Mit Tradition und Wachstum gegen die Krise Mit Tradition und Wachstum gegen die Krise - Computerwelt

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05.06.2013 :: Printausgabe 12/2013 :: Christof Baumgartner

Mit Tradition und Wachstum gegen die Krise

Das österreichische Traditionsunternehmen Kapsch kann nicht nur auf eine 120 Jahre dauernde Unternehmensgeschichte zurück-, sondern auch optimistisch in die Zukunft blicken. Daran hat auch die Tochter Kapsch Businesscom einen großen Anteil. Vorstandsmitglied Jochen Borenich spricht im COMPUTERWELT-Interview über Strategie und Ziele des Unternehmens.

Jochen Borenich, Kapsch

Jochen Borenich, Kapsch

© Kapsch

Kapsch ist in den letzten Jahren unter anderem durch Zukäufe von Firmen (z.B. Nortel) zu einem globalen Player in Bereichen wie Zugfunk (GSM-R) oder Mautsystemen gewachsen. Neben den Töchtern Trafficcom und Carriercom kann auch die IT-Dienstleistungstochter Kapsch Businesscom mit respektablen Wachstumszahlen aufwarten. Vorstandsmitglied Jochen Borenich spricht im COMPUTERWELT-Interview über Strategie und Ziele des Unternehmens.

Computerwelt: Kapsch konnte in den letzten Jahren trotz anhaltender Krise regelmäßig Wachstum verzeichnen. Wie erklären Sie sich das?
Jochen Borenich:
Der Markt, in dem die Kapsch Businesscom (KBC) unterwegs ist, wächst in Österreich um etwa vier Prozent pro Jahr. Wir hatten in Österreich im Vorjahr einen Umsatz von 240 Mio. Euro und ein Jahr davor von 200 Mio. Euro, das heißt wir wachsen deutlich schneller als der Markt. Das hat meiner Meinung nach mehrere Gründe: Einer ist die strategische Ausrichtung der KBC, und wir haben den Eindruck, dass es Kunden schätzen mit einem Partner zusammen zu arbeiten, der sein Headquarter in Österreich hat. Das bringt kurze Entscheidungswege mit sich und in weiterer Folge die Möglichkeit, sehr flexibel auf die Kundenanforderungen eingehen zu können und nicht nach einem Standardprozess vorgehen zu müssen, der im Ausland vordefiniert wurde. Wir sind auch eines der wenigen Unternehmen österreichweit, die mit eigenen Geschäftsstellen, das heißt eigenen Leitern, Vertriebsstellen und Technikern, vor Ort vertreten sind. Die Kunden werden von unseren eigenen Leuten lokal betreut und deshalb haben wir kurze Reaktionszeiten.

Welcher Bereich wächst am stärksten?
Der Bereich Outsourcing ist derzeit ein starker Wachstumstreiber. Grundsätzlich haben wir zwei Geschäftsfelder: Operations, in den der Bereich Outsourcing fällt, und Projects. In ersterem wachsen wir wie gesagt um 30 Prozent und im Bereich Projects um etwa zehn Prozent. Aber auch da wachsen wir doppelt so schnell wie der Markt.

Warum sollen sich Kunden für Kapsch als Outsourcing-Partner entscheiden?
Da kommen wieder die Aspekte wie Kundennähe, von denen wir vorher gesprochen haben, ins Spiel. Dazu kommt die Stabilität, die man mit dem Namen Kapsch verbindet. Das Unternehmen ist 120 Jahre alt und wenn man als Kunde einen mehrjährigen Auftrag vergibt, dann möchte man einen Partner haben, der die nächsten Jahre auch noch auf dem Markt ist. Das sind nicht zu unterschätzende Faktoren, die neben dem Preis auch in strategische Überlegungen der Kunden einfließen. Der österreichische Outsourcingmarkt ist aber noch nicht so reif wie etwa in Großbritannien oder Deutschland. Hier haben die Unternehmen noch einen relativ großen Kostenblock für Eigenpersonal und wenig Budget für Outsourcing. Aber das ändert sich gerade, der Outsourcingmarkt ist der am stärksten wachsende IT-Markt in Österreich. Auch in Osteuropa kommt der Markt erst in Schwung und wir sind dort mit Niederlassungen und eigenen Mannschaften gut aufgestellt. In Rumänien haben wir auch unser Nearshore-Zentrum gebaut, das bedeutet wir beziehen aus der Kapsch-Gruppe heraus Leistungen von dort.

Warum Rumänien?
Es ist nicht leicht in Österreich technisch gut ausgebildete Leute zu finden, Thema Fachkräftemangel. Wir suchen ständig Leute. Und nach wie vor ist in Rumänien der Kostenvorteil gegeben. Zudem hat sich Rumänien nach der Autoindustrie auch auf den IT-Bereich spezialisiert. Aber wir bilden auch selber Leute aus und arbeiten eng mit den Ausbildungsstätten zusammen. Zusätzlich haben wir ein eigenes "Young Professional"-Programm, in das wir viel Geld investieren um Leute für den Technikbereich zu begeistern.

Wie ist die Strategie des Unternehmens aufgebaut?
Wir decken in unserer Organisation drei Bereiche ab. Der unterste Layer ist "Facility solutions". Dieser Bereich umfasst gebäudenahe Themen, die mittlerweile auf IT basieren, wie zum Beispiel Zutrittskontrolle oder Videoüberwachung. Der zweite Layer ist der Bereich "ICT Infrastructure Solutions", welcher das gesamte Rechenzentrum wie Server, Storage, Network und logical security umfasst. Und der oberste Layer ist "Work Space and Application Solutions", also alles womit der User interagiert, wie Laptop, Tablet, Smartphone oder Videokommunikation. Unserer Meinung nach ist das auch der Blick, mit dem der Kunde auf den IT-Bereich schaut. Er überlegt von oben nach unten, was ist das Kerngeschäft oder der Zweck des Unternehmens und wie kann er dann seine IT-Strategie aufbauen.

Das klingt nach Unternehmensberatung.
Wir sind kein klassischer Unternehmens- oder Strategieberater, aber die Strategie wird in Prozessen abgebildet, die Prozesse in Applikationen, der User greift über Devices auf diese Applikationen zu und die Applikationen laufen in Rechenzentren. Dazu braucht man Infrastruktur und darunter ist dann die "Facility", also alle physischen Bereiche bis hin zu Rechenzentren, wo wir auch inklusive Themen wie Klimatisierung oder Löschanlagen aufbauen können. Weitere Wachstumstreiber für uns sind Virtualisierung und Cloud-Services, UCC, Big Data, Mobility und Consumerization und Security. In all diesen Bereichen bieten wir umfassende Lösungen. Die Zielsetzung der KBC ist weiterhin doppelt so schnell zu wachsen wie der Markt.

War die Strategie von Kapsch schon immer so aufgebaut?
Nein, gerade wenn man sich das Thema Telefonie anschaut, aus dem Kapsch ursprünglich stammt, sieht man, dass sich der Bereich massiv gewandelt hat. Es ist als Thema Communications oder Collaboration mittlerweile ein Teil von Applications geworden. Telefonie war früher – auch bei Kunden – in einem unteren Layer, bei In-frastructure oder Facility beheimatet, und ist nun ganz oben im Bereich Workspace und Applications angesiedelt. Von unserer Position her sind wir Systemintegrator und Betriebsführungspartner. Wir produzieren und entwickeln keine eigenen Produkte. Natürlich entwickeln wir auf Kundenanforderungen eigene Apps und Lösungen, aber es gibt nicht das "Standard-Kapsch-Produkt". Wir arbeiten im UCC-Bereich eng mit Partnern wie Cisco oder Avaya zusammen, und diese Anbieter haben Apps, die wir in unseren Lösungen nutzen. Telefonie ist zu einer App geworden.

Das Gespräch führte Christof Baumgartner


Jochen Borenich

Jochen Borenich hat Handelswissenschaften an der WU Wien studiert und berufsbegleitend den Executive MBA an der Wirtschaftsuniversität Wien & Carlson School of Management (University of Minnesota) abgeschlossen. Darüber hinaus hat er diverse postgraduale Trainings absolviert. Seine berufliche Karriere begann er beim Debis Systemhaus, einem Vorgängerunternehmen von T-Systems Austria. Von 2002 bis 2010 war Borenich bei T-Systems, ab 2006 als Mitglied der Geschäftsführung, tätig. Seit September 2010 ist er Mitglied des Vorstandes bei Kapsch Businesscom.

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