das entspricht in etwa dem Dreifachen der Wirtschaftsleistung Bulgariens. Apple will sogar erstmals Schulden machen, um Aktienrückkäufe zu finanzieren und höhere Dividenden bis Ende 2015 zahlen zu können. Das Gesamtvolumen dieser Maßnahmen soll dabei bei 100 Mrd. Dollar liegen. Das ist doppelt so viel, wie 2012 zunächst vorgesehen war. Apple wird so zum weltgrößten Dividenden-Zahler. Die Aktionäre sollen eine Ausschüttung von 12,20 Dollar pro Anteilsschein bekommen. Das entspricht einer Summe von 11,5 Mrd. Dollar - allein für ein Jahr.

Die Kalifornier verkauften im abgelaufenen Quartal 37,4 Millionen iPhones, 2,3 Millionen mehr als vor Jahresfrist. Bei den iPads stieg der Absatz um 7,7 Millionen auf 19,5 Millionen Stück. Die Zahl der verkauften Mac-Computer sank dagegen unter die Vorjahresmarke von vier Millionen. Für das laufende Quartal stellte Apple einen Umsatz von 33,5 bis 35,5 Mrd. Dollar in Aussicht und liegt damit deutlich unter den Erwartungen der Branchenexperten.

"Wir stellen fest, dass sich unsere Wachstumsrate verlangsamt hat und unsere Margen gesunken sind gegenüber dem außergewöhnlich hohen Niveau von 2012", sagte Vorstandschef Cook. Der Jobs-Nachfolger ergänzte, einige sehr aufregende Dinge würden ab Herbst von Apple kommen. Details blieb er aber schuldig. Zuletzt gab es Spekulationen, mit einem neuen iPhone sei schon im Sommer zu rechnen. Im außerbörslichen Handel in den USA stiegen Apple-Aktien zunächst um sechs Prozent, tendierten dann aber kaum verändert. Denn die Cook-Äußerungen wurden so ausgelegt, dass sich der Trend in den nächsten Monaten nicht ändern dürften.

Wie kein anderes Unternehmen ist Apple für seine Innovationen bekannt - und hängt von diesen ab. Denn mit dem iPod hat der Konzern die Musikbranche auf den Kopf gestellt. Das iPhone veränderte die Telekommunikationslandschaft radikal und das iPad setzt den Herstellern klassischer Computer zu. Noch wächst Apple zwar, der wichtige Smartphone-Markt ist aber langsam gesättigt. Und Samsung hat Apple schon überholt. Die Südkoreaner kamen zuletzt auf einen Marktanteil von gut 30 Prozent, die Amerikaner nur noch von unter 20 Prozent. Aus dem Umfeld asiatischer Zulieferer hieß es zuletzt, die Firmen versuchten momentan ihre Abhängigkeit von Apple zu reduzieren. Über viele Jahre hatte der immense Apple-Erfolg genau zum Gegenteil geführt. Die Aktienkurse waren schon bei Gerüchten, bestimmte Zulieferer könnten in den Kreis der Apple-Partner aufgenommen werden, stark gestiegen.

Außerdem wird Samsung zu einem immer stärkeren Konkurrenten. Die Asiaten haben in den ersten drei Monaten des Jahres dank des florierenden Absatzes von Mittelklasse-Smartphones operativ 53 Prozent mehr verdient. Experten erwarten, dass das neue Flaggschiff Galaxy S4 Samsung ab dem zweiten Quartal Bestwerte bescheren wird.

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