Google ehrt Mailüfterl-Erfinder Zemanek mit Video Google ehrt Mailüfterl-Erfinder Zemanek mit Video - Computerwelt

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Google ehrt Mailüfterl-Erfinder Zemanek mit Video

Mit dem "Mailüfterl" hat der österreichische Elektroingenieur Heinz Zemanek Ende der 50er einen der ersten Transistorrechner weltweit gebaut und wurde damit zu einem Pionier der frühen Computerwissenschaften.

Ab sofort ist eine sechsminütige Kurzdoku über die Entstehung des Mailüfterl-Projekts von Heinz Zemanek auf Youtube abrufbar.

Ab sofort ist eine sechsminütige Kurzdoku über die Entstehung des Mailüfterl-Projekts von Heinz Zemanek auf Youtube abrufbar.

© apa

Nun wurde der heute 93-jährige von Google im Rahmen des "Computer Heritage Program" geehrt: Ab sofort ist eine sechsminütige Kurzdoku über die Entstehung des Projekts auf Youtube abrufbar. Ziel des Programms sei, den Pionieren der Anfangszeit der IT Respekt zu zollen, erklärte Markus Kienberger von Google Österreich bei der Präsentation des Videos im Naturhistorischen Museum, wo das "Mailüfterl" heute steht. Zemanek habe bei dem Projekt nicht nur Pioniergeist, sondern auch Unternehmertum bewiesen - immerhin musste er etwa mangels Geld Philips in Holland dazu bringen, ihm die im "Mailüfterl" verbauten rund 3.000 Transistoren und 5.000 Dioden zu schenken. Zemanek selbst zeigte sich sehr erfreut über die Ehrung, betonte aber gleichzeitig: "Es hat an Anerkennung für mich nicht gefehlt, ich kann mich nicht beschweren."

 

Zemaneks Projekt fiel in eine Zeit der Umbrüche, weg von den Elektronenröhren mit ihrer enormen Hitzeentwicklung hin zu Transistoren. Dass er mit seinem Team schließlich 1956 beginnen konnte, einen der ersten voll-transistorisierten Computer weltweit und den ersten Kontinentaleuropas zu bauen, ist, wie Zemanek betont, auch der Tatsache zu verdanken, dass er damals an der Technischen Uni Wien "keinen Chef" hatte. Eigentlich war Zemanek nur Assistent, de facto aber in der Rolle des Institutsleiters. "Ich nahm mir einfach die Freiheit, einen Computer zu bauen und es hat mich niemand aufgehalten", sagt Zemanek in der Doku.

Begeisterungsfähigkeit und Risikobereitschaft waren die Kriterien, nach denen er sein Team aus einer Handvoll Studenten zusammengesetzt hat. "Keiner konnte ja garantieren, dass aus dem Mailüfterl-Projekt letztlich etwas wird", beschreibt sein Mitarbeiter Kurt Walk die Voraussetzungen. In vielen Stunden, auch am Wochenende, wurden die tausenden Einzelteile zu einem Rechner zusammengebaut. Das gestaltete sich mühsam, erinnert sich Zemanek: "Es gab ja noch keine Computerzeitschriften und nur ganz wenige Bücher über Computer, man musste sich die Information also einzeln zusammenholen, damit man genügend weiß, um einen Computer zu bauen." Dadurch sei er aber auch ganz rasch vom Elektroingenieur zum Programmierer geworden.

Dass die Transistoren und Dioden eigentlich für Hörgeräte konzipiert waren, hat die Leistung des Rechners etwas ausgebremst - und so kam er auch zu seinem Namen: Damals wurden die führenden Maschinen nach Winden benannt, etwa der "Whirlwind" des MIT. "Wir werden zwar keinen amerikanischen Typhoon bauen, aber ein Wiener Mailüfterl wird's schon werden", erinnert sich Walk an Zemaneks launige Begründung. 

 

   Das Ergebnis war ein mehr als zwei Meter hohes und mehrere Meter breites graues Gestell, in dem sich das "Mailüfterl" verbirgt.

Damals gab es weder Bildschirm noch Tastatur, der Rechner arbeitete noch mit Lochstreifen. Am 27. Mai 1958 wurden die ersten Berechnungen gestartet: In 66 Minuten berechnete er die Primzahl 5073548261. Dabei, betonte Norbert Rozsenich, Vorstand der von Zemanek begründeten Österreichischen Computer Gesellschaft (OGC), habe Zemanek es immer schon auf technische Anwendungen für den Rechner abgesehen gehabt. So habe das "Mailüfterl" auch drei verschiedene Konzepte der Kybernetik simuliert.

Das "Mailüfterl" habe zwar funktioniert und gerechnet, das Heikle sei allerdings gewesen, dass der Betrieb auch über Stunden funktioniere, so Zemanek über die damalige Herausforderung. So wurde der Rhythmus des Programmablaufs dann auch permanent anhand der Geräusche kontrolliert, untertags per Rundfunkgerät und in der Nacht von Außen über das Telefonnetz, erzählt Viktor Kudielka aus Zemaneks damaligem Team. Sein Kollege Walk: "Wir haben sie beobachtet wie einen Kranken auf der Intensivstation."Der Leistung des Teams ist Walk sich heute bewusst: "Allein die Sichtbarkeit des Projekts Mailüfterl hat mitgeholfen, die Computertechnik in Österreich zu etablieren." Und Google geht in dem Video noch einen Schritt weiter: "Für einen Augenblick machte das Wiener Mailüfterl Österreich zum Vorreiter der europäischen Computerwissenschaften."

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